Das Viertelfestival Niederösterreich ist ein jährlich stattfindendes Kunst- und Kulturfestival in Niederösterreich. Es wird in wechselnden Landesvierteln ausgetragen und umfasst die vier Einzelformate Industrie/4-Festival, Most/4-Festival, Wald/4-Festival und Wein/4-Festival. Das Festival versteht sich als Plattform für regionale Kunst- und Kulturprojekte und findet im Vier-Jahres-Takt jeweils in einem der vier niederösterreichischen Landesviertel statt.

Organisiert wird das Viertelfestival von der Kulturvernetzung Niederösterreich GmbH. Es richtet sich an Kulturinitiativen, Künstlerinnen und Künstler, Gemeinden, Schulen, Vereine sowie Privatpersonen und unterstützt ausgewählte Projekte organisatorisch, werbetechnisch und finanziell. Die Projekte werden auf Grundlage eines jährlich wechselnden Mottos entwickelt und von einer Fachjury ausgewählt.

Konzept

Das Festival ist dezentral angelegt und bespielt nicht nur klassische Kulturorte, sondern auch öffentliche Räume, Landschaften, Dorfplätze, Schulen, Bahnhöfe, Wirtshäuser, Leerstände und andere regionale Schauplätze. Es umfasst unter anderem bildende und darstellende Kunst, Musik, Tanz, Literatur, Film, Fotografie, Performance, Installationen, Land-Art und spartenübergreifende Projekte.

Charakteristisch ist der regionale Bezug der Projekte. Die teilnehmenden Kunst- und Kulturschaffenden setzen sich mit Geschichte, Alltagskultur, sozialen Fragen, Landschaften, Ortsidentitäten und aktuellen Entwicklungen des jeweiligen Viertels auseinander. Festivalleiter Martin Vogg beschrieb das Viertelfestival 2025 in einem Interview mit The Gap als Festival, bei dem Projekte eine starke Verankerung in der Region benötigen; auch bei überregionalen Einreichungen seien lokale Umsetzungspartnerinnen und -partner wesentlich.

Ein Intendantenprinzip gibt es nicht. Die Auswahl der Projekte erfolgt durch eine Fachjury, in der Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeiter sowie Vertreterinnen und Vertreter des jeweiligen Viertels ihre regionale Expertise einbringen.

Geschichte

Die ersten Viertelfestivals wurden von 2001 bis 2004 in den vier Landesvierteln durchgeführt. Nach Angaben des Festivals entwickelte und begleitete die Kulturvernetzung Niederösterreich diese erste Phase; für die Durchführung war in jedem Viertel zunächst ein eigener Trägerverein verantwortlich.

2005 fand kein Viertelfestival statt. Ab 2006 übernahm die Kulturvernetzung Niederösterreich die Verantwortung für das Festival und führte es unter dem Namen Viertelfestival Niederösterreich weiter. Seit dieser Phase wird der rote Hirsch beziehungsweise „Platzhirsch“ als wiederkehrendes Symbol des Festivals verwendet.

Bereits in den 2000er Jahren war das Festival als landesweite Initiative zur Förderung regionaler Kulturarbeit etabliert. Für das Industrieviertel 2007 wurden laut einer Aussendung des Landes Niederösterreich aus 229 eingereichten Projekten 84 Vorhaben ausgewählt; die Bandbreite reichte von Musik, Tanz und Theater über bildende Kunst und Kabarett bis zu Fotografie, Landschaftsinstallationen und Projekten zur regionalen Alltagskultur. 2008 fand das Festival im Mostviertel unter dem Motto „spiel:räume“ statt und umfasste 89 Kunst- und Kulturprojekte, darunter 25 Schulprojekte.

Ausgaben und Programme

Das Viertelfestival findet jährlich in einem anderen Landesviertel statt. Die vier Einzelfestivals tragen die Namen Industrie/4-Festival, Most/4-Festival, Wald/4-Festival und Wein/4-Festival. Das Archiv des Festivals führt die Ausgaben seit 2001 mit Jahr, Viertel und Motto auf.

Das Wein/4-Festival 2009 wurde im Südwind Magazin mit Hinweisen auf Kunst-, Wein- und Kellerprojekte im Weinviertel angekündigt; das Festival lief laut dieser Quelle vom 15. Mai bis 13. September 2009.

Das Wald/4-Festival 2018 stand unter dem Motto „Narrnkastl schaun“. Die Presse berichtete, dass aus 173 Einreichungen 68 Programme ausgewählt wurden, darunter 17 Schulprojekte. Das 55PLUS Magazin beschrieb die Ausgabe als Mischung aus Regionalgeschichte, zeitgenössischer Kunst, Performance, Theater, Blasmusik, Soundexperimenten, Volkskultur und Kabarett. Das Kulturmagazin skug bezeichnete das Viertelfestival in seiner Besprechung der Ausgabe 2018 als „längst eine Institution“.

Das Most/4-Festival 2021 stand unter dem Motto „Bodenkontakt“. skug hob in einer Besprechung der Ausgabe insbesondere Projekte zu Bodenversiegelung, Landwirtschaft, Ökologie und Landschaft hervor.

Das Wein/4-Festival 2022 stand unter dem Motto „Weitwinkel“. Das Access Guide Magazin berichtete über mehrere Projekte der Ausgabe, darunter Street-Art, Luftbildfotografie, Medienkunst, Performance, Skulptur und Stationentheater.

Das Wald/4-Festival 2023 stand unter dem Motto „Randerscheinungen“. Der ORF Niederösterreich berichtete von 47 Kunst- und Kulturprojekten, davon fünf Schulprojekten, an 45 Orten im Waldviertel mit insgesamt 110 Veranstaltungen.

Das Industrie/4-Festival 2024 wurde im Industrieviertel unter dem Motto „Sichtweise“ ausgetragen. skug beschrieb die Ausgabe als Festival mit Schwerpunkt auf Industriebaukulturerbe und Projekten, die Perspektivwechsel auf lokale und gesellschaftliche Zusammenhänge anregen sollten.

Das Most/4-Festival 2025 fand im Mostviertel unter dem Motto „Begegnungszone“ statt. Der Kurier berichtete von 48 ausgewählten Projekten mit 120 Veranstaltungen in 39 Gemeinden. In The Gap wurde die Ausgabe als kulturelle und künstlerische Entdeckungsreise ins Mostviertel beschrieben; genannt wurden unter anderem Musik, Film, Fotografie, Performance und bildende Kunst. skug widmete der Ausgabe ebenfalls eine ausführliche Besprechung und stellte unter anderem Projekte zu Wirtshauskultur, öffentlichem Raum, Musik und regionaler Erinnerung vor.

Das Wein/4-Festival 2026 war die 25. Ausgabe des Viertelfestivals. Nach Angaben des ORF Niederösterreich standen von 6. Mai bis 19. Juli rund 180 Veranstaltungen von 53 Projekten auf dem Programm. Die Ausgabe umfasste unter anderem Musik, Theater, Film, Literatur und Performances. skug beschrieb die Ausgabe als partizipatives Festival mit Projekten im niederösterreichischen Grenzraum zu Tschechien und der Slowakei.

Für 2027 wurde das Wald/4-Festival im Waldviertel angekündigt. Der Festivalzeitraum wurde mit 15. Mai bis 18. Juli 2027 angegeben.

Rezeption und mediale Berichterstattung

Das Viertelfestival wurde wiederholt in österreichischen Tageszeitungen, Kulturmagazinen und Onlinemedien behandelt. Neben Berichten in Die Presse, Kurier und ORF Niederösterreich erschienen Beiträge unter anderem in skug, The Gap, Südwind Magazin, Access Guide Magazin und 55PLUS Magazin.

Die Berichterstattung hebt wiederholt die dezentrale Struktur, den regionalen Bezug und die große Bandbreite der künstlerischen Formen hervor. Die Presse betonte 2018 die Aufhebung von Alters- und Genregrenzen im Rahmen des Wald/4-Festivals. The Gap beschrieb das Festival 2025 als besonderes Format innerhalb der niederösterreichischen Kulturlandschaft, weil es jährlich ein anderes der vier Viertel bespielt. skug ordnete verschiedene Ausgaben des Festivals inhaltlich ein, etwa mit Blick auf Utopien und Freiräume im Waldviertel 2018, ökologische Themen im Mostviertel 2021, Industriebaukultur im Industrieviertel 2024 und partizipative Projekte im Weinviertel 2026.

Organisation

Das Viertelfestival ist ein Projekt der Kulturvernetzung Niederösterreich GmbH. Die Festivalleitung liegt bei der Kulturvernetzung Niederösterreich.

Die Durchführung der einzelnen Projekte liegt bei den ausgewählten Projektträgerinnen und Projektträgern. Das Festival stellt den organisatorischen Rahmen, Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und finanzielle Unterstützung bereit. Für die Projekteinreichungen werden regionale Ausschreibungen und Informationsveranstaltungen durchgeführt.

Weblinks

Offizielle Website Viertelfestival bei der Kulturvernetzung Niederösterreich

Einzelnachweise

Kategorie:Kultur (Niederösterreich) Kategorie:Veranstaltung in Niederösterreich Kategorie:Erstveranstaltung 2001