mini|Die Samuel Beckett Bridge und das Kongresszentrum Dublin sind die modernen Wahrzeichen der Dublin Docklands (2016) mini|Das Custom House auf einem Gemälde von William Sadler (1782–1839) mini|Eröffnung einer neuen Brücke (Butt Bridge, 1879) mini|Dublin Docklands am Fluss Liffey: Blick vom Osten in Richtung Westen (2018) Dublin Docklands () ist ein ehemaliges Industrie- und Hafenviertel in der irischen Hauptstadt Dublin auf beiden Seiten des Flusses Liffey. Es hat eine Fläche von 526 Hektar und erstreckt sich etwa von der Talbot Memorial Bridge ostwärts bis zur 3Arena. Aufgrund der Ansiedlung internationaler Tech-Firmen wie Google (2012), Airbnb, Facebook, LinkedIn, Dropbox, Tripadvisor, Zendesk, Twitter und TikTok werden wahlweise das Teilgebiet des Grand Canal Dock oder das Gesamtgebiet „Silicon Docks“ genannt. Außerdem ist das Gebiet ein Wohnstandort und beherbergt große Bildungs- und Kultureinrichtungen. Baulich wird es von einem Nebeneinander von historischen Lagerhäusern, die unter Denkmalschutz stehen, und avantgardistischer Architektur aus Stahl und Glas geprägt. Geschichte Aufstieg Dublin war von See her wegen der Sandbänke in der Mündung der Liffey (Liffey bar) lange schwer zu erreichen. Mit der Errichtung großer Schutzmauern am Flusslauf des Liffey (Great South Wall bis 1716 am Südufer und Bull Wall 1842 am Nordufer) zur Erschließung neuer Hafenareale entstanden die Dublin Docklands.Dorn, A.: Die Seehäfen des Weltverkehrs, Bd. 1., Wien 1891, S. 1083 Mit Ausnahme von Ringsend auf der Südseite des Liffey war das Gebiet zu diesem Zeitpunkt unbebautes, tiefliegendes Ödland. Der für Seeschiffe befahrbare Bereich reichte bis zur 1795 fertiggestellten Sackville Bridge (heute: O’Connell Bridge), die ebenso wie das 1791 fertiggestellte Custom House von James Gandon entworfen wurde. Von hier aus seewärts erstreckten sich die Kaianlagen mit dem Mastenwald der Schiffe. Die Wasserfläche des Flusses Liffey war weiterhin eine große natürliche Hürde zwischen dem Norden und dem Süden. Die Sackville Bridge war bis 1879 der einzige Übergang. Die Güter wurden mit der Eisenbahn oder auf dem Grand Canal (fertiggestellt 1796) und dem Royal Canal weitertransportiert. Die Wohnquartiere der Hafenarbeiter wurden in „zweiter Reihe“, in unmittelbarer Nähe zu den Arbeitsplätzen, errichtet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung im Viertel sprunghaft an. Schlechte Bauweise, dichte Überbauung und Überbelegung ließen die Wohnquartiere in den Docklands bereits im 19. Jahrhundert zu Slums werden.
Niedergang Für den Niedergang der Dublin Docklands werden mehrere Ursachen genannt. Hatten zunächst die Konkurrenz der Eisenbahn zur Binnenschifffahrt und die Bürgerkriegssituation auf der Insel negative Auswirkungen auf die Docklands, beschleunigte sich der Niedergang in den 1970er Jahren durch technologische Umbrüche (Umstellung auf Containertransport) und die Suburbanisierung. Hunderte von Familien wurden dazu bewegt, aus der inneren Stadt in Neubaugebiete am Rande der Stadt wie Tallaght, Lucan and Blanchardstown umzuziehen. Zwischen 1900 und den 1980er Jahren halbierte sich die Einwohnerzahl der Docklands. Der Hafen zog sich immer weiter aus der Stadt zurück und entwickelte sich seewärts. Beiderseits des Liffey blieben leere Gebäude, hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Wohnverhältnisse, soziale Probleme und Kriminalität zurückGilligan, H. A.: A History of the Port of Dublin, Dublin 1988, S. 200 . Revitalisierung mini|International Financial Service Center (2002) mini|Grand Canal Square (2012) mini|Hochhaus „Capital Dock“, auf der Fläche errichtet, die für den „U2-Tower“ vorgesehen war mini|EPIC The Irish Emigration Museum, Außenansicht des CHQ Building in den Docklands Erste Pläne der Stadtverwaltung sahen Anfang der 1980er Jahre eine Revitalisierung durch den Bau von Sozialwohnungen und die Ansiedlung „moderner“ Seehafenindustrien vor. Ebenfalls in den 1980er Jahren wurden die Dublin Docklands Bestandteil eines Central Business District. Es wurde eine Entwicklungsgesellschaft gegründet, die Custom House Docks Development Authority (CHDDA). Sie sollte auf einem 11 Hektar großen verfallenen Gelände in den Dublin Docklands, das sich im Besitz der Hafenbehörde befand, ein „International Financial Service Center“ entwickeln. Es wurde ein städtebauliches Erneuerungsgebiet ausgewiesen, in dem nach neuer Gesetzgebung (Urban Renewal Act 1986 und Finance Act 1987) die Möglichkeit von Steuervergünstigungen bestand. Im Mai 1997 wurde die Entwicklungsgesellschaft CHDDA aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt verfügte das IFSC über 114.000 m² Büroräume sowie über 300 Wohnungen, ein Hotel, ein Parkhaus und Einzelhandelsflächen einschließlich eines Pubs und Restaurants. Die Architektur war wenig spektakulärMacLaran, A.: Dublin. The Shaping of a Capital, London 1993, S. 14. Einige unter Denkmalschutz stehende ältere Gebäude wie die Harbour-Master-Office wurden in die Neubebauung integriert.
Auf der gesetzlichen Grundlage des Dublin Docklands Development Authority Act 1997 wurde eine neue Entwicklungsgesellschaft für ein noch größeres Gebiet, die Dublin Docklands Development Authority (DDDA), gegründet. 2012 wurde von der irischen Regierung eine Beendigung der Tätigkeit der DDDA angekündigt. Die Tätigkeit wurde zum 1. März 2016 vollständig eingestellt. Die Zuständigkeit für die weitere Entwicklung der Dublin Docklands ging auf den Dublin City Council (Stadtrat) über.
Um 2000 sollte die Entwicklung nach dem Muster des „International Financial Service Center“, das als Flaggschiffprojekt für die Revitalisierung bezeichnet wurde, weitergehen. Ende Juni 2002 wurde vom zuständigen Ministerium ein Masterplan für die Revitalisierung des ehemaligen Dubliner Hafens genehmigt. Die Kosten des Stadtentwicklungsprojekts wurden auf 1,6 Milliarden Euro veranschlagt. Im Masterplan war unter anderem eine neue Brücke über den Liffey enthalten, die die Spencer Docks mit dem südlichen Ufer verbindet. Vom spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfen, wurde diese nach ihrer Errichtung unter dem Namen Samuel Beckett Bridge zu einer Ikone eines modernen Stadtteils. An den Ufern und Kais sollten laut Masterplan zudem Marinas, Bootsanleger, Wassertaxis und gastronomische Einrichtungen etabliert werden. Mittelpunkt der Uferpromenade sollte ein Platz mit anliegenden Veranstaltungseinrichtungen werden. Es handelt sich um den 2007 fertiggestellten Grand Canal Square, an dem das ebenfalls neu gebaute Grand Canal Theatre (Architekt: Daniel Libeskind) steht.
Die Weltfinanzkrise 2007–2008 stellte einen erheblichen Einschnitt dar. Anteile des Immobilienvermögens wurden von der National Asset Management Agency (NAMA) übernommen, einer von der irischen Regierung gegründeten Bad Bank. Eine Reihe von Projekten wurde gestrichen, darunter der 120 Meter hohe U2-Tower und der 120 Meter hohe Watchtower. Die Entscheidung von google, in den Dublin Docklands die Europa-, Afrika- und Nahostzentrale des Unternehmens zu errichten, erfolgte 2012. Seit 2014 haben die Immobilienwerte in Dublin ihr Tief überwunden. Die Zahl der Einwohner der Dublin Docklands ist von 17.500 (1997) auf 27.000 (2013) gestiegen.
Am 22. Mai 2014 wurde bekannt gegeben, dass ein beschleunigter Planungsprozess von der Genehmigungsbehörde An Bord Pleanala genehmigt wurde. Damit konnten weitere 366.000 Quadratmeter Bürofläche und 2.600 Häuser auf 22 Hektar Land nördlich und südlich des Liffey im Rahmen des Planungsprogramms der Docklands Strategic Development Zone (SDZ) entwickelt werden. 2016 wurde das „EPIC The Irish Emigration Museum“ im denkmalgeschützten CHQ Building eröffnet.
Architektur mini|Ein Blick auf den Grand Canal Square in den Dublin Docklands. Das Bord Gáis Energy Theatre befindet sich links, das Marker Hotel in der Mitte und Hanover Quay rechts. (2017)
In den Dublin Docklands befinden sich eine Reihe von Gebäuden mit außergewöhnlicher Architektur. Sie stammen überwiegend aus dem 21. Jahrhundert und wurden von irischen und internationalen Architekten nach einer Vielzahl von zeitgenössischen Stilen gestaltet. Als Baumaterialien werden Glas, Stein und Metall, im besonderen Fall auch Holz, verwendet. Einige alte Hafen- und Industriegebäude, die unter Denkmalschutz stehen, wurden nicht abgerissen, sondern in die Gestaltung der Neubebauung einbezogen. In einigen Fällen wurden Aufbauten errichtet oder direkt angebaut. Erhalten sind Ferrymans Pub und The Heysham. (Englisch mit deutschen Untertiteln)
Am Ende des 20. Jahrhunderts, bei der Errichtung des International Financial Service Center, wurden die Altbauten abgerissen und nicht in die Neubebauung einbezogen. Der Hochhausplan von 1998, zu dem die Irish Times bis 2000 allein 150 Artikel gebracht hat, stieß auf Kritik und wurde in dieser Form zurückgenommen. Die Neubauten in den Dublin Docklands haben meistens 4 bis 5 Stockwerke. An einigen Stellen wurden auch Hochhäuser genehmigt und errichtet. Das höchste ist mit 79 Metern das Capital Dock am Grand Canal. Bauwerke Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Custom House von James Gandon, das während des Unabhängigkeitskrieges 1921 fast zerstört wurde. In der Nähe befindet sich das Hochhaus Liberty Hall. Erbaut 1965, war es einst Irlands höchstes Gebäude. Es ist fast 60 Meter hoch und hat 16 Stockwerke.
Die 3Arena ist eine Veranstaltungshalle für bis zu 14.000 Menschen. Sie war von 1988 bis 2007 als The Point Depot Veranstaltungsort unter anderem für Musikkonzerte, Boxkämpfe und Zirkusse. In dieser Zeit war sie dreimal Gastgeberin des Eurovision Song Contest und der MTV Europe Music Awards 1999. Sie wurde 2008 nach einem Umbau unter Einbeziehung eines historischen Lagerhauses der Great Southern and Western Railway neu eröffnet.
Das Hochhaus Millennium Tower mit 242 Wohneinheiten wurde 1998 gebaut und ist 63 Meter hochlaut , während sich skyscraper.com auf die Baugenehmigung bezieht und von 49 Metern ausgeht. (Architekten: O'Mahony Pike Architects). Wiederholt wurde berichtet, dass das Penthouse das teuerste Angebot auf dem irischen Wohnungsmarkt ist.
Das Grand Canal Theatre am Grand Canal (Architekt: Daniel Libeskind) wurde 2010 eröffnet. Das Theater hat 2100 Plätze. Es liegt am ebenfalls neu geschaffenen und 2007 eröffneten Grand Canal Square von Martha Schwartz. Auf einer Seite wird es vom Grand Canal Square Hotel flankiert, auch als The Marker bekannt, dessen ausladende Lobby dem Giant’s Causeway nachempfunden wurde. Es wurde 2013 fertiggestellt, sein Architekt ist der Portugiese Manuel Aires Matteus.
Das schmale Wohnhochhaus „Alto Vetro“ ist 51 Meter hoch und hat 16 Stockwerke (Architekten: Shay Cleary Architects). Es wurde 2008 fertiggestellt.
Das Kongresszentrum Dublin an der Samuel Beckett Bridge wurde 2010 eröffnet. Auffallendes Merkmal ist sein 54 Meter hohes, verglastes Atrium, das von außen an ein irisches Pint erinnert. Das Gebäude wurde mit einem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Architekt ist Kevin Roche.
2012 wurde das Hochhaus Montevetro für den Bauherren und Eigentümer Google LLC fertiggestellt. Es ist 67 Meter hoch und hat 15 Stockwerke, entworfen wurde es von der Architekturfirma O'Mahony Pike Architects.
Das CHQ Building am Nordufer des Liffey (das Kürzel CHQ steht für die Straßenbezeichnung Custom House Quay) geht auf ein 1821 erbautes einstmaliges Tabaklagerhaus (Entwurf: John Rennie) zurück, das von einem internationalen Architektenteam umgebaut wurde. 2016 eröffnete hier das EPIC The Irish Emigration Museum.
Die Irische Zentralbank zog mit ihrem Hauptsitz 2017 auf ein Grundstück in den Docklands um, wo seit 2008 der Rohbau des Firmensitzes der gescheiterten Anglo Irish Bank an den Aufstieg und Fall des Keltischen Tigers erinnerte. Die Gebäude wurden nach einem Entwurf der Architekturfirma Henry J. Lyons zu Ende gebaut und mit äußeren Hüllen versehen, die vielfach prämiert wurden.