Das Haus Königstraße 12 gehört zu den in den frühen 1820er Jahren errichteten Gebäuden der klassizistisch geprägten Stadterweiterung Arnsbergs. Es wurde lange als Uraniakino bezeichnet. Später wurde der Bau als Diskothek genutzt. Es gehört heute zu den Immobilien der Industrie- und Handelskammer Arnsberg, Hellweg-Sauerland. mini|Blick von der Straßenseite mini|Rückwärtige Ansicht 2026 nach Abbruch der Anbauten der IHK Bau- und Nutzungsgeschichte Errichtet wurde das klassizistische Bürgerhaus um 1820 von dem Bäcker Franz Feislachen. Zunächst diente das Gebäude vor allem Wohnzwecken. Zum Anwesen gehörten auch Wirtschaftsgebäude im Hinterhof, darunter ein Stallgebäude mit Platz für mehrere Pferde und Kühe. Vermutlich befand sich dort ebenfalls die Bäckerei. Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Haus zunehmend zu einem gastgewerblich genutzten Gebäude. Anton Feislachen richtete im Erdgeschoss einen Restaurationsbetrieb ein. Dessen Enkel Josef Feislachen erkannte früh die Möglichkeiten des neuen Mediums Film. Im Jahr 1911 ließ er die Restaurationsräume erweitern und ergänzte die bereits vorhandene Kegelbahn um einen großen Saal mit Bühne. Der neue Veranstaltungsraum bot rund 220 Sitzplätze. Bereits deutlich vor dem Ersten Weltkrieg wurden dort Filme gezeigt. Aus der Restauration ging das Kino „Urania“ hervor.

Mit steigenden Besucherzahlen und verschärften Sicherheitsvorschriften erfolgte 1928 ein umfangreicher Umbau. Der Saal wurde erweitert, eine neue Bestuhlung eingebaut und insbesondere ein Balkon ergänzt. Dadurch erhöhte sich die Kapazität auf etwa 470 Besucherplätze. Im Zuge dieser Entwicklung wurde bereits 1925 auch die Fassade des Hauses grundlegend verändert. Der Eingangsbereich wurde stark verbreitert, um den Besucherandrang besser bewältigen und notfalls eine schnelle Entleerung des Kinos gewährleisten zu können. Die Fassade wurde dabei massiv umgestaltet. Sie erhielt eine zeittypische Gestaltung mit Eckquaderung sowie einer Verblendung aus unglasierten Fliesen. Das heutige Erscheinungsbild des Erdgeschosses geht wesentlich auf diese Umgestaltung zurück.

1934 erhielt das Gebäude zusätzlich ein Mansarddach. Bereits kurz zuvor hatte Anna Feislachen, die Witwe von Josef Feislachen, eine Änderung der ursprünglichen Dachform beantragt. Während das äußere Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Vorderhauses später weitgehend erhalten blieb, wurden im Inneren immer wieder Umbauten vorgenommen, die mit der Nutzung als Kino- und Veranstaltungshaus zusammenhingen. Unter Heinrich und Maria Feislachen erreichte das „Urania“ seine größte Blütezeit. 1935 wurde eine weitere Erweiterung des Kinosaals beantragt, die das Fassungsvermögen auf über 550 Personen steigern sollte. Für diesen Ausbau musste sogar eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidenten wegen der Überschreitung der zulässigen Bebauungsfläche erwirkt werden. Die Begründung der Genehmigung lautete: „Die Vergrößerung des Kinos entspricht einem allgemeinen Bedürfnis.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Haus zunächst ein wichtiger Ort des kulturellen Lebens in Arnsberg. Es wurden in den 1950er Jahren technische Modernisierungen und bauliche Veränderungen vorgenommen. Einen besonderen Höhepunkt stellte 1954 die Aufführung des Films „Vom Winde verweht“ dar. Doch schon wenige Jahre später setzte der Niedergang der großen Filmtheater ein. Der Siegeszug des Fernsehens führte zu sinkenden Besucherzahlen. Diese Entwicklung entsprach einem bundesweiten Trend, von dem in den 1960er und 1970er Jahren zahlreiche innerstädtische Filmtheater betroffen waren. 1972 wurde das „Urania“ schließlich geschlossen. Die späteren Eigentümer versuchten noch, mit kleineren Sälen und erweitertem Vergnügungsangebot neues Publikum zu gewinnen. Zeitweise wurde die Einrichtung als Filmbar oder Filmdiskothek bezeichnet. Dauerhaft erfolgreich war diese Umnutzung jedoch nicht.

1980/81 wurde Haus verkauft. Kurz darauf wurde die Eintragung des Gebäudes in die Denkmalliste beantragt. Die Unterschutzstellung erfolgte 1983. Die Denkmalpflege würdigte insbesondere die historische Bedeutung des Hauses als klassizistisches Bürgerhaus mit außergewöhnlicher Nutzungsgeschichte als frühes Lichtspieltheater. Vorschläge, die Straßenfassade wieder vollständig in den ursprünglichen Zustand zurückzuführen, scheiterten allerdings an den hohen Kosten. 1985/86 erfolgte nochmals eine Fassadensanierung mit denkmalgerechten Materialien. Dabei traten erneut Putzschäden und Risse auf, die auf Probleme im Untergrund hinwiesen. Heute gehört das Gebäude zu den Immobilien der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland. Durch den Abriss der modernen Anbauten 2026 ist der alte Veranstaltungsbau wieder sichtbar geworden.

Literatur Uwe Haltaufderheide: Die Baudenkmäler der Stadt Arnsberg. Erfassungszeitraum 1980–1990. Stadt Arnsberg, Arnsberg 1990, ISBN 3-928394-01-0. S. 125f.

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