Der Bahnhof Křimov, bis 1937 deutsch: Krima-Neudorf, 1937 bis 1945: Krima ist eine Betriebsstelle der Bahnstrecke Chomutov–Reitzenhain und der hier beginnenden Bahnstrecke Křimov–Vejprty auf dem Gemeindegebiet von Křimov (Krima) in Tschechien.
Geschichte
Die Buschtěhrader Eisenbahn (BEB) konzipierte die Station Krima-Neudorf von Anfang an als Trennungsbahnhof ihrer Strecken nach Reitzenhain und Weipert. Als Baugrund wurde ein vergleichsweise ebenes Areal zwischen den kleinen Dörfern Krima und Neudorf am Rand der Erzgebirgs-Kammhochfläche ausgewählt. Die namensgebenden Ortschaften lagen dabei jeweils etwa einen Kilometer entfernt.
Die BEB errichtete ein großzügig dimensioniertes Aufnahmsgebäude, wie es als Typenbau auch auf anderen zeitgenössischen Bahnhöfen der BEB zu finden ist. Neben den Dienst- und Wohnräumen für das Bahnhofspersonal beherbergte es auch eine Bahnhofswirtschaft. Die Anlage komplettierte ein zweiständiges Heizhaus mit Wasserstation sowie ein Güterschuppen. An der Ausfahrt nach Weipert gab es eine Drehscheibe zum Drehen der Schlepptender-Lokomotiven in Fahrtrichtung. Insgesamt erhielt der Bahnhof sechs durchgehende Bahnhofsgleise und zwei durch das Heizhaus führende Nebengleise. Die Hauptgleise 1 und 2 hatten eine Nutzlänge von über 460 Metern. Damit war das Kreuzen langer Güterzüge möglich. Zwischen Gleis 1 und 2 war an der Verzweigung der beiden Strecken eine doppelte Weichenverbindung mit einfacher Kreuzung eingebaut, wie sie für viele Bahnhöfe der BEB typisch war.
Der Bahnhof ging am 1. August 1872 mit der Verbindung von Komotau nach Weipert und Annaberg in Betrieb. Die Strecke nach Reitzenhain mit der Weiterführung durch das Flöhatal nach Chemnitz wurde am 23. August 1875 eröffnet. Auf der Strecke nach Reitzenhain war fortan insbesondere der grenzüberschreitende Güterverkehr bedeutsam. Der bescheidene Reiseverkehr dorthin wurde anfangs mit gemischten Zügen und später mit Motorzügen abgewickelt. Auf der Verbindung nach Weipert dominierte hingegen der Reiseverkehr mit langen Personenzügen von und nach Komotau.
Zum 1. Jänner 1924 wurde die BEB verstaatlicht und der Bahnhof gehörte fortan zum Netz der Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD). Der Bahnhof trug nun den zweisprachigen Namen Křimov-Nová Ves / Krima-Neudorf. Nach der Eröffnung einer ortsnahen Haltestelle in Neudorf erhielt der Bahnhof ab 1937 den Namen Křimov / Krima. Ab 4. Oktober 1938 gehörte er als Bahnhof Krima zum Netz der Reichsbahndirektion Dresden.
Den Zweiten Weltkrieg überstand der Bahnhof ohne Schäden. Am 10. Mai 1945 wurde er von der Partisaneneinheit „Železo“ besetzt, am 27. Mai 1945 kam er wieder zurück in die Verwaltung der ČSD. Im Sommer 1946 wurde das deutsche Bahnhofspersonal des Landes verwiesen und durch neu angesiedelte Tschechen ersetzt.
Am 9. Mai 1948 wurde der Reiseverkehr nach Reitzenhain eingestellt, der verbliebene Güterverkehr des Bahnhofes Hora Sv. Šebestiána (Sebastiansberg) wurde Ende der 1950er Jahre nach Křimov verlagert. Umgeschlagen wurden insbesondere die Produkte des dortigen Torfwerkes und Rohholz aus dem umliegenden Wäldern. Das 1972 stillgelegte Streckengleis nach Reitzenhain diente dann noch eine Zeitlang der Abstellung von Schadwagen. Die Abzweigweiche der Strecke im Bahnhof Křimov wurde dann erst in den 1990er Jahren entfernt.
Im Jahr 1991 begannen die Planungen zum Bau einer Umladeanlage für Baustoffe („Překladiště Křimov“), die 1992 an Gleis 6 aufgebaut werden sollte. Vorgesehen war eine Umschlagkapazität von jährlich 25.000 Tonnen Zement und 400.000 Tonnen Gesteinskörnungen für den Export nach Deutschland. Dieses Vorhaben wurde nicht realisiert.
Zwischen dem 5. und 10. Oktober 1993 fanden im Bahnhof Křimov Dreharbeiten für den mehrteiligen Fernsehfilm Radetzkymarsch statt. Das Aufnahmsgebäude war in dieser Zeit durch einige provisorische Anbauten ergänzt und als Bahnhof Trembowla - Трембовля beschildert. Die Gleise 2, 4 und 6 waren als fiktiver Kopfbahnhof mit Filmkulissen überbaut. Ein erhaltenes Relikt der Filmproduktion ist ein großes Wandgemälde in der (heute für die Öffentlichkeit unzugänglichen) Bahnhofshalle mit dem Titel Ankunft der Dampfwagenzüge im Bahnhofe zu Brünn am 7-ten Juli 1839.
Im früheren Heizhaus ist seit 1994 der Eisenbahnverein společnost LOKO-MOTIV ansässig, der dort ein kleines Museum zur Geschichte der Strecke aufgebaut hat.Homepage des Vereines společnost LOKO-MOTIV
Am 1. August 1994 wurde der Bahnhof Křimov als eigenständige Dienststelle aufgelöst und dem Bahnhof Chomutov unterstellt. Seit dem 10. Dezember 2006 ist der Bahnhof unbesetzt. Der Zugverkehr im Bahnhof wird seitdem im Zugleitbetrieb nach Vorschrift D3 abgewickelt.
Im Dezember 2011 wurden die Gleise 2 und 4 vor dem Aufnahmsgebäude abgebaut, Gleis 6 wurde gekürzt, der devastierte Güterschuppen wurde abgerissen. Das ungenutzte Aufnahmsgebäude wurde an private Eigentümer verkauft. Zugfahrten finden seitdem nur noch über die Gleise 1 und 3 statt, wobei Gleis 3 bei Bedarf als Kreuzungsgleis dient. Die Gleise 5, 7 und 9 sind Teil des Eisenbahnmuseums.
Im Jahresfahrplan 2026 wird Křimov an den Wochenenden und Feiertagen im Sommerhalbjahr von den Personenzügen der touristischen Linie T6 bedient. Im Winter ruht jeglicher Verkehr.
Literatur
Jan Kadlec: Krušnohorská železniční trať Chomutov–Vejprty, Eigenverlag, Chomutov 2016, ISBN 978-80-88075-06-6 Jan Kadlec: Zaniklá železniční trať Křimov–Reitzenhain, Oblastní muzeum v Chomutově, 2005 (PDF; 8,4 MB)
Weblinks
Křimov auf atlasdrah.net
Einzelnachweise
Kategorie:Křimov Krimov Krimov Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren