Mirimanana, der Entdecker der Blitze ist ein madagassisches Märchen.Moks Nasoloarisoa Razafindramiandra (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Madagaskar. Eugen Diederichs Verlag, München 1988, S. 12–17, 220.
Handlung Ein Ehepaar bekommt einen Sohn, der sich ab seinem siebzehnten Lebensjahr in seinem Zimmer einsperrt und drei Jahre lang mit niemanden spricht. Als er sein Zimmer wieder verlässt, lässt er alle Leute zusammenrufen und er verkündet diesen, dass er Mirimanana sei und weder von Gott noch von den Geistern erschaffen wurde, sondern er sich selbst aus Heu und Erde geformt habe. Die Leute wollen wissen, wie sie das überprüfen sollen, also zieht Mirimanana sein Messer, das er in den drei Jahren angefertigt hatte, ein kleines Stück aus der ebenfalls selbst hergestellten Lederhülle und da donnert es plötzlich und Blitze zucken vom Himmel. Erschrocken glauben die Leute ihm daraufhin, doch Gott Zanahary hört den Krach und schickt seine Diener Irakiraka, den Boten und Andriamazoto, den Eifrigen zu Mirimanana, um ihn zu holen und kennenzulernen. Angekommen bekommen auch diese beim Zücken des Messers Angst und kehren zu Zanahary zurück, woraufhin dieser Rafaingalahy, den Flinken und Rampahailalana, den Gewandten zur Erde sendet. Ebenfalls von Furcht ergriffen, kehren auch diese unverrichteter Dinge zu ihrem Herrn zurück. Da beschließt Mirimanana aus freiem Willen den Zanahary aufzusuchen, um sich mit ihm zu messen.
Am Himmelstor zückt Mirimanana erneut sein Messer ein wenig aus der Lederhülle, wodurch er Einlass erhält. Danach wird er von Soldaten zu Zanahary gebracht, der wissen will, was dieser Krach und diese Blitze sind. Auch fragt er nach dem Ding in seiner Hand und meint, dass dies nicht von ihm, dem Erschaffer der Erde und der Geister, sei und dass dies der Beweis dafür wäre, dass Mirimanana sich wirklich selbst erschaffen habe. Mirimanana fordert daraufhin, im Tausch für das Messer, eine der Schwestern Zanaharys auf die Erde führen zu dürfen, andernfalls würde er das Messer ganz aus der Lederhülle ziehen und somit dessen Haus zerstören. Zanahary gibt ihm in der Folge zwei seiner Schwestern mit, wobei die ältere Mirimananas Hauptfrau aus der höchsten Kaste Zafinimena und die jüngere eine gewöhnliche Adelige wird.
Seitdem nutzt Zanahary das Messer, um immer im Herbst, wenn es regnet und die Erde dadurch trübe ist, die Menschen durch die Blitze beobachten zu können. Mirimanana aber gibt seinen beiden Frauen Tee aus Dandemo-Blättern, die vor den Blitzen schützen, was auch heute noch zur madagassischen Lebensweise gehört.
Hintergrund Das Märchen wurde von dem Bauern Jean Randriamilaitso aus der Ethnie der Betsileo in Ambalavao erzählt und erhielt in Moks Nasoloarisoa Razafindramiandras Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Madagaskar (München 1988) den Titel Mirimanana, der Entdecker der Blitze. Die Kaste Zafinimena ist die höchste bei den Betsileo. Dandemo-Tee gilt auch als Heilmittel gegen Unwohlsein.
Nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958) wurde das Märchen den Motiven A 1141 und A 1150: Entstehung von Blitz und Donner in bestimmter Jahreszeit + D 1344: Tee als Abwehrzauber + A 1656: Entstehung des Adels zugeordnet. Verglichen werden kann Lee Harings Malagasy Tale Index (Helsinki 1982) unter Punkt 1.7.01.
Literatur Moks Nasoloarisoa Razafindramiandra (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Madagaskar. Eugen Diederichs Verlag, München 1988, S. 12–17, 220.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Kultur (Madagaskar) Kategorie:Märchen