mini|Jane Poupelet ihrem Atelier in der Rue Dutot 30 im 15. Arrondissement, Paris (um 1925) Marie Marcelle Jane Poupelet, genannt Jane Poupelet (* 19. April 1874 in Saint-Paul-Lizonne, Dordogne; † 17. November 1932 in Talence, begraben in Saint-Paul-Lizonne) war eine französische Bildhauerin und Zeichnerin. Sie begann ihre Karriere unter dem männlichen Pseudonym Simon de la Vergne (zwischen 1899 und 1901).
Leben Jane Poupelet studierte von 1892 bis 1895 an der École des Beaux-Arts in Bordeaux und setzte ihre Ausbildung 1896 an der Académie Julian in Paris fort, wo sie sich dauerhaft niederließ. In Paris knüpfte sie Kontakte zu Bildhauern aus dem Umfeld ihres Lehrers Auguste Rodin, insbesondere zu Robert Wlérick. Um 1899 lernte sie Lucien Schnegg kennen und schloss sich dessen Kreis, der sogenannten Bande à Schnegg, an. Während eines Studienaufenthalts von 1904 bis 1905 im Mittelmeerraum widmete sie sich der antiken Bildhauerkunst.
Während des Ersten Weltkriegs engagierte sich Poupelet karitativ: Sie fertigte Puppen und Holzspielzeug an und organisierte Benefizveranstaltungen. Von 1918 bis 1920 arbeitete sie im Auftrag des American Red Cross im Pariser Porträtstudio der Bildhauerin Anna Coleman Ladd gemeinsam mit Robert Wlérick an Gesichtsmasken für Prothesen. Diese wurden im Militärhospital Val-de-Grâce an kriegsversehrte Soldaten angepasst. Diese psychisch belastende Tätigkeit hatte zur Folge, dass sie sich fortan nicht mehr unbefangen der menschlichen Figur widmen konnte.
Poupelet betrieb ein unabhängiges künstlerisches Atelier in Montparnasse und spezialisierte sich auf kleinformatige Werke. 1922 wurde bei Poupelet eine unheilbare Krankheit diagnostiziert, weshalb sie ihre bildhauerische Tätigkeit ab etwa 1925 stark einschränken musste. Gegen Ende ihres Lebens zog sie sich in ihre Heimatregion zurück.
Werk Frühwerk und Einfluss Rodins mini|Femme à sa toiletle (Entwurf 1909). Metropolitan Museum of Art, New York
In ihrem Frühwerk orientierte sich Poupelet an Auguste Rodin, insbesondere übernahm sie dessen Spiel mit Licht und Schatten. Bald löste sie sich jedoch von dessen expressiv-dramatischer Ausdrucksweise und Gestik und entwickelte eine Formensprache mit klaren, fließenden Linien. Repräsentativ für diese Entwicklung sind weibliche Akte, die durch innere Ruhe und natürliche Anmut geprägt sind und in der Tradition griechisch-antiker Vorbilder gestaltet wurden. Ein Beispiel ist das Werk Jeune Femme nue à la toilette (auch Femme à sa toilette, Bronze, um 1908, Musée des Beaux-Arts, Calais). Zu dieser Zeit äußerte sich Rodin anerkennend zu Poupelets Credo, die Schönheit in der Einfachheit zu suchen. Ein weiteres Beispiel dieser Schaffensphase ist Baigneuse (Bronze, um 1909, Museum of Modern Art, New York). Seit 1904 stellte sie regelmäßig im Salon der Société nationale des beaux-arts aus, dem sie bis zu ihrem Tod verbunden blieb.
Tierplastiken und Zeichnungen mini|Schlafende Katze (Vorderseite) Torso einer nackten Frau (Rückseite). Cleveland Museum of Art Nach den Kriegsjahren wandte sich Poupelet nahezu ausschließlich der Tierbildhauerei sowie naturalistischen Zeichnungen in Sepia-, Rötel- und Tuschetechnik zu (Sammlung im Musée National d’Art Moderne, Paris). Bei der Gestaltung von Tieren arbeitete sie mit geometrischen oder leicht stilisierten, kompakten Formen. Dabei ließ sie sich von der synthetischen Darstellungsweise François Pompons inspirieren; ihre Werke wirken jedoch poetischer. Ein Beispiel hierfür ist Anon (Bronze, 1909, Musée National d’Art Moderne, Paris).
Werke (Auswahl) 1904: L’enterrement d’un enfant en Périgord (Gipsmodell eine Figurengruppe auf dem Weg zum Begräbnis eine Kindes) 1906: Femme à sa toiletle (Gipsmodell, Musée du Luxembourg, Paris) 1910: Femme à sa toiletle (Bronzestatue, 42 × 61 × 23 cm, Musee de Calais) 1912: Baigneuse 1913: Femme assise 1902–1923: Tierfiguren Chèvre, Coq, Chatte, Canard, Lapin, Vache, Oie, Anesse Zeichnungen um 1906: Femme assise les bras et jambes croisés (Rötel)
Ehrungen (Auswahl) mini|hochkant=0.5|Jane Poupelet (Schnegg, 1897) 1897: Lucien Schnegg fertigte eine Marmorbüste von ihr an, die in das Musée d’Orsay nach Paris kam 1910: Sociétaire und ab 1921 Vorsitzende der Jury im Salon d’Automne für Bildhauerei der Société Nationale des Beaux-Arts 1911: Whitney-Hoff award, gestiftet von der Philanthropin Grace Whitney-Hoff (1862–1938) 1918: American Women Painters and Sculptors prize 1923: Gründungsmitglied des Salon des Tuileries 1928: Ritter der Ehrenlegion Vizepräsidentin des Salon des Indépendants. Die Rue Jane Poupelet in Saint-Paul-Lizonne wurde nach ihr benannt Ihre Skulptur der Chèvre couchée (liegenden Ziege) wurde für ein Motiv auf einer Briefmarke ausgewählt, die vom 4. Januar 2013 bis zum 7. Januar 2016 erhältlich war
Literatur
Poupelet, Jeanne ou Jane. In: E. Bénézit – Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Band 11: Pintoricchio–Rottel. Gründ, Paris 1999, S. 187 (französisch, – Leseprobe). Penny Dunford: A Biographical Dictionary of Women Artists in Europe and America since 1850. Harvester Wheatsheaf, New York 1990. Dictionnaire universel des créatrices. 3 Bände. Éditions des femmes, Paris 2013. Catherine Gonnard, Élisabeth Lebovici: Femmes artistes, artistes femmes. Hazan, Paris 2007. V. Wapler: Jane Poupelet. Magisterarbeit, Université Lille III, Lille 1973. Jane Poupelet, 1874–1932. Katalog zur Wanderausstellung, Paris 2005.
Weblinks
Archives of Women Artists, Research and Exhibitions France Culture: Jane Poupelet et l’atelier des masques radiofrance.fr
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1932 Kategorie:Frau