Der Traunsee ist ein See im oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts am Nordrand der nördlichen Kalkalpen. Er liegt auf einer Seehöhe von Die Traun durchfließt ihn der Länge nach von Ebensee am Traunsee im Süden nach Gmunden im Norden. Der Traunsee ist mit 24,35 km² der viertgrößte österreichische See und mit 191 m der tiefste ganz in Österreich liegende See. Das Einzugsgebiet von 1422 km² ist das größte aller österreichischen Seen. Historisch war der Traunsee eng mit dem Salzhandel verbunden und spielte eine wichtige Rolle im Transportwesen des Salzkammerguts. Der Traunsee im Besitz der Österreichischen Bundesforste ist ein bedeutendes Tourismusziel in Oberösterreich, ein beliebter Badesee sowie ein Surf- und Segelrevier.

Geografie Der Traunsee liegt im oberösterreichischen Salzkammergut im Bezirk Gmunden. Größere Orte am Ufer sind Gmunden im Norden, Traunkirchen und Altmünster im Westen und Ebensee am Traunsee am Südufer. Diese vier Gemeinden haben Anteil an der Seefläche.

Der von Nord nach Süd langgestreckte See hat eine Länge von 11,9 km und eine maximale Breite von 2,9 km. Die Oberfläche beträgt etwa 24,35 km², die durchschnittliche Tiefe 95 m. Die tiefste Stelle mit 191 m liegt etwa in der Mitte der Strecke Traunkirchen – Schönberg. Das Wasservolumen beträgt 2,302 km³.

Ufer Die Uferlänge des Traunsees beträgt 34 km. Von Traunkirchen nordwärts sind die Ufer flach mit vorgelagerten seichten Buchten. Der Siedlungskern der Gemeinden liegt am Ufer oder in Ufernähe. An den übrigen besiedelbaren Uferabschnitten entwickelten sich Streusiedlungen. In den Orten Traunkirchen, Altmünster und Gmunden sind die Uferbereiche massiv verbaut. Geschäfte, Restaurants, Wohnhäuser und Zweitwohnsitze reihen sich aneinander. Das Verbauen der Uferkante mit Steganlagen, Bootshäusern, Bootsrutschen, Treppen, Mauern, Blocksätzen oder Steinschüttungen waren die Folge. Die Natur des Seeufers ist dort deutlich beeinträchtigt. Die südwestlichen und südöstlichen Uferabschnitte sind unzugänglich und unbesiedelt. Dort wird der Traunsee von Steilwänden umrandet, die fast übergangslos in den See abfallen. Während im Südwesten die Salzkammergutstraße direkt am Ufer verläuft, ist das Ufer im Südosten ab dem Traunstein unverbaut und naturnah. Das Südufer in Ebensee ist ebenfalls stark verbaut.

Morphologie Die Landschaft des Traunseegebiets ist äußerst vielfältig: Moränenwälle und Hügel der Flyschzone, wie etwa der Gmundnerberg (), umsäumen den Nordteil des Sees und erstrecken sich am Westufer bis Traunkirchen. Zwischen Traunkirchen und Ebensee ist das Ufer steiler und wird von den Kalkfelsen von Kleinem () und Großen Sonnstein () begrenzt. In Ebensee befindet sich das weite, flache Delta der Traun. Das Ostufer ist ab Ebensee sehr steil und wird im Süden vom Erlakogel () überragt. Weiter nördlich dominiert der Traunstein () mit seinen teilweise senkrecht in den See abfallenden Felswänden das Ostufer. Mit dem Grünberg () bei Gmunden setzt sich die Flyschzone am Ostufer fort. Auf der einzigen Insel im See befindet sich das Schloss Ort.

Verkehr Der See ist über die Salzkammergutstraße erschlossen, die am Westufer verläuft. Die Salzkammergutbahn verläuft weitgehend parallel zur Salzkammergutstraße. Die Traunbrücke in Gmunden markiert das Nordende des Sees. Neben dem Straßenverkehr verläuft über diese auch die Lokalbahn Gmunden–Vorchdorf. Vom Stadtzentrum in Gmunden führt die Traunsteinstraße (L1304) entlang des Traunseeostufers rund 5 km bis zu einem Umkehrplatz. Die weiterführende, anfangs asphaltierte und später als Schotterpiste ausgeführte Karbach-Forststraße ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Die Straße führt durch zwei Tunnel ins Lainautal und weiter bis nach Karbach und wurde 1963 fertiggestellt.

Hydrologie mini|Mündung der Traun in den Traunsee bei Ebensee. Das hydrologische Einzugsgebiet des Traunsees hat eine Gesamtfläche von 1422 km² und ist das größte aller österreichischen Seen. Die Speisung des Sees erfolgt hauptsächlich durch die Traun, die im Süden bei Ebensee in den See mündet, wo sie einen Schwemmkegel aufschüttet. Der mittlere Zufluss der Traun beträgt 65 m³/s und somit mehr als 80 % der gesamten oberirdischen Zuflüsse. Weitere größere Zuflüsse sind der Langbathbach, Alte Traun (Seitenarm der Traun), Rindbach, Karbach und Lainaubach. Die Traun verlässt im Norden bei Gmunden den See. Der mittlere Abfluss (MQ) der Traun beträgt 69,4 m³/s, die (theoretische) Wassererneuerungszeit 1,04 Jahre.

mini|Der Traunsee bei niedrigstem Pegel Anfang März 2024. Blick von der Bräuwiese zum Traunstein Seit der Inbetriebnahme des Kraftwerks Gmunden im Jahr 1969 wird der Seespiegel reguliert und die starken Schwankungen werden innerhalb des Regelbereichs auf 20 cm Schwankungsbreite reduziert. Der Traunsee-Normalspiegel beträgt Aufgrund seines großen Einzugsgebietes reagiert der See sehr rasch auf Schneeschmelzen und kräftige Niederschläge, vor allem, wenn diese als Regen auf Schnee fallen, dabei rasch abfließen und nicht vom Boden aufgenommen werden können. Wasserstandsmarken der großen Hochwässer der Jahre 1594, 1897, 1899 und 1920 finden sich im Innenhof des Seeschlosses Ort und an vielen Häusern der Gmundner Innenstadt. 1899 führte die Traun etwa 1.500 m³ pro Sekunde und der Seepegel stieg um 3,5 Meter. Während die von 1629 bis 1969 bestehenden Seeklausen einen maximalen Wasserzulauf der Traun von 100 Kubikmeter pro Sekunde ausgleichen konnten, ermöglicht das Kraftwerk Gmunden einen Zufluss von 360 Kubikmeter pro Sekunde, ohne dass der Seespiegel ansteigt. Seit dieser Zeit kam es nur mehr in Ausnahmefällen, wie etwa 1977 mit einer Höhe von 134 cm und 2002 mit 190 cm über dem Normalstand, zu nennenswerten Hochwässern. 2002 betrug der maximale Zufluss in Ebensee 1025 m³ pro Sekunde.

Jedes Jahr beginnt Ende Jänner eine vom Land Oberösterreich vorgeschriebene schrittweise Senkung des Traunseepegels. Bis Ende Februar wird der Seespiegel um etwa 45 Zentimeter auf einen Pegel von gesenkt. Die Absenkung ermöglicht Besitzern von Seegrundstücken allfällige Kontroll- und Sanierungsarbeiten an Uferverbauungen durchzuführen. Das Erreichen des Normalpegels ist für Anfang April vorgesehen.

Geologie mini|Topografische Karte des Traunsees. Der Traungletscher schürfte das Seebecken von Süden nach Norden aus Tektonik Der Traunsee liegt im Bereich dreier großtektonischer Einheiten. Im Norden befindet sich die Flyschzone mit dem rhenodanubischen Flysch. Am Ostufer tritt das Ultrahelvetikum als tektonisches Fenster im Gschliefgraben zutage. Das Gebiet südlich des Gschliefgrabens bzw. am Westufer südlich von Traunkirchen zählt zu den Nördlichen Kalkalpen. Diese bestehen aus der Staufen-Höllengebirgs-Decke (Tirolikum), der ein schmaler Streifen der Langbathzone (Bajuvarikum) vorgelagert ist. Das Seebecken des Traunsees liegt entlang der Trauntalstörung, die aus dem Ischler Raum in nordöstliche Richtung etwa entlang der Traun zum Nordost-Ende des Traunsees verläuft. Das Ostufer des Traunsees ist daher durch das sinistrale Blattverschiebungssystem der Trauntalstörung etwa 3 km weiter nach Norden verschoben als die entsprechenden tektonischen Einheiten westlich der Trauntalstörung.

Ehemalige Vergletscherung und Entstehung Wie alle Seen im Salzkammergut ist auch der Traunsee ein Produkt der Arbeit eiszeitlicher Gletscher. Während der Eiszeiten floss der Traungletscher vom Plateau des Dachsteins und des Toten Gebirges durch das Trauntal in das Traunseegebiet. Der Gletscher schürfte hierbei das übertiefte Zungenbecken des Traunsees aus. Die Eiszungen des Traungletschers hatten zu den Eiszeiten stark unterschiedliche Ausdehnungen. Mit der ersten Großvereisung der Günz-Kaltzeit erfolgte die erste Anlage des Seebeckens. Eine genaue Ausdehnung des Gletschers während dieser Zeit ist jedoch nicht bekannt. Die Eisausbreitung im Mindel war die kräftigste, und der Eisstrom aus der Furche des Traunsees überflutete alle angrenzenden Täler in der Flyschzone und bildete einen weit ausladenden Vorlandgletscher. Das Zungenbecken erhielt dann in den folgenden Eiszeiten, der Riß-Kaltzeit und der Würm-Kaltzeit, seine heutige Ausdehnung und Formung. Nachdem das Seebecken eisfrei geworden war, begann die Traun den fjordartigen Südteil des Sees, der etwa bis Ebensee-Langwies gereicht hatte, zu verfüllen, wodurch die Deltaebene bis Ebensee entstanden ist, die auch heute noch vorgebaut wird. Die heutige Geschiebefracht der Traun würde unter gleich bleibenden klimatischen Verhältnissen und dementsprechender Schuttzufuhr bedeuten, dass dieser Vorgang den Traunsee in rund 40.000 Jahren völlig mit Sediment verfüllen und zum Verschwinden bringen würde.Hans Egger: Erläuterungen zu Blatt 66 Gmunden. S. 10–13.

Massenbewegungen mini|Gschliefgraben im Jahr 2009 nach der letzten Aktivitätsphase Die bedeutendste Massenbewegung am Traunsee ist der Erdstrom im Gschliefgraben, der sich nach der letzten Eiszeit entwickelte. Die Massenbewegung ist durch die starke Tektonisierung des dort auftretenden Ultrahelvetikums bedingt. Als Folge bildete sich der eindrucksvolle Murenkegel zwischen dem Gasthof Ramsau und dem Gasthof Hoisn aus. Seit dem 15. Jahrhundert existieren Berichte über Katastrophen, bei denen Häuser, Grund und Kulturland in fast regelmäßigen Abständen in den Traunsee geschoben wurden. Im November 2007 gerieten 3,8 Millionen Kubikmeter Material in Bewegung und gefährdete über eine Dauer von acht Monaten zwölf bewohnte Objekte. Im Zuge eines extrem aufwändigen Sanierungsprojektes, mit dem Ziel einer Entwässerung und Stabilisierung des Rutschkörpers, wurden auch große Materialmengen abgetragen und in den See verklappt.

Klima mini|Winterlicher Traunsee mit dem Seeschloss Ort

Die Klimadaten für Gmunden zeigen eine für die Alpenrandlage typische Temperatur- und Niederschlagsverteilung: kühle und niederschlagsreiche Sommer, mit einem Maximum von 25,4 °C bzw. monatlich 146 mm im Juni/Juli, und niederschlagsarme Winter, mit einem Temperaturminimum von −0,3 °C im Jänner. Der Jahresniederschlag betrug 1971–2000 1214 mm mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 9,4 °C. Bedingt durch den oftmaligen Wolkenstau an den Felswänden der südlichen Seehälfte fällt in Ebensee deutlich mehr Niederschlag. Der Jahresniederschlag betrug dort 1971–2000 1739 mm. Die dem Traunsee zugewandten Hänge am Ostufer sind klimatisch begünstigt. Einerseits macht sich dort der durch das Trauntal herbeigeleitete Föhn besonders bemerkbar. Andererseits wirkt die Wassermasse des Sees abschwächend auf Klimaextreme. Dieser Effekt ist nur wenige hundert Meter vom Seeufer nachweisbar, verursacht jedoch eine Reduktion der Frosttage um 19 % im Vergleich zur weiteren Umgebung.

Limnologie Zirkulation mini|Auslauf der Traun in Gmunden Die starke Durchflutung des Wasserkörpers durch die Traun bestimmen die limnologischen Verhältnisse im Traunsee. Der Einfluss reicht je nach Jahreszeit und Temperatur bis in Tiefen von 30 m. Während des Sommers werden daher Regionen erwärmt, die ohne diesen Effekt bei 5 °C stagnieren würden. Ein thermisches Epilimnion bildet sich (wenn überhaupt) im Sommer nur in der obersten Schicht aus. Oft beginnt die Sprungschicht jedoch schon an der Oberfläche. Die durchschnittliche Wassertemperatur der Oberfläche beträgt 10,6 °C. Die minimale Wassertemperatur betrug bei Messungen in den Jahren 2013 bis 2017 4,2 °C, die maximale 21,6 °C. Erst nach Abkühlung der Oberflächenschicht auf etwa 10 °C im November bildet sich eine homoiotherme Schicht aus, die 30 m mächtig sein kann. Die Durchmischung des Sees beginnt meist im Jänner. Im Februar wird sie durch eine inverse Schichtung unterbrochen und im März fortgesetzt bzw. vollendet. Eine vollständige Durchmischung bis auf den Grund findet bei Seen dieser Tiefe jedoch selten statt.

Eine Eisbedeckung des Sees hat großen Seltenheitswert. Belegt ist dies aus den Jahren 1477, 1624, 1684, 1740, 1797, 1830, zwischen 1879 und 1901 sechsmal, 1928/29 und zuletzt 1963.