mini|Museum Mödling, Thonetschlössl mini|Sockel einer gotischen Säule im Museumspark Mödling
Das Museum Mödling im Thonetschlössl dokumentiert die Natur- und Kulturgeschichte des Bezirks Mödling von der Urgeschichte bis in die Gegenwart und umfasst unter anderem Funde aus der Awarenzeit, die von überregionaler Bedeutung sind. Zum Museum gehören neben dem Haupthaus am Josef-Deutsch-Platz das Volkskundemuseum mit der Egerländerkrippe in der Klostergasse und die Beethoven-Gedenkstätte im Hafnerhaus auf der Hauptstraße. Die vom Bezirks-Museums-Verein Mödling betriebenen Einrichtungen umfassen Dauer- und Sonderausstellungen sowie Kulturveranstaltungen.
Museumsstandort im Thonetschlössl Historische Entwicklung Das Museum Mödling ist im denkmalgeschützten Thonetschlössl untergebracht, einem ehemaligen Kapuzinerkloster aus dem Jahr 1631, das im 19. Jahrhundert seine heutige Gestalt erhielt. 1889 kam das Gebäude in den Besitz der Wiener Möbelfabrikanten-Familie Thonet und wird seit damals als Thonetschlössl bezeichnet.
1930 erwarb die Sparkasse der Stadt Mödling das Gebäude und bestimmte es zur Unterbringung der seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Sammlungen des Museumsvereins. Das Museum wurde dort 1931 eingerichtet. Während der Zeit des Nationalsozialismus und in den Jahren danach war eine museale Nutzung nicht möglich; nach einem Umbau wurde das Haus 1965 wieder als Bezirksmuseum eröffnet.
Im Laufe der Jahre wurden nicht nur die Sammlungen erweitert, sondern auch die Hyrtl-Bibliothek und ein Museumsarchiv aufgebaut, die hauptsächlich wissenschaftlich genutzt werden.
Museumspark Der nördlich anschließende, ebenfalls denkmalgeschützte Museumspark umfasst ein barockes Brunnenbecken, eine Pietà-Gruppe, mehrere Grabsteine aus dem 16. und 17. Jahrhundert, sowie einen sogenannten Protestantenstein aus der Reformationszeit mit der Inschrift „1581 Wolfgangus und Zezilia Reitperger“. Im Park befindet sich zudem der Sockel einer gotischen Säule der Dombauhütte St. Stephan, die ursprünglich an der Hauptstraße stand und bei der ersten (1529) und zweiten Osmanischen Belagerung Wiens (1683) beschädigt wurde. Ergänzt wird die Anlage durch einen Naturlehrpfad mit mächtigen Altbäumen.
Die Sammlungen Die Sammlungen wurden durch Schenkungen, Ankäufe privater Sammler sowie durch wissenschaftlich dokumentierte archäologische Grabungen aufgebaut. In den Dauerausstellungen werden die einzelnen Epochen und Themengebiete dokumentiert und ausgewählte Fundstücke präsentiert.
Urgeschichte Der Raum Mödling ist seit der Jungsteinzeit besiedelt. Aus der Bronzezeit, Hallstattzeit und Latènezeit stammen zahlreiche archäologische Funde aus dem Mödlinger Gebiet, darunter Keramik, Werkzeuge und Kultgegenstände. Bedeutende Funde der Hallstattkultur wurden am Kalenderberg entdeckt. Die meisten Objekte sind heute im Museum Mödling ausgestellt.
Frühgeschichte In der Römerzeit gehörte das Gebiet um Mödling zunächst zu Noricum und später zu Pannonien. Aus dieser Epoche stammen zahlreiche archäologische Funde wie Grabsteine, Keramik, Münzen und Öllampen, die im Museum Mödling ausgestellt sind.
Während der Völkerwanderungszeit sind einzelne Bestattungen der Goten sowie später der Langobarden nachweisbar, darunter reich ausgestattete Gräber aus dem 6. Jahrhundert.
Den bedeutendsten Fundkomplex stellt jedoch der awarenzeitliche Friedhof „An der Goldenen Stiege“ dar. Zwischen 1968 und 1975 wurden rund 500 Gräber mit etwa 4.000 Beigaben geborgen. Besonders hervorzuheben sind reich verzierte Prunkgürtel, Waffen wie Reflexbögen sowie Schmuck aus Bronze, Silber und Gold. Ein einzigartiger Fund sind gewandverzierte Scheiben mit der Darstellung eines awarischen Bogenschützen. Die Funde trugen zur internationalen Bekanntheit des Museums Mödling bei und sind teilweise in der Dauerausstellung ausgestellt.
Mittelalter Nach der Eroberung des Awarenreichs durch Karl den Großen 803 begann die bajuwarisch-fränkische Besiedlung. Die erste urkundliche Erwähnung Mödlings stammt aus dem Jahr 903 als medilihha. Der Name wird häufig als slawisch gedeutet und mit einem langsam fließenden Gewässer in Verbindung gebracht. Spätere Namensformen entwickelten sich zu Mödling.
Im 10. Jahrhundert war das Gebiet zeitweise ungarisch beherrscht, bevor es unter die Kontrolle des römisch-deutschen Reiches und der Babenberger gelangte. Im 12. Jahrhundert wurde die Mödlinger Burganlage ausgebaut und das Angerdorf erweitert.
Im Hochmittelalter entwickelte sich Mödling zu einem befestigten Siedlungsraum mit Wehrkirchen und bedeutenden Bauwerken wie dem Karner und der St.-Othmarkirche. Ab dem 14. Jahrhundert erhielt der Ort Markt- und Gewerberechte, 1458 ein Wappen. 1529 wurde Mödling zerstört und anschließend wieder aufgebaut.
In der Dauerausstellung des Museums ist diese Zeit dokumentiert.
Neuzeit und Industriezeitalter Vom 16. bis 18. Jahrhundert war Mödling von Türkenkriegen, Pest und Wiederaufbau geprägt. Zünfte und kirchliche Einrichtungen prägten das Stadtleben.
Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt durch Industrialisierung und Biedermeierkultur einen Aufschwung. 1875 erfolgte die Stadterhebung, 1883 wurde mit der Lokalbahn Mödling–Hinterbrühl die weltweit erste elektrische Bahn eröffnet.
Ergänzt wird die Ausstellung durch zahlreiche historische Uhren aus dem 18. bis frühen 20. Jahrhundert.
Dem Gedenken an Gräfin Mitsuko (Maria Thekla) Coudenhove-Kalergi ist im Museum Mödling eine eigene Vitrine gewidmet. Die 1874 in Tokio geborene Mitsuko Aoyama heiratete 1892 den österreichisch-ungarischen Diplomaten Heinrich Coudenhove-Kalergi und lebte später in Österreich. Ihr Sohn Richard Coudenhove gilt als Begründer der Paneuropa-Bewegung. Mitsuko Coudenhove-Kalergi verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Mödling, wo sie 1941 verstarb. Im Museumspark befindet sich ein ihr gewidmeter Zen-Garten.
Geologische Sammlung Die geologische Abteilung des Museums Mödling zeigt die erdgeschichtliche Entwicklung der Region vom Erdmittelalter bis zur letzten Eiszeit. Ausgestellt sind Gesteine, Fossilien und geologische Profile. Zu den besonderen Exponaten zählen seltene Fossilien.
Die Beethoven-Gedenkstätte mini|Beethoven-Gedenkstätte im Hafnerhaus Hauptstraße 79
Im historischen Hafnerhaus in der Mödlinger Hauptstraße, einem Renaissancebau aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, verbrachte Ludwig van Beethoven die Sommermonate 1818 und 1819. In dieser Zeit arbeitete er an bedeutenden Werken wie der Hammerklaviersonate, den Diabelli-Variationen und der Missa solemnis. Eine Gedenkstätte im ersten Stock zeigt historische Räume, Dokumente und einen Hammerflügel; sie erinnert an Beethovens Aufenthalt. Das Beethovenhaus ist ein international beachteter Erinnerungsort und diente mehrfach als Filmkulisse.
Das Volkskundemuseum mini|Volkskundemuseum Mödling in der Klostergasse 16
Das Volkskundemuseum Mödling in einem Weinhauerhaus des 16. Jahrhunderts zeigt das ländliche und städtische Leben der Region von der frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert. Gezeigt werden Werkzeuge, Möbel, Trachten, Musikinstrumente, eine historische Schulklasse und sakrale Gegenstände. Zu den besonderen Exponaten zählen die mechanische Egerländer Krippe, deren Ursprung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Egerland liegt, sowie eine historische Weinpresse im Innenhof. Ergänzt wird das Museum durch einen Schaugarten im Stil eines Hausgartens.
Chronik
Museumsverein Mödling
1899: Der Heimatforscher Franz Skribany legt durch archäologische Ausgrabungen den Grundstock der späteren Museumssammlung. Die Ortsgruppe Mödling des Vereins der Niederösterreichischen Landesfreunde verfolgt die Einrichtung eines Ortsmuseums. 1904: Gründung des Museumsvereins Mödling. Erster Obmann wird Franz Resch, Franz Skribany übernimmt die Betreuung der Sammlungen. 1908: Die Stadtgemeinde übernimmt die Sammlung und führt die Bezeichnung „Museum der Stadt Mödling“ ein. Die Bestände werden im Gebäude der Sparkasse Mödling in der Hauptstraße 42 (heute Petznekhof) verwahrt. 1920: Nach einem Wassereinbruch wird das Museum in die Babenbergerschule verlegt und zum Bezirksmuseum erweitert. 1932/33: Das Thonetschlössl wird dem Museum zur Verfügung gestellt und als neuer Museumsstandort eröffnet. 1938: Nach der Eingemeindung Mödlings nach Wien werden Museumsverein und Museum aufgelöst. Die Sammlungen werden ausgelagert und in das Beethovenhaus überführt. 1945: Beginn der Sicherung und Neuordnung der verstreuten Sammlungsbestände. Die verbliebenen Objekte werden in Räumen der ehemaligen Synagoge in der Enzersdorferstraße gelagert. 1951: Neugründung des Museumsvereins, Obmann: Adalbert Pamperl. 1958: Der Gemeinderat beschließt die Wiederherstellung des Thonetschlössls als Museumsstandort. 1963: Nach dem Ankauf des Thonetschlössls durch die Stadtgemeinde beginnen die Umbauarbeiten. Mit der Gestaltung wird Karl Matzner betraut; die Planung erfolgt durch Ernst Sölder. 1965: Das renovierte Museum im Thonetschlössl wird durch Bürgermeister Karl Stingl eröffnet. Das Gebäude dient seither nicht nur als Museum, sondern auch als Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und Kunstausstellungen, unter anderem der Literarischen Gesellschaft Mödling und des Mödlinger Künstlerbundes. 1968–1975: Unter der Leitung von Karl Matzner werden im Bereich „An der Goldenen Stiege“ bedeutende hallstatt- und awarenzeitliche Funde freigelegt, darunter ein awarenzeitliches Gräberfeld mit rund 500 Bestattungen. 1977/78: Eine Sonderausstellung zu den awarenzeitlichen Funden findet überregionale Beachtung. 1982: Der Museumsverein begründet die wissenschaftliche Schriftenreihe medilihha.
Volkskundemuseum
1960er/1970er Jahre: Im Zuge der geplanten Verlängerung der Badstraße („Badstraßendurchbruch“) sollten mehrere Gebäude der Klostergasse abgerissen werden, darunter das Hauerhaus Klostergasse 16 aus dem 16. Jahrhundert.
alternativtext=Egerländerkrippe im Volkskundemuseum Mödling|mini|Egerländerkrippe im Volkskundemuseum Mödling
1980–1983: Nach der Aufgabe des Straßenprojekts widmet die Stadtgemeinde das Hauerhaus der Einrichtung eines Volkskundemuseums. Unter der Leitung von Melanie Wissor und Karl Matzner werden die volkskundlichen und sakralen Sammlungen des Museums neu zusammengeführt und erweitert. 1984: Feierliche Eröffnung des Volkskundemuseums.
Egerländerkrippe
19. Jahrhundert: Der Ursprung der mechanischen Krippe liegt im Egerland. Ein Eisenbahner aus Böhmen wird versetzt und bringt die Krippe über Bischofshofen nach Mödling in die Herz-Jesu-Kirche. Ca. 1950: Unter Pater Kienast SVD wird die Krippe in der Marienkirche in der Kolonie (Hartigstraße 11) aufgestellt, repariert und zu Weihnachten von Ministranten in Betrieb gesetzt. Die Figuren – „Grulicher Figuren“ – bewegen sich über Laufbänder; die Mechanik besteht aus einfachen Materialien wie Zwirnspulen. 1976: Abbruch der Marienkirche; die Krippe wird abgebaut und dem Museumsverein übergeben. 1977–1979: Wiederaufbau nach historischen Fotos. Die erste Neuaufstellung erfolgte im Beethovenhaus (Hauptstraße), anschließend übersiedelte die Krippe in das neu errichtete Sakralmuseum in der Pfarrgasse. Dabei wurden die Technik erneuert, neue Figuren geschaffen und die Mechanik elektrifiziert. Der Wiederaufbau erfolgte durch Konrad Widmann, Ludwig Matzner und Karl Matzner; die neuen Figuren schuf Leopold Kuthan. Ab 1983: Übersiedlung in die Klostergasse im Volkskundemuseum Mödling. Dort erneute Aufstellung mit elektronischer Steuerung, Musik und Sprechertext (Pfarrer Wilhelm Müller). Ergänzt durch neugotische Fresken aus dem Mödlinger Karner.
Publikationen Seit 2008 gibt der Museumsverein halbjährlich eine Kulturzeitschrift mit dem Namen medilihha heraus.
Auswahl:
Gudrun Foelsche: Das Volkskundemuseum, medilihha, Nr. 9, 1995 Christian Matzner: Die Kapuziner in Mödling, vom Kapuzinerkloster zum Thonetschlössl in Medelliha Nr. 08, 2012
Literatur