Jochen Hass (* 17. Juli 1917 in Tilsit; † 7. Juni 2000 in Berlin) war ein deutscher Maler und Denkmalpfleger.
Leben Jochen Hass absolvierte das Abitur 1937 in Tilsit. Er studierte zunächst einige Semester Philologie, bevor er während des Zweiten Weltkriegs zum Kriegsdienst verpflichtet wurde. Nach Kriegsende studierte er Malerei an der Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar, unter anderem bei Otto Herbig. Schwerpunkt seiner Ausbildung bildete der Bereich Wandmalerei bei Hermann Kirchberger. 1950 schloss er als Meisterschüler mit dem Diplom ab. Während des Studiums wirkte er als Assistent am Lehrstuhl für Denkmalpflege bei Hermann Weidhaas. 1940 hatte Hass ein erstes prägendes homosexuelles Erlebnis mit einem Schauspieler, der sich zu Dreharbeiten für den Kriegspropagandafilm U-Boote westwärts! an der Ostsee aufhielt.Jochen Hass. In: Queere Kunst in der DDR?, Berlin 2026, S. 69
Hass arbeitete von 1953 bis 1968 als Konservator am Institut für Denkmalpflege in Ost-Berlin, Potsdam und Frankfurt an der Oder. Von 1968 bis 1983 war er Oberkonservator am Institut für Denkmalpflege, zuständig für die künstlerische Gestaltung und historische Fassung an Kirchenfassaden und Profanbauten. Es entstanden Entwürfe für Glasfenstergestaltungen, unter anderem für den Berliner Dom, die Jakobs- und die Marienkirche in Prenzlau, die Nikolaikirche in Potsdam und die Franziskanerkirche in Frankfurt/Oder.Jochen Hass. In: Queere Kunst in der DDR?, Berlin 2026, S. 69–70
Neben seiner Tätigkeit als Denkmalpfleger widmete sich Hass der Malerei im Ateilier in seiner Wohnung.
Werk Hass schuf als Maler Aquarelle, Ölbilder und Gouacheen. Zu seinen Werken zählten Stillleben und Landschaftsbilder, auch impressiv und abstrakt, zudem experimentierte er mit expressionistischen Stilelementen.
Nach der Formalismuskritik an den Werken Hermann Kirchbergers in Weimar, die ihn 1951 zwangen, seine Professur aufzugeben, geriet auch Hass in die Kritik. Ihm wurde die Aufnahme in den Verband Bildender Künstler der DDR (VBK) verwehrt, weil seine Kunst, die von Beginn an sowohl gegenständliche als auch abstrakte Werke umfasste, nicht den Vorstellungen der SED hinsichtlich der stilistischen und thematischen Anforderungen des sozialistischen Realismus entsprach und sich Hass nicht bereit zeigte, sich diesen Anforderungen anzupassen.
Neben Porträts von Männern begann Hass 1951 auch mit seiner Serie von Männerpaaren und verband „antike Mythologie mit der Darstellung der Realität seiner Zeit,“Christine Heidemann: Jochen Hass, in Queere Kunst in der DDR?, Berlin 2026, S. 38 bevor in den folgenden Jahren die Abstraktion in seinem Schaffen das Übergewicht gewann und seit den 1960er Jahren vor allem farbintensive Flächenkompositionen entstanden, die motivisch im Genre Stillleben zu verorten sind.
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1983: Berliner Dom 2001: Berliner Dom 2010: Ölbilder aus fünf Jahrzehnten, Neuköllner Leuchtturm, Berlin 2011: Jochen Hass zum 10. Todestag, Museumshaus „Im Güldenen Arm“, Potsdam 2013: Zwischen Tradition und Moderne. Frühe Gemälde von Jochen Hass 1950 bis 1955, Schwules Museum, Berlin 2017: Jochen Hass. Maler und Denkmalpfleger, Schloss Caputh Gruppenausstellungen 1987: Galerie am Hansering, Halle (Saale) 1997: Goodbye to Berlin?, Akademie der Künste Berlin 2026: Queere Kunst in der DDR?, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Mitte Museum und KVOST, Berlin
Weblinks
Website jochen-hass.de
Einzelnachweise
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