Dong Guangping (; * 13. April 1958 in Zhengzhou, Henan) ist ein chinesischer Menschenrechtler und ehemaliger Polizist. Er setzt sich für die Erinnerung an das Tian’anmen-Massaker von 1989 ein, musste mehrere Haftstrafen in China verbüßen und unternahm wiederholt Flucht- und Asylversuche über Thailand, Vietnam und Südkorea. Seit Ende Juni 2026 lebt er in Kanada, wo sich bereits seine Frau und seine Tochter niedergelassen hatten.
Leben Dong Guangping arbeitete 13 Jahre lang als Polizist, bevor er wegen seines politischen Engagements aus dem Polizeidienst entlassen wurde. Im Jahr 1999 verlor er seine Stelle, nachdem er einen öffentlichen Brief zur Erinnerung an den zehnten Jahrestag des Tian’anmen-Massakers unterzeichnet und entsprechende Artikel verbreitet hatte. 2001 wurde er wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsmacht“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Von Mai 2014 bis Februar 2015 wurde er nach der Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer von 1989 erneut festgehalten.
Im September 2015 floh Dong mit seiner Frau und seiner Tochter nach Thailand, wo sie vom UN-Flüchtlingshilfswerk als Flüchtlinge anerkannt und für die Aufnahme in Kanada vorgesehen wurden. Am 13. November 2015 schoben die thailändischen Behörden ihn gemeinsam mit Jiang Yefei dennoch nach China ab, wenige Tage bevor beide in ein Drittland ausreisen sollten. Seine Frau und seine Tochter wurden in Kanada aufgenommen und ließen sich später in Toronto nieder. Nach seiner Rückführung wurde Dong in Chongqing wegen „Untergrabung der Staatsmacht“ und „illegaler Überquerung der Staatsgrenze“ angeklagt und zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Nach seiner Entlassung im Jahr 2019 versuchte Dong zunächst, schwimmend die zu Taiwan gehörende Inselgruppe Kinmen zu erreichen. Chinesische Fischer griffen ihn auf und übergaben ihn der Polizei; anschließend untersagten ihm die Behörden die Ausreise aus China. Im Januar 2020 gelang ihm dennoch die Flucht nach Vietnam, wo er zwei Jahre lang verborgen in Hanoi lebte und auf eine Weiterreise nach Kanada hoffte. Am 24. August 2022 wurde Dong in Hanoi von vietnamesischen Sicherheitskräften festgenommen; anschließend war sein Aufenthaltsort über Monate unklar. Er wurde schließlich nach China zurückgebracht und dort erneut wegen illegaler Grenzüberquerung inhaftiert. Im Oktober 2023 kam er in Henan nach einer elfmonatigen Haftstrafe frei.
Für einen weiteren Fluchtversuch plante Dong, mehr als 300 Kilometer über das Gelbe Meer zu fahren und anschließend entlang der südkoreanischen Küste nach Japan weiterzureisen. Bei seinen Vorbereitungen orientierte er sich auch am chinesischen Aktivisten Kwon Pyong, der 2023 auf einem Jetski nach Südkorea geflohen und später in den Vereinigten Staaten aufgenommen worden war. Im Mai 2026 brach Dong nach nur wenigen Stunden Übung von Weihai in der Provinz Shandong mit einem 3,3 Meter langen motorisierten Schlauchboot auf. Wegen der schlechten Wetterbedingungen gab er sein ursprüngliches Ziel Japan auf und steuerte stattdessen die näher gelegene südkoreanische Küste an.
Während der rund 40-stündigen Überfahrt litt Dong unter Schlafmangel, Schwindel, Erschöpfung und starkem Sonnenbrand. Da der Akku seines Mobiltelefons beinahe leer und sein tragbares Ladegerät ausgefallen war, musste er sich auf einen digitalen Kompass verlassen und befürchtete, durch die Strömung wieder in Richtung China abgetrieben zu werden. Nachdem er zeitweise eingeschlafen war, entging er nur knapp einem Zusammenstoß mit einem großen Frachtschiff. Schließlich machte er ein Fischerboot auf sich aufmerksam und wurde mit Unterstützung von Fischern und der südkoreanischen Küstenwache bei Taean an Land gebracht.
Dong wurde zunächst wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Einwanderungsrecht festgehalten. Ein Bezirksgericht lehnte jedoch einen Antrag auf Untersuchungshaft wegen illegaler Einreise ab. Anschließend wurde er in einer Flüchtlingseinrichtung in Incheon untergebracht. Kanada gewährte ihm politisches Asyl, und Ende Juni 2026 flog er nach Toronto, wo seine Familie lebte.
Wirken Dongs politisches Engagement umfasst Demokratie, Menschenrechte und die Erinnerung an die Ereignisse vom 4. Juni 1989. Amnesty International beschrieb ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen. Seine Abschiebung aus Thailand löste Kritik des UNHCR und von Menschenrechtsorganisationen aus, weil er als anerkannter Flüchtling einem Risiko von Folter, Misshandlung und unfairen Verfahren in China ausgesetzt gewesen sei.
In Kanada wurde sein Fall insbesondere durch die Bemühungen seiner Tochter Katherine Dong bekannt, die von den Regierungen Vietnams und Chinas Auskunft über seinen Aufenthaltsort sowie die Familienzusammenführung in Kanada verlangte. UN-Menschenrechtsexperten verlangten Ende 2022 Informationen zu Berichten über willkürliche Haft, Verschwindenlassen und eine drohende Rückführung nach China; die vietnamesischen Behörden gaben darauf zunächst keine ausreichende Auskunft. Nach seiner Festnahme in Südkorea forderten Menschenrechtsgruppen, Dong nicht nach China zurückzuführen und ihm ein Asylverfahren oder die sichere Weiterreise zu seiner Familie in Kanada zu ermöglichen. Nach seiner Ansiedlung in Kanada berichtete Dong öffentlich über seine wiederholten Fluchtversuche und bezeichnete das Leben in einer freien Gesellschaft als das Ziel, an dem er trotz aller Rückführungen und Haftstrafen festgehalten habe.
Einzelnachweise
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