mini|hochkant|Stammwappen derer von Siegen bei Anton Fahne (nachkoloriert)Fahne (1848), S. 399. Siegen (auch Sigen, Segen, Seegen o. ä.) ist der Name eines erloschenen Kölner Patriziergeschlechts, das 1527 in den Adelsstand erhoben wurde und zur Ritterschaft des Herzogtums Westfalen gehörte.
Geschichte
Das Geschlecht stammt aus Köln und war u. a. auch auf der Grauen Burg zu Sechtem, heute ein Stadtteil von Bornheim im Rheinland, zu Haus Broich in Jülich-Broich, Haus Welschenbeck in Warstein-Belecke im Kreis Soest und Schloss Gevelinghausen in Olsberg im Hochsauerlandkreis ansässig.Spießen (1901–1903), S. 118. Es stellte mehrere Ratsherren und vier Bürgermeister von Köln. Bereits im 15. Jahrhundert besaß es ein Haus in der südlichen Vorstadt Kölns an dem am Rheinufer gelegenen und zum Kirchspiel Johann Baptist gehörenden Holzmarkt. In Köln besaß es ferner die Häuser Bacharach, Diepenbach, Kurzrock, die nach dem unten genannten Arnold I. von Siegen, den Namen „Arnoldshäuser“ bekamen, und vor Köln die Höfe Colmar und Klettenberg.Ledebur (1856), S. 445.
Eine erste Familienlinie beginnt mit Tilman von Siegen (urkundlich bis 1523), Sohn des Heinrich von Siegen und der Catharina. Tilman nannte sich auch „von Kellenberge“ nach dem Haus Kellenberg auf dem Eigelstein. Er war 1468–1500 Ratsherr und 1490–1499 Bürgermeister zu Köln. Aus seiner Ehe mit Elisabeth de Huysen, Tochter von Suffridus de Huysen und Hille Broelmann, stammte Goddart von Siegen († 1555), Schiffer und 1508–1529 Kölner Ratsherr, der mit Magdalena verheiratet war. Ihre gemeinsame Tochter Gertrud von Siegen war mehrfach verheiratet. Zunächst mit Johann Frolich (1534 † in Livland), danach mit Johannes Neell († 1551), Melchior Koch und Heinrich von Elverfelde.Schleicher (1986), S. 525.
Stammvater einer zweiten Familienlinie ist Gerhard von Siegen, der mit Adelheidt Clemens von Benesis, der Tochter eines im benachbarten Viertel am Waidmarkt wohnenden wohlhabenden Woll- und Tuchfärbers, verheiratet und möglicherweise ein Bruder des erwähnten Tilman von Siegen war. Die Eheleute hatten mehrere Kinder.
mini|links|hochkant|Anwesen der Familie von Siegen am Kölner Holzmarkt Das bekannteste Kind war Arnold I. von Siegen (* um 1500; † 8. Januar 1579), 1512–1564 Ratsherr und 1529–1562 zwölffacher Bürgermeister in Köln. 1526 war er als Vertreter Kölns auf dem Reichstag zu Speyer, ebenso auf den Reichstagen von 1529 (Speyer), 1530 (Augsburg), 1532 (Regensburg), 1545 (Worms) und einem späteren Reichstatg in Augsburg, an dem er als Ritter und Bürgermeister von Köln teilnahm.Schleicher (1986), S. 527. Mit Diplom vom 11. Januar 1527 hatte ihn Kaiser Karl V. (1500–1558), wohl auf Bitten von dessen Bruder Erzherzog Ferdinand (1503–1564), dessen Rat Arnold I. von Siegen damals war, mit einer Wappenbeserung in den Adelsstand erhoben.Schleicher (1986), S. 528.AT-OeStA/AVA Adel RAA 389.34. Den Ritterstand und die Rolle Arnolds I. als kaiserlicher Rat belegen auch ein ehemals in der Kirche St. Johann Baptist befindliches gegossenes Wappen derer von Siegen mit der Umschrift „Her arnodt von Segen Ritter kayserlicher Majestait Rait Ao 1566“ sowie Unterlagen im Österreichischen Staatsarchiv.AT-OeStA/HHStA RK KaisR 6-101.AT-OeStA/HHStA RK KaisR 6-102. Arnold I. von Siegen brachte es mit seiner Familie zu einem beträchtlichen Vermögen. Sein väterliches Haus auf dem Holzmarkt erweiterte er zu einem mit Türmen versehenen Anwesen, das im damaligen Köln als Sehenswürdigkeit galt. Die Familie hatte regelmäßig hohe Persönlichkeiten wie Karl V. und andere fürstliche Herrschaften zu Gast, deren Gebräuche, wie sie bei Hofe üblich waren, im Hause der von Siegen übernommen wurden. Zum Besitz gehörten auch verschiedene große Landgüter. Hermann von Weinsberg berichtet, dass man Siegens Vermögen auf 100.000 Gulden schätzte.Hermann von Weinsberg: Liber Senectutis. Wie auch andere wohlhabende Kölner Bürgermeister (z. B. Gerhard Ungemaze, Johann von Rinck, Arnold von Brauweiler), gab auch Arnold I. von Siegen den Kurfürsten große Darlehen. Arnold I. von Siegen war mit Catharina von Wolff verheiratet. Die Eheleute hatten vier Söhne und vier Töchter, wie auf einem Ölgemälde von Bartholomäus Bruyn dem Älteren von ca. 1540 zu erkennen ist.
Ihr Sohn Arnold II. von Siegen († 29. November 1581) war 1542–1579 ebenfalls Kölner Ratsherr, außerdem Bannerherr des Wollenamtes. Mit seiner Ehefrau Catharina Kannegießers, Tochter von Hermann Kannegießers und Anna von Straelen, hatte er einen Sohn namens Arnold III. von Siegen († 14. Juli 1607), der 1586–1607 Ratsherr und 1593–1605 fünffacher Bürgermeister zu Köln war. Ein Enkel von Arnolds II. Bruder Hieronimus von Siegen, Kölner Ratsherr 1600–1608, Johann Wilhelm von Siegen († 21. September 1666), Herr zu Sechtem, war der vierte und letzte Kölner Bürgermeister der Familie. Er war 1642–1666 Ratsherr und 1654–1666 fünffacher Bürgermeister von Köln.
Stammfolge der Gerhard-Linie mini|hochkant|Statue des Arnold I. von Siegen am Kölner Rathausturm mini|hochkant|Arnold II. von Siegen mit seinem Sohn Arnold III. von Siegen (Glasplattennegativ) Die Stammfolge der Gerhard-Linie stellt sich wie folgt dar:Schleicher (1986), S. 528–533.
Wappen
Blasonierung des Stammwappens In Schwarz eine schrägrechte, nach eben gekehrte goldene Spitze. Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Helmdecken ein offener schwarzer Flug, jeweils belegt mit einer nach innen zeigenden, nach oben gekehrten goldenen Spitze.
Herbert M. Schleicher stellt das Stammwappen abweichend mit nach Links zeigender Spitze dar. Blasonierung des gebesserten Wappens von 1527 Durch Spitzenschnitt von Blau und Gold gespalten. Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken zwei Büffelhörner, das rechte blau, das linke golden.
Gustav Adelbert Seyler beschreibt das Wappen in Siebmachers Wappenbuch mit gewechselten Farben.Seyler (1916), S. 33. Das Wappen von Sechtem ist an den Wappen derer von Siegen angelehnt.
Literatur Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden. Band I. Heberle, Köln 1848, S. 399 f. (hhu.de). Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Heberle, Köln 1858, S. 363 (Boogle Bücher). Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, 3. Band (M–Spaun), Regensburg 1865, S. 384 (Google Bücher). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Friedrich Voigt, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen – Steinhauer zu Bulgarn. Leipzig 1868, S. 489 (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 445 (digitale-sammlungen.de); Band 3: T–Z, Berlin 1858, S. 344 (digitale-sammlungen.de). Herbert M. Schleicher: Die genealogisch-heradische Sammlung des Kanonikus Joh. Gabriel von der Ketten in Köln, Band IV (Mu–U) (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Neue Folge Nr. 32), Köln 1986, S. 525–533. Gustav Adelbert Seyler: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 5 (Bürgerliche Geschlechter Deutschlands und der Schweiz), 10. Abt.: Vierzehnhundert und Siebenzig bürgerliche Wappen, Nürnberg 1916, S. 33 (uni-goettingen.de) und Tfl. 37 (uni-goettingen.de). Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 118 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 299 (hhu.de).
Weblinks Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel RAA 389.34 Segen, Arnold von, Rat des Erzherzogs Ferdinand, Adelsstand, Wappenbesserung, kaiserlicher Schutz und Schirm, Lehenberechtigung, 1519-1556. AT-OeStA/HHStA RK KaisR 6-102 Verleihung des kaiserlichen Ratstitels an Si(e)gen, Arnold, 1569.09.06. AT-OeStA/HHStA RK KaisR 6-101 Verleihung des kaiserlichen Ratstitels an Siegen, Arnold, 1570.08.30.
Einzelnachweise
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