Buxoro (; ; ; ; ; englisch Bukhara) ist die siebtgrößte Stadt Usbekistans und Hauptstadt der Viloyat Buxoro.
Das historische Zentrum von Buchara mit seinen Baukunstwerken, darunter zahlreiche Moscheen und Medressen,Von , Plural . wird von der UNESCO seit 1993 zum Weltkulturerbe gezählt.
Die Stadt liegt an einer der alten Seidenstraßen und am Fluss Serafschan. Sie ist heute eines der bedeutendsten Handels- und Industriezentren Zentralasiens. Der größte Teil der Einwohner der Stadt sind Tadschiken und sprechen als Muttersprache Tadschikisch, die zentralasiatische Form des Persischen.
Geschichte Frühe Zeit Die Oase, in der sich Buchara befindet, liegt in der historischen Landschaft Sogdien, die zunächst Teil des persischen Achämenidenreiches war. Ab wann sich die Siedlung Buchara entwickelte und wann die Stadt gegründet wurde, ist unbekannt. Die älteste gefundene Töpferei im Stadtgebiet stammt aus der Zeit des Hellenismus, als die Region Teil des griechisch-baktrischen Königreichs war, das nach den Feldzügen Alexanders des Großen entstand. Da einige ältere Siedlungen in der Oase archäologisch nachgewiesen wurden, kann eine frühere Siedlungstätigkeit im heutigen Stadtgebiet nicht ausgeschlossen werden. Man schätzt eine Gründung im 6. Jahrhundert v. Chr. Die Bedeutung der Stadt in vorislamischer Zeit zeigt sich in den Münzen, die die Herrscher der Stadt prägen ließen. Buchara war in der Spätantike, als die Region Grenzgebiet zum neupersischen Sassanidenreich war, einer der prosperierenden sogdischen Stadtstaaten, die vor allem am Fernhandel interessiert waren. In den zwei oder mehr Jahrhunderten vor der Etablierung der islamischen Herrschaft über die Region war Sogdien – und damit auch Buchara – auf dem Höhepunkt wirtschaftlichen und kulturellen Reichtums.Gangler, Gaube, Petruccioli, S. 18–19.
Ab der Ankunft der Araber mini|Das Mausoleum der Samaniden aus dem 10. Jahrhundert ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt 673/674 begann mit dem Angriff von Ubaidallah ibn Ziyad im Rahmen der arabischen Eroberungsfeldzüge eine Serie von Raubzügen der muslimischen Araber gegen das von Truppen türkischer Völker unterstützte Buchara. Obwohl jeweils siegreich, waren die Araber zunächst nicht in der Lage, eine dauerhafte Herrschaft über Transoxanien zu sichern. Dies änderte sich erst unter Qutaiba ibn Muslim, der zwischen 706 und 709 unter Schwierigkeiten die Bewohner Bucharas zu islamisieren versuchte und 710 als Herrscher Bucharas eingesetzt wurde. In frühislamischer Zeit waren die Herrscher Bucharas als Buchār Chudāt (bzw. Buchār Chudāh) bekannt.
Die Umayyaden hatten allerdings Schwierigkeiten, sich in Zentralasien zu behaupten. Abu Muslim war mitverantwortlich für den Sieg der Abbasiden, doch seine Herrschaft wurde in Buchara nicht akzeptiert, wo es 750 zu einer ersten Revolte kam, die blutig niedergeschlagen wurde. Weitere Aufstände mit verschiedenen Allianzen und Zielen folgten, so zwischen 776 und 779 unter Al-Mukanna. Diese Phase der Unruhe fand erst ihr Ende, als die persischen Samaniden im Jahr 865 an die Macht kamen und Buchara Hauptstadt eines mächtigen Reiches wurde, ein blühendes Zentrum von Handel und Handwerk sowie ein geistiger Pol des Islams im Osten.Gangler, Gaube, Petruccioli, S. 19 ff.
mini|Letzter Emir von Buchara Alim Khan (1911) mini|Zitadelle (Ark) mini|Ansicht eines typischen Innenhofs
Nach dem Ende der Samanidenherrschaft durch den Einfall türkischer Völker verlor der Ort unter der Oberhoheit der türkischen Karachaniden ab 999 zwar an politischer Bedeutung, von der kulturellen Blüte der Stadt unter den westlichen Karachaniden zeugen jedoch zwei bedeutende Baudenkmäler: das Kalon-Minarett (Minār-i Qalyān, durch eine Inschrift auf 1127 datiert) und die zu dieser Zeit erneuerte Südfassade der Mag'oki-Attori-Moschee (Masǧid-i maġāk-i ʿaṭṭārī). Vor allem die lange Herrschaft des Arslan Khan (1102–1130) war von relativem Wohlstand und Stabilität geprägt. Allerdings mussten die westlichen Karachaniden seit dem späten 11. Jahrhundert die Oberherrschaft der Großseldschuken anerkennen, welcher 1141 die der nichtmuslimischen Kara-Chitai folgte. Buchara wurde während dieser Zeit wechselnder Oberherrn (12. bis frühes 13. Jahrhundert) meist von der Lokaldynastie der Burhaniden regiert, bei der es sich um eine Reihe geistlicher Führer (Hanafiten) mit dem Titel Sadr handelte. Nachdem bereits der Choresm-Schah Atsiz 1139/40 die Stadt attackiert hatte, wurde sie 1182 (und vielleicht noch einmal 1198) von dessen Enkel Ala ad-Din Tekisch erobert und kam 1207 schließlich unter die Herrschaft von Tekischs Sohn Muhammad II.
Ab der Mongolenherrschaft Im Jahr 1220 wurde Buchara von Dschingis Khans Truppen erobert und größtenteils zerstört. Unter seinem Nachfolger Ögedei Khan konnte sich die wiederaufgebaute und von den geflohenen Bewohnern wiederbesiedelte Stadt wirtschaftlich erholen, auch wenn es nur wenige Nachweise mongolischer Bautätigkeit gibt. Eine nachhaltige Entwicklung wurde unter anderem durch innermongolische Konflikte und solche zwischen Fraktionen der Bevölkerung behindert, 1238 kam es zum Tarabi-Aufstand der armen Stadtbevölkerung. 1263 eroberte der mongolische Khan Hülegü die Stadt und ließ mehrere Tausend Menschen töten. 1273 folgten mongolische Truppen aus Iran unter Abaqa Khan – wieder wurden viele Einwohner getötet und versklavt. 1276 suchten Truppen des Ilkhans und des Tschagatai Khans die ländlichen Gebiete der Oase Buchara heimJürgen Paul: Zentralasien. 2012, S. 290.. Insgesamt kam es in den 1270er Jahren zu vielen schweren Zerstörungen mit angeblich Zehntausenden Toten. Unter Qaidu Khan und dem Verwalter Masud Beg konnte sich die Stadt zum Ende des 13. Jahrhunderts wieder erholen.
Während der Mongolenzeit erreichte Buchara seinen Tiefpunkt und unter den Timuriden im 14. Jahrhundert war die Stadt nur ein Provinzzentrum im Schatten des etwas östlich von Buchara gelegenen SamarqandGangler, Gaube, Petruccioli, S. 23–24.. 1316 wurde die Stadt vollständig verwüstet, in den 1330er Jahren beschrieb Ibn Battuta die Stadt als „...wenig bevölkert und ruinös“. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hatte Buchara seine führende Rolle in Politik, Militär und Handel verloren, in Wissenschaft und Mystik konnte sie sie behalten.
Aus den Nachfolgekämpfen am Ende der Timuridenzeit entstand mit dem Usbeken-Khanat eine neue Macht in Zentralasien, unter der Buchara im 16. und 17. Jahrhundert eine neue Blüte erlebte. Die erste usbekische Dynastie waren die Scheibaniden (1500–1599), deren Hauptstadt 1533 unter Ubaidullah Buchara wurde. 1540 wurde die Miri-Arab-Madrasa eröffnetVgl. Muminov et alii: Islamic education in Uzbekistan. 2010, S. 251.. Die Stadt wuchs, wurde zur wichtigsten in ganz Zentralasien und erhielt unter Abdullah II. (Abdullah Khan) zahlreiche Baudenkmäler, die das Stadtbild bis heute bestimmen. Auch die nachfolgenden Dschaniden hinterließen mit reger Bautätigkeit Spuren in der Stadt. 1598 drang der kasachische Khan Tawakkul bis nach Buchara vor. Als die orthodoxe Geistlichkeit 1647 die Absetzung des weltlich gesinnten Khans Nadir Mohammed betrieb, hofften die indischen Moguln diesen Thronstreit zur Rückeroberung ihrer alten Stammsitze nutzen zu können.Lazar Israelowitsch Albaum, Burchard Brentjes: Herren der Steppe. Zur Geschichte und Kultur mittelasiatischer Völker in islamischer Zeit. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1978, S. 115. Eine Armee Schah Dschahans eroberte 1647 Buchara, ohne auf größere Gegenwehr zu stoßen. Der hinhaltende Widerstand der Usbeken schwächte die Armee aber so sehr, dass der spätere Schah Aurangzeb den Rückzug seiner Truppen aus Buchara nach Indien befahl.
Die politische und militärische Stärke der Herrscher von Buchara sank nach der Blütezeit ab Mitte des 17. Jahrhunderts und die Bevölkerung ging zurück. Ab 1710 verbündeten sich die Keneges und Kitai-Kiptschaken und riefen in Samarkand einen Gegenkhan aus. In den Folgejahren und insbesondere um 1723 flüchteten große Gruppen von Kasachen vor den Dschungaren nach Buchara und Samarkand. Sie verbündeten sich mit verschiedenen usbekischen Gruppierungen und belagerten bis 1729 mehrfach Buchara. Buchara war 1730 stark verwüstetJürgen Paul: Zentralasien. 2012, S. 358.
1740 wandten sich die Perser unter Nader Schah nach dem Raubzug gegen Delhi gegen Buchara. Die Dschaniden kapitulierten, nachdem das bucharische Heer auf Grund der überlegenen persischen Artillerie besiegt worden warJürgen Paul: Zentralasien. 2012, S. 359. Der Schah zog in Buchara ein, das er als unbedeutende Provinzstadt ansah, auf deren Plünderung und Zerstörung er daher verzichtete.Lazar Israelowitsch Albaum, Burchard Brentjes: Herren der Steppe. Zur Geschichte und Kultur mittelasiatischer Völker in islamischer Zeit. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1978, S. 116. Der Herrscher Abu'l Faiz wurde ein Vasall PersiensJürgen Paul: Zentralasien. 2012, S. 356. Der Niedergang Bucharas endete unter der Manghitendynastie ab 1747.Gangler, Gaube, Petruccioli, S. 28–29.
Die Stadt war früher ein Hauptsklavenmarkt. Sklavenhandel fand auch noch nach Mitte des 19. Jahrhunderts statt.Hermann Vámbéry: Skizzen aus Mittelasien. Ergänzungen zu meiner Reise in Mittelasien. F. A. Brockhaus, Leipzig 1868, S. 161–180, insbesondere S. 171.
Ab der Herrschaft der Russen mini|Feuer in Buchara nach den Angriffen der Roten Armee (1920) Das Emirat Buchara verlor seine Unabhängigkeit nach der russischen Eroberung großer Teile Mittelasiens. Zwar wurden Buchara und sein Umland im Gegensatz zu den östlichen Teilen des Emirats (einschließlich Samarqand) nicht von Russland annektiert und in das neue Generalgouvernement Turkestan eingegliedert, der russisch-bucharische Handelsvertrag von 1868 besiegelte jedoch die faktische Kontrolle Russlands über Buchara, insbesondere über dessen Außenbeziehungen und Wirtschaft. Das Emirat bestand innerhalb des Russischen Reiches bis 1920 fort.
Am 2. September 1920 besetzte die Rote Armee während des russischen Bürgerkrieges Buchara. Bei schweren Kämpfen sollen dabei 75 % der Stadt zerstört worden sein.Annette Gangler: Bukhara from the Russian Conquest to the Present. In: Petruccioli 1999, S. 150 Am 14. September 1920 wurde die Sowjetische Volksrepublik Buchara (BNSR, ab dem 19. September 1924 Sowjetische Sozialistische Republik Buchara, BSSR) ausgerufen, die durch eine Reihe von Verträgen mit der Russischen SFSR eng an die Sowjetunion angebunden wurde. Im November 1924 wurde Buchara in die neu gegründete Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik und damit in die Sowjetunion eingegliedert. Die 1945 wiedereröffnete Miri-Arab Madrasa mit 60 Studienplätzen bildete mit Ausnahme der kurzlebigen Baraq-Khan-Madrasa in Taschkent, die von 1956 bis 1961 bestand, die einzige islamische Bildungsinstitution der Sowjetunion.Vgl. Muminov et alii: Islamic education in Uzbekistan. 2010, S. 250–251. Sie wurde deswegen auch von Muslimen aus der Wolgaregion besucht, die eine islamisch-religiöse Ausbildung absolvieren wollten.Vgl. Dilyara Usmanova et alii: Islamic Education in Soviet and Post-Soviet Tatarstan. In: Michael Kemper, Raoul Motika, Stefan Reichmuth (Hrsg.): Islamic Education in the Soviet Union and Its Successor States. Routledge, London 2010. S. 21–66, hier: S. 48–49. Am 1. September 1991 wurde Usbekistan ein unabhängiger Staat.
Demographie 1900: etwa 75.000, darunter viele Juden und HindusBochāra, Lexikoneintrag in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 3, Leipzig/Wien 1905, S. 107–109. 1911: 70.000 1920: 50.000 2008: 235.517