Udo 77 ist ein österreichisches Musical der Künstlergruppe monochrom über den österreichischen Unternehmer, Designer und verurteilten Mörder Udo Proksch und die Lucona-Affäre. Regie führte Johannes Grenzfurthner. Das Stück wurde am 15. September 2004 im Wiener Rabenhof Theater uraufgeführt und 2005 wiederaufgenommen. Die Produktion verband satirisches Musiktheater, Politfarce, Medienkunst und Science-Fiction-Elemente.

Hintergrund Udo Proksch stand im Zentrum der Lucona-Affäre, eines der größten politischen Skandale der Zweiten Republik. Der Frachter Lucona wurde am 23. Jänner 1977 im Indischen Ozean durch eine Explosion versenkt; sechs Menschen starben. Proksch wurde später wegen sechsfachen Mordes verurteilt.

monochrom entwickelte aus diesem Stoff ein Musical, das weniger eine konventionelle biografische Nacherzählung als eine satirische Auseinandersetzung mit Prokschs öffentlichem Mythos, österreichischer Nachkriegspolitik und der Vermischung von Realität, Legende und medialer Inszenierung war. Die Projektbeschreibung formulierte dies mit dem Hinweis, bei Proksch würden „die Grenzen zwischen Realität und Legende“ verschwimmen.

Produktion Das Rabenhof Theater kündigte Udo 77 für die Spielzeit 2004/05 als Saisonauftakt an. Die Produktion entstand durch monochrom in Zusammenarbeit mit dem FM4 Soundpark; als Musiker wurde unter anderem Erdem Tunakan genannt.

Die Uraufführung fand am 15. September 2004 im Rabenhof Theater statt. Weitere Vorstellungen folgten im September und Oktober 2004. Wegen des Publikumserfolgs wurde das Stück im Mai und Juni 2005 wiederaufgenommen.

Zur Besetzung gehörten Alexandra Schmid/Anna Behne, Sonja Romei, Lukas Sartori, Christian Strasser, Harald Homolka-List, Johannes Grenzfurthner und Robert Stachel.

Inhalt und Form Das Musical behandelt den Aufstieg und Fall Udo Prokschs, die Versenkung der Lucona, den damit verbundenen Versicherungsbetrug, die Todesopfer und die politischen Verflechtungen des Falls.

Die Handlung ist in eine Science-Fiction-Rahmenhandlung eingebettet: In der „Weinviertler Gewerbebank“ soll im Rahmen eines Mitarbeitertrainings ein Computer die Bonität Prokschs berechnen; große Teile der Handlung spielen im Inneren dieses Rechners. Die Inszenierung verknüpfte dadurch die reale Lucona-Affäre mit einer fiktiven Computer-Binnenwelt.

Die Produktion arbeitete mit satirischer Überhöhung und mit Brüchen zwischen historischem Material, Popkultur, Technikhumor und musikalischen Nummern. Einzelne Songs und Nummern aus Udo 77 wurden später weiterverwendet oder neu aufgenommen. Das Stück „Waun i schiaß“ wurde für das monochrom-Album Carefully Selected Moments grundlegend überarbeitet. Auch „Could It Be“ erschien auf Carefully Selected Moments.

Rezeption und Nachwirkung Überregionale österreichische Tageszeitungen besprachen die Produktion. Ronald Pohl nannte Udo 77 in Der Standard einen „wunderbaren Off-Abend der Gruppe monochrom“ und hob den „inspirierten Plünderzug durch die Stile“ hervor, bei dem das „tote Genre (Musical)“ in die „krisensichere FM4-Kultur“ einverleibt werde. Barbara Petsch schrieb in Die Presse, zwischen „Waden-Krampf-Pseudo-Avantgarden“ tauche hier „plötzlich ein Elmsfeuer“ auf, „so zündend, spritzig, dass einem die Haare zu Berge stehen“. Wolfgang Kralicek beschrieb das Stück im Falter als „Ein Musical und trotzdem cool“ und als „Antwort von monochrom auf den Biografismus der Vereinigten Bühnen“.

2005 erhielt das Rabenhof Theater den Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie „Beste Off-Produktion“ für die gesamte Spielzeit 2004/05, ausdrücklich unter besonderer Nennung von Udo 77.

In einem späteren Rückblick auf zehn Jahre Rabenhof unter Thomas Gratzer nannte Die Presse Udo 77 als frühes Beispiel für das Profil des Hauses. Gratzer erinnerte sich darin, er habe bei monochroms Udo-Proksch-Musical erstmals gedacht: „Super, das funktioniert.“

In einer 2013 erschienenen Retrospektive zu 20 Jahren monochrom im The Gap wurde Udo 77 ebenfalls als eine der markanten Produktionen der Gruppe genannt und mit dem Rabenhof sowie dem Nestroy-Preis in Verbindung gebracht.

2007 stellte monochrom einen Videomitschnitt von Udo 77 online zur Verfügung; darüber berichtete unter anderem der Kultur-Channel.

Weblinks Projektseite von monochrom zu Udo 77 Pressespiegel zu Udo 77 auf monochrom.at

Einzelnachweise

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