Mary Lovelace O’Neal (* 10. Februar 1942 in Jackson, Mississippi; † 10. Mai 2026 in Mérida, Mexiko) war eine US-amerikanische Malerin, Grafikerin, Hochschullehrerin und Bürgerrechtlerin. Sie wurde durch großformatige Gemälde bekannt, in denen sie Lampenruß als tiefschwarzes Pigment und Schwarz zugleich als Farbe, Material, Metapher und gelebte Erfahrung einsetzte. Ihre Arbeiten sind zwischen Abstraktion und Figuration angesiedelt und basieren auf persönlichen Erinnerungen, politischen Fragen, Naturbezügen und experimenteller Materialität.

Leben Mary Lovelace wuchs überwiegend in Pine Bluff, Arkansas, auf. Ihr Vater Ariel M. Lovelace war Musikprofessor, und ihre Kindheit in Mississippi und Arkansas war von den rassistischen Strukturen der Jim-Crow-Zeit geprägt. An der Howard University in Washington, D.C., studierte sie bei David C. Driskell, Loïs Mailou Jones und James A. Porter und erwarb 1964 einen Bachelor of Fine Arts. Während ihrer Studienzeit beteiligte sie sich an der Bürgerrechtsbewegung, unterstützte Wählerregistrierungen, Arbeitsproteste und Märsche in Mississippi und gehörte an der Howard University zum Umfeld studentischer gewaltfreier Aktionsgruppen. Im Jahr 1969 schloss sie an der Columbia University ein Master-of-Fine-Arts-Studium ab und begann dort mit dem Material zu arbeiten, aus dem ihre späteren Lampblack-Arbeiten hervorgingen. 1965 heiratete sie den Dramatiker und Aktivisten John O’Neal, und ihre New Yorker Wohnung wurde in den 1960er-Jahren zu einem Treffpunkt von Künstlern, Dichtern und Akteuren der Black Arts Movement. Später war sie mit dem chilenisch-US-amerikanischen Künstler Patricio Moreno Toro verheiratet, mit dem abwechselnd in Oakland und Mérida lebte. 1979 wurde sie an die University of California, Berkeley, berufen, erhielt dort 1985 als erste afroamerikanische Professorin im Department of Art Practice eine entfristete Stelle, wurde 1999 Department Chair und ging 2006 als Professorin emerita in den Ruhestand. Lovelace O’Neal starb 2026 im Alter von 84 Jahren in ihrem Haus in Mérida; eine Todesursache wurde nicht mitgeteilt.

Wirken Lovelace O’Neals künstlerische Arbeit umfasste Malerei, Zeichnung und Druckgrafik und zeigte Einflüsse aus Minimalismus, abstraktem Expressionismus, politischem Bewusstsein und entwickelte eine persönlichen Bildsprache. In ihren frühen Lampblack-Arbeiten rieb sie lockeres, aus Ruß gewonnenes schwarzes Pigment mit Radierern oder den Händen in ungrundierte, ungespannte Leinwände und setzte anschließend Linien aus Acryl, Pastell, Öl oder Klebeband auf die Oberfläche. Diese Arbeiten reagierten zugleich auf minimalistische Debatten über Flächigkeit und auf Erwartungen innerhalb des Black Arts Movement, Kunst müsse politische und rassistische Gewalt unmittelbar figurativ darstellen. In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren entwickelte sie mit Whales Fucking eine Serie großformatiger, gestischer Bilder, deren Energie sie aus Beobachtungen von Walen im Umfeld der San Francisco Bay ableitete. Arbeiten aus dieser Serie trugen wesentlich zu ihrer späten Wiederentdeckung bei; Blue Whale a.k.a. #12 wurde 2024 in die Whitney Biennial 2024: Even Better Than the Real Thing aufgenommen. Die Mnuchin Gallery zeigte 2020 mit Chasing Down the Image ihre erste Einzelausstellung in New York seit mehr als 25 Jahren und überblickte darin mehr als fünf Jahrzehnte ihres Schaffens von den späten 1960er-Jahren bis in die 2000er-Jahre. 2024 zeigte das San Francisco Museum of Modern Art die Ausstellung New Work: Mary Lovelace O’Neal, während sie zugleich in New York mit Mary Lovelace O’Neal: Hecho en México—a mano und in der Whitney Biennial vertreten war. 2022 gehörte sie zu den Empfängerinnen des Anonymous Was A Woman Award. 2025 erhielt sie den Murray Reich Distinguished Artist Award der New York Foundation for the Arts, der ihr langes, experimentelles malerisches Werk würdigte. Ihre Werke befinden sich in den Sammlungen des Art Institute of Chicago, der National Gallery of Art, des de Young Museum, des San Francisco Museum of Modern Art, des Smithsonian, des Brooklyn Museum, des Baltimore Museum of Art und des Museo Nacional de Bellas Artes in Santiago de Chile.

Einzelnachweise

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