Dūmat al-Dschandal (; englisch häufig Dumat al-Jandal oder Dawmat al-Jandal) ist eine Stadt und ein Gouvernement in der Provinz al-Dschauf im Norden des Königreichs Saudi-Arabien. Sie liegt etwa 40 Kilometer südwestlich von Sakaka, dem Verwaltungssitz der Provinz, am südlichen Ende des Wadi Sirhan. Bei der Volkszählung 2022 hatte die Stadt 49.538 Einwohner. Das gleichnamige Gouvernement hatte 54.341 Einwohner und war damit das bevölkerungsärmste Gouvernement der Provinz al-Dschauf.
Dūmat al-Dschandal gehört zu den wichtigsten historischen Oasen Nordarabiens. Die antike Stadt ist in assyrischen Quellen unter dem Namen Adummatu belegt und lag an einem Knotenpunkt transarabischer Karawanenrouten zwischen dem Hedschas, der südlichen Levante und Mesopotamien.
Geographie Dūmat al-Dschandal liegt an einer Oase im Norden der Arabischen Halbinsel. Die Oase befindet sich am südlichen Rand des Wadi Sirhan und nördlich der Wüste an-Nafud. Nach archäologischen Beschreibungen liegt sie in einer ungefähr V-förmigen Senke von etwa acht mal sechs Kilometern, die von niedrigen Kalksteinhügeln umgeben ist und die Grundwasserneubildung begünstigte.
Die Lage machte den Ort zu einem wichtigen Übergang zwischen mehreren Landschaftsräumen Nordarabiens. Über das Wadi Sirhan bestanden Verbindungen zur südlichen Levante, während Routen nach Süden in Richtung Hedschas und nach Osten in Richtung Mesopotamien und Persischer Golf führten. In der modernen Verwaltungsgliederung gehört die Stadt zur Provinz al-Dschauf. Das Gouvernement Dūmat al-Dschandal umfasst sieben Ortschaften.
Geschichte
Altertum Dūmat al-Dschandal zählt zu den ältesten dauerhaft besiedelten Oasen Nordarabiens. Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Oase seit prähistorischer Zeit genutzt wurde und in mehreren Perioden eine überregionale Bedeutung besaß.
In neuassyrischen Quellen erscheint der Ort unter dem Namen Adummatu. Der Ort wurde erstmals in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. erwähnt, als der assyrische König Sanherib einen Feldzug gegen das hiesige arabische Königreich Dūmat al-Dschandal unternahm. Fünf arabische Königinnen herrschten hier einst. In der Oasenstadt befand sich ein bedeutender Tempel, der der Göttin Ischtar geweiht war.
Dūmat blieb über vier Jahrhunderte lang ein fester Bestandteil des Limes Arabicus und fungierte als östlichste Siedlung entlang des römischen Limes. Im Jahr 269 n. Chr. wurde der Ort von Zenobia, der Königin von Palmyra, als Stadt mit einer uneinnehmbaren Festung erwähnt. Nachdem ihre Truppen die Stadt eingenommen hatten, widerstand die Burg Marid dem Angriff während ihres Aufstands gegen die Römer.
Die archäologischen Funde weisen auf verschiedene Siedlungsphasen hin. Die Forschung zum antiken Dūmat al-Dschandal beschreibt unter anderem eine bedeutende Entwicklung in nabatäisch-römischer Zeit, eine erneute Blüte in frühislamischer Zeit und eine weitere Entwicklung in der Neuzeit. Der Ort findet möglicherweise auch in der Bibel Erwähnung, wo u. a. im Buch Jesaja ein Ort namens Duma erwähnt wird.
630 nahm Chālid ibn al-Walīd die Stadt ein. Insgesamt hatte der Prophet Mohammed drei Feldzüge gegen lokale Herrscher geführt. In der frühislamischen Zeit blieb Dūmat al-Dschandal wegen seiner Lage zwischen Arabien, Syrien und dem Irak strategisch bedeutsam. Die spätere muslimische Stadt entwickelte sich um die alte Oase, ihre Befestigungen und die Moschee.
Neuzeit In der Neuzeit kam die Region unter die Herrschaft des Hauses Saud. Mit der Eingliederung der Region in den modernen saudischen Staat wurde Dūmat al-Dschandal zu einem Gouvernement der Provinz al-Dschauf.
Seit dem späten 20. Jahrhundert wurde der historische Kern stärker touristisch erschlossen. Die Festung Mārid, die Moschee, das Viertel ad-Darʿī und der See von Dūmat al-Dschandal wurden zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Provinz al-Dschauf. Die Oase von Dūmat al-Dschandal wurde 2020 in die Liste des islamischen Welterbes der Islamischen Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur aufgenommen. Seit 2015 steht der Ort auf der Tentativliste für das UNESCO-Welterbe.
Einwohner Bei der Volkszählung 2022 wurden für die Stadt Dūmat al-Dschandal 49.538 Einwohner angegeben. JahrEinwohnerzahl200426.177201032.613202249.538
Wirtschaft und Infrastruktur Die traditionelle Wirtschaft von Dūmat al-Dschandal beruhte auf Oasenlandwirtschaft, Dattelpalmen, Brunnenwirtschaft, Viehhaltung und Handel. Die fruchtbare Senke der Oase ermöglichte den Anbau in einer ansonsten ariden Umgebung. In moderner Zeit spielen öffentliche Verwaltung, lokale Dienstleistungen, Landwirtschaft und Tourismus eine wichtige Rolle.
Durch das Gebiet des Gouvernements verläuft die Hauptstraße 80, die von der Provinz Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens bis zur irakischen Grenze nördlich von Arar führt und den wichtigsten Straßenverkehrskorridor für Dūmat al-Dschandal bildet. Der nächstgelegene Flughafen ist der Flughafen al-Dschauf bei Sakaka, der rund 29 Kilometer von Dūmat al-Dschandal entfernt liegt.
In der Nähe der Stadt befindet sich außerdem der Windpark Dūmat al-Dschandal. Das Projekt wurde im Rahmen des saudischen Programms für erneuerbare Energien entwickelt. Nach Angaben der offiziellen Vision-2030-Plattform wurde der Windpark 2022 mit 99 Turbinen und einer installierten Leistung von 400 Megawatt in Betrieb genommen.
Sehenswürdigkeiten
Festung Mārid Die Festung Mārid () ist das bekannteste Baudenkmal von Dūmat al-Dschandal. Sie erhebt sich auf einem Felsen über dem historischen Ortskern und geht in ihren ältesten Bauphasen auf das 1. Jahrhundert v. Chr. zurück. Die Anlage besteht aus massiven Steinmauern, Türmen und Innenräumen und wurde in verschiedenen Perioden erweitert oder wiederhergestellt.
Umar-ibn-al-Chattab-Moschee Die Umar-ibn-al-Chattab-Moschee liegt im historischen Zentrum von Dūmat al-Dschandal nahe der Festung Mārid. Sie ist aus Stein errichtet und besitzt einen charakteristischen, einfachen Minarettturm. Die Moschee gehört zu den bekanntesten historischen Moscheen Saudi-Arabiens und wird in der lokalen Tradition mit der frühislamischen Zeit verbunden.
Historisches Viertel ad-Darʿi Das historische Viertel ad-Darʿi () befindet sich im alten Siedlungskern von Dūmat al-Dschandal. Nach Angaben der Saudi Press Agency umfasst das Viertel rund 30.000 Quadratmeter und besteht aus mehr als 40 Steinhäusern, die teilweise bis zu drei Stockwerke hoch sind. Das Viertel gilt als Beispiel traditioneller Steinarchitektur in Nord-Saudi-Arabien.
See von Dūmat al-Dschandal Der See von Dūmat al-Dschandal ist ein moderner Erholungs- und Tourismusort in der Nähe der Stadt. Der See bildet einen Kontrast zur umliegenden Wüstenlandschaft und wird für Ausflüge und lokale Veranstaltungen genutzt.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Provinz al-Dschauf Kategorie:Ort in Saudi-Arabien