mini|Klaus Lehmann (2026)

Klaus Lehmann (* 3. April 1934 in Lörrach; † 25. August 2021 in Stuttgart) war ein deutscher Designer, Designtheoretiker und Hochschullehrer. Er war Professor für Produktgestaltung sowie von 1994 bis 1998 Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Werdegang Lehmann wurde in Lörrach geboren und wuchs überwiegend in Gutach im Schwarzwald auf. Im Jahr 1945 verlor er im Alter von elf Jahren infolge eines Unfalls beim Spielen mit Munition vier Finger der linken Hand.Deutscher Werkbund: Nachruf auf Prof. Klaus Lehmann, 2021. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Offenburg arbeitete er zunächst als Zimmermann. 1953 begann er ein Studium der industriellen Formgestaltung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in der Metallklasse von Hans Warnecke.Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Die Akademie trauert um Professor Klaus Lehmann, 2021. Die dort vertretene, dem Deutschen Werkbund nahestehende Gestaltungsauffassung beeinflusste seine weitere Arbeit. Während des Studiums wurde Lehmann durch die Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.

Nach Abschluss des Studiums ging er 1959 nach London. Dort arbeitete er unter anderem im Büro des Industriedesigners Kenneth Grange sowie bei Douglas Scott Associates und später als Senior Designer bei Allied International Designers Ltd. Parallel unterrichtete er an der Central School of Arts and Crafts (später Central School of Art and Design) und war an der Entwicklung eines Designkurses am North East Essex Technical College and School of Art beteiligt.

Wirken mini|Klaus Lehmann bei einem Vortrag (2026) 1965 wurde Lehmann an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart berufen, wo er die Nachfolge seines Lehrers Hans Warnecke antrat. Er leitete die Abteilung für Produktgestaltung bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000.

Neben seiner Lehrtätigkeit war er in der akademischen Selbstverwaltung tätig. Von 1988 bis 1991 amtierte er als Prorektor der Akademie, von 1994 bis 1998 als deren Rektor. Während seiner Amtszeit wurden internationale Hochschulkontakte ausgebaut, unter anderem im Rahmen europäischer Austauschprogramme. Zudem wurde der Aufbau eines institutionellen Archivs der Akademie begonnen.

Nach Ablauf seiner Amtszeit kandidierte Lehmann nicht erneut für das Rektorat und widmete sich wieder vorrangig der Lehre sowie internationalen Lehrtätigkeiten. Er trat im Jahr 2000 in den Ruhestand.

mini|Schattenriss von Klaus Lehmann vor der Akademie

Für seine Tätigkeit als Hochschullehrer und Rektor wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Lehre Lehmann vertrat ein Verständnis von Produktgestaltung, das technische, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte miteinander verband.Lehmann, Klaus: Education in Design, in: Teaching Design – Design Teaching. Phoenix Fine Arts Publications, 2016, ISBN 978-7558008603. In der Ausbildung legte er Wert auf die Verbindung praktischer Entwurfsarbeit mit theoretischer Reflexion.

Im Zuge der Weiterentwicklung des Studiengangs wurden Lehrinhalte wie Ergonomie und wissenschaftliches Arbeiten stärker berücksichtigt; zudem wurde der Diplomabschluss eingeführt. Die Lehre erfolgte überwiegend in kleinen Gruppen, was eine kontinuierliche Betreuung der Studierenden ermöglichte. Projektorientierte Arbeiten, teilweise in Zusammenarbeit mit externen Partnern, bildeten einen festen Bestandteil des Studiums.Lehmann, Klaus / Sudrow, Otto: Entfaltungen. Designausbildung Klasse Prof. Klaus Lehmann. Stuttgart.

Lehmann hielt Workshops und Vorträge an Hochschulen in Europa, Nordamerika und Asien. Seit Mitte der 1980er-Jahre bestand eine regelmäßige Zusammenarbeit mit Designhochschulen in der Volksrepublik China. Aus dieser Tätigkeit ging unter anderem die zweisprachige Publikation Teaching Design – Design Teaching hervor, die 2016 erschien.Lehmann, Klaus: Teaching Design – Design Teaching. Phoenix Fine Arts Publications, 2016, ISBN 978-7558008603.

Werk und theoretische Beiträge Neben seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte Lehmann Essays, Vorträge und Katalogbeiträge zu Fragen der Designtheorie und Designausbildung. Thematische Schwerpunkte bildeten die kulturelle Bedeutung gestalteter Produkte, Fragen der Produktsemantik sowie das Verhältnis von Gestaltung, Technologie und gesellschaftlichem Wandel.

Im Zusammenhang mit dem Workshop https://klauslehmann.damentennis.com/2023/06/14/fish-and-chips/ Fish and Chips – Gestaltung für Menschen im elektronischen Zeitalter setzte er sich Mitte der 1980er-Jahre mit den Auswirkungen elektronischer Technologien auf Gestaltung und Wahrnehmung auseinander.Lehmann, Klaus: Fish and Chips – Gestaltung für Menschen im elektronischen Zeitalter, in: Werk und Zeit 1/1986.

Weitere Texte behandelten unter anderem europäische Designkultur, nationale Identitätsfragen im Design, Unternehmenskultur, ökologische Aspekte der Gestaltung sowie material- und technikgeschichtliche Themen.

In dem Beitrag https://klauslehmann.damentennis.com/2023/06/14/education-in-design/ Education in Design reflektierte Lehmann Fragen der Designausbildung und der Rolle gestalterischer Hochschulen.

Aktivitäten und Gremien Lehmann war Mitglied und Juror verschiedener Fachinstitutionen, darunter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, des Rats für Formgebung sowie der Mia-Seeger-Stiftung.

Als Mitglied des Wissenschaftsrates war er an Beratungen zur Neuordnung von Kunst- und Musikhochschulen in den neuen Bundesländern beteiligt.

Dem Deutschen Werkbund gehörte er über viele Jahre an. Von 1983 bis 1986 war er stellvertretender Vorsitzender des Werkbundes Baden-Württemberg, von 2000 bis 2008 dessen Vorsitzender.

1985 initiierte er den Workshop Fish and Chips – Gestaltung für Menschen im elektronischen Zeitalter, der in der Zeitschrift Werk und Zeit dokumentiert wurde.Werk und Zeit 1/1986.

Zudem war er Mitglied im Beirat des Internationalen Forums für Gestaltung (IFG) in Ulm und wirkte dort an internationalen Veranstaltungen mit.Erkundungen. Stuttgart: Design-Center, Landesgewerbeamt Baden-Württemberg, 1987, ISBN 978-3874226233.

Publikationen (Auswahl) Fish and Chips – Gestaltung für Menschen im elektronischen Zeitalter The European Design Prize 1988 Unternehmenskultur: Neuer Begriff oder neues Bewusstsein? Über Produktsemantik Was ist deutsch am deutschen Design – auf der Suche nach einer nationalen Identität Education in Design Design and Ecology Wie der Edelstahl in die Küche kam Gestaltungsprobleme im Ingenieurbau

Literatur Horst Bachmayer / Klaus Lehmann / Otto Sudrow: Das Typische als Gestaltungsziel. Der Lehrer und Produktgestalter Hans Warnecke. Stuttgart 1999, ISBN 978-3-89322-029-8. Klaus Lehmann / Otto Sudrow: Entfaltungen. Designausbildung Klasse Prof. Klaus Lehmann. Stuttgart, ISBN 978-3-922608-98-1. Klaus Lehmann: Teaching Design – Design Teaching. Phoenix Fine Arts Publications, 2016, ISBN 978-7558008603. Erkundungen. Stuttgart: Design-Center, Landesgewerbeamt Baden-Württemberg, 1987, ISBN 978-3874226233.

Weblinks Nachruf der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Nachruf des Deutschen Werkbundes Online-Archiv mit Texten und Vorträgen von Klaus Lehmann

Einzelnachweise

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