Song Hunter bzw. Alan Lomax – Song Hunter war eine britische Fernsehserie, die in den Jahren 1953 bis 1954 produziert wurde. Sie gehörte zu den ersten Dokumentarreihen, die David Attenborough realisierte. Sechs jeweils zwanzigminütige Folgen wurden gedreht.

Vorgeschichte

Attenborough hatte 1952 bereits Coelacanth (dt.: Quastenflosser) gedreht, einen kurzen Film, in dem Julian Huxley sich über diesen prähistorischen Fisch bzw. dessen Wiederentdeckung ausließ, und im selben Jahr die Quizshow Animal, Vegetable, Mineral? produziert. Darin mussten Wissenschaftler Theorien über die Herkunft von Exponaten und Sammlungsstücken aus naturwissenschaftlichen Museen entwickeln.

Zu Song Hunter hatte ihn der amerikanische Musiksammler Alan Lomax inspiriert, der sich zunächst vor allem mit dem Blues und Folk seines Kontinents befasst hatte, dann aber Musiker aus Großbritannien und Irland ins Studio holte. Attenborough wurde über Ausstrahlungen der Dritten Programme (heute Radio 3) auf ihn aufmerksam, in denen Lomax sich zunächst mit dem Flamenco beschäftigte. Außerdem war die BBC damals mit dem Aufbau des BBC Folk Music and Dialect Recording Scheme beschäftigt. Peter Kennedy, Séamus Ennis, Hamish Henderson und Bob Copper waren daran beteiligt. Sie nahmen etwa 700 Personen im Alter von sechs bis 96 Jahren auf. Ein Teil dieses Materials ließ sich in Song Hunter verwenden. Hinzu kam, dass sich bei der BBC die Teams, die naturwissenschaftliche und naturhistorische Filme drehten, ein Studio mit Fernsehleuten teilten, die traditionelle Musik u. Ä. aufnahmen. Auch personell überschnitten sich diese Teams und sie verwendeten zum Teil dieselbe Ausrüstung. Peter Kennedy beispielsweise benutzte für seine Aufnahmen von Vogelstimmen dasselbe Mikrophon wie für seine Dokumentationen über Musiker.

Lomax war schon 1950 in Europa gewesen. Zuvor hatte er unter anderem für das Archive of American Folk Song der Library of Congress zahlreiche Songs und Interviews aufgenommen. Attenborough wusste nicht, dass Lomax zu diesem Zeitpunkt schon ins Visier des FBI geraten war und vom MI5 beobachtet wurde: Auf einer Liste mit potentiell gefährlichen, weil mit dem Kommunismus sympathisierenden Künstlern, die 1950 von ehemaligen FBI-Agenten zusammengestellt worden war, war sein Name erschienen – ebenso wie die Namen von Personen wie Aaron Copland, Dorothy Parker, Buri Ives und Leonard Bernstein.

1952 kam Lomax erneut nach Europa und schlug sein Standquartier in London auf. Von dort aus bereiste er Europa und arbeitete an der Columbia World Library of Folk and Primitive Music, deren Inhalte auf Langspielplatten gespeichert wurden. Seine Aufnahmen aus Spanien beeindruckten unter anderem Gil Evans und Miles Davis. Sie übernahmen etliche Elemente daraus für Davis’ Album Sketches of Spain, das 1960 herauskam. Jahrzehnte später, 1997, erkannte Bob Dylan Lomax während eines Konzerts im Publikum. Lomax hatte zu den Personen gehört, die Dylan mit der Folk Music vertraut gemacht hatten.

Produktion

Lomax reagierte auf Attenboroughs Vorschlag, eine Serie über traditionelle Musik zu produzieren, begeistert. Die Folgen von Song Hunter wurden in den Studios des Alexandra Palace aufgenommen. Unter anderem wurden Michael Gorman und Margaret Barry in Song Hunter vorgestellt. Über die Aufnahmen mit Margaret Barry erzählte Attenborough später, sie habe erstens ihr Banjo unter den heißen Scheinwerfern liegengelassen, weshalb das Instrument dann komplett verstimmt gewesen sei, und zweitens ihr künstliches Gebiss aus dem Mund genommen. Dem Publikum habe das nicht besonders gefallen, aber er, Attenborough, habe sie trotzdem großartig gefunden.

Song Hunter wurde jeweils live ausgestrahlt und nirgends gespeichert.

Zoo Quests Relativ bald, nachdem Song Hunter entstanden war, begann Attenborough mit der Arbeit an seinen Zoo Quests. Im Grunde ging es in dieser Serie um das Aufspüren und Einfangen exotischer Tiere für den Londoner Zoo, doch zugleich entstanden ethnologisch interessante Aufnahmen. Vor allem aber begeisterte Attenborough sich seit Song Hunter auch für die Musik der Länder, die er auf der Suche nach Tieren bereiste, und brachte zahlreiche Musikaufnahmen von diesen Expeditionen heim. Auf diese Weise kam Zoo Quest auch zu seiner Erkennungsmelodie: Attenborough war in Paraguay auf Harfenspieler gestoßen. Seine Aufnahmen aus Paraguay leisteten der Karriere des Trios Los Paraguayos im Vereinigten Königreich Vorschub. Andere Musikaufnahmen, die während der Dreharbeiten an Zoo Quest entstanden, waren beispielsweise die Gesänge der Träger, die die Filmausrüstung in Neuguinea transportierten, Trommelmusik in Sierra Leone, Gamelanmusik in Java und das Didgeridoo-Spiel der Aborigines in Tonga. Diese Aufnahmen überließ Attenborough der Sound Library der BBC, wo sie aufbewahrt, aber lange nicht beachtet wurden. Einzelnachweise

Kategorie:Informationssendung (Fernsehen) Kategorie:Dokumentarreihe Kategorie:Fernsehsendung der 1950er Jahre