Die Trümpy-Schule, auch Trümpy-Skoronel-Schule und Bartholomé-Trümpy-Schule, war eine von Berthe Trümpy von 1924 bis 1938 geführte private Schule für Tanz und Gymnastik in Berlin-Wilmersdorf.
Geschichte 1924 wurde die Schule von Berthe Trümpy gegründet an der Adresse Brandenburgische Straße 19, Berlin.Nachlass Berthe Trümpy im Deutschen Tanzarchiv Köln, gesichtet am 19. Mai 2026. 1926 schloss sich Vera Skoronel der Schule als Lehrkraft und Tanzkompositorin an.
1927/28 ließ Trümpy an der Blüthgenstraße 5 in Berlin-Wilmersdorf ein Schulgebäude bauen. Verantwortlich für den Bau war der Berliner Architekt Alfred Gellhorn. Das heute nicht mehr existierende Gebäude umfasste drei Etagen mit einem Übungsraum, zwei Studios, einem Büro, verschiedenen Funktionsräumen und einem Wohnbereich im Obergeschoss mit drei Schlafzimmern. Die Glasfenster wurden von Max Dungert geschaffen.
1932 verstirbt Vera Skoronel im Alter von 25 Jahren und Berthe Trümpy vereinigt 1933 ihre Schule mit der Berliner Zweigstelle von Dorothee Günthers Schule in München. Daraufhin entstand ein Zusammenschluss der Schulen von Trümpy, Wigman und Palucca zur „Wigman-Schulgruppe im D.K.V.“ (Deutscher Körperbildungsverband e. V.), die dem nationalsozialistischen Kampfbund für deutsche Kultur angehörte.
1938 wurde die Trümpy-Schule aufgelöst.
Ausbildung Nach bestandener Aufnahmeprüfung in Form einer Einzelstunde bei Berthe Trümpy, wurden neue Schülerinnen zunächst für einen Probemonat aufgenommen und mussten sich dann für jeweils ein Jahr dem Unterricht verpflichten. Ein Schuljahr umfasste die Zeit vom 1. September bis 15. Juli mit kleinen Auszeiten (z. B. Pfingstferien, Weihnachtsferien). In einer üblichen Woche erhielten die Schülerinnen von montags bis freitags vormittags und nachmittags, sowie samstags vormittags ihren Unterricht. In der Sommerpause bot die Schule zusätzliche Kurse an. Als Privatschule erhob sie von den Schülerinnen oder deren Familien Kosten für den Unterricht.
Die gesamte Tanzausbildung dauerte mindestens zwei Jahre, in denen die Schülerinnen in Tanztechnik, Geräuschrhythmik, Tanzpädagogik, Tanzregie, Einzeltechnik, Choreographie, Körperarbeit nach Mensendieck, Anatomie, Ballett und Tanzakrobatik unterwiesen wurden. Getanzt wurde vor allem barfuß. Ausgewählte Schülerinnen konnten in öffentlichen Schulaufführungen auftreten, später bekannt als Tanzgruppe Vera Skoronel. Weiterhin fanden an der Schule Vorträge zu verschiedenen Themen statt und die Schülerinnen wurden in außerschulischen Übungen beschäftigt, wie dem Verfassen von Tanzkritiken.
Nach Absolvieren des vorgegebenen Unterrichtspensums wurde ein Zeugnis über die Arbeitsleistung und Befähigung ausgestellt. Für eine Bescheinigung über die Zulassung zu tänzerischer und tanzpädagogischer Tätigkeit sowie den Titel „Lehrerin für Tanz und Gymnastik“ musste eine Prüfung abgelegt werden. Diese bestand aus Gymnastik, selbstständig ausgearbeiteten Solo- und Gruppentänzen, Probeunterricht, Geräuschrhythmik, Anatomie und einer Abhandlung über ein vorgegebenes Thema. Je nach persönlichem Ziel der Absolventin wurden diese Aspekte unterschiedlich gewichtet.
Über die Schülerinnen ist nicht viel bekannt. Zwei bestätigte Schülerinnen der Trümpy-Schule waren Brigitte Hornen und Afrika Doering.Nachlass Afrika Doering im Deutschen Tanzarchiv Köln, gesichtet am 6. Mai 2026.
Unterrichtsziele und Tanzstil(e) Trümpy formuliert drei Hauptziele für ihre Schülerinnen:
„Eine gründliche Durchbildung des ganzen Körpers durch Spannung und Entspannung der einzelnen Muskelgruppen“ „Eine Entwicklung des persönlichen und künstlerischen Ausdrucks“ „Die Fähigkeit zur selbstständigen Arbeit […] in der ihrer Begabung entsprechenden Weise als Einzeltänzer[in], Gruppentänzer[in] oder Lehrer[in]“
Die Zusammenarbeit der Wigman-Schülerin Trümpy und der Tänzerin Skoronel prägte den besonderen Stil der Schule. Doch auch andere Einflüsse ließ Trümpy ganz bewusst in ihr tanzpädagogisches Konzept miteinfließen: Sie war der Ansicht, dass eine gute professionelle Tanzausbildung die Grundtechniken Rudolf von Labans, die Fußtechnik und den Schrittausdruck aus der Schule Mary Wigmans, die Sprungtechnik und den Spannungsausdruck, den Gret Palucca lehrt, sowie die maschinellen Armrhythmen, die tänzerische Mimikskala und die vielstrahlige, gleichzeitige Funktion einer Bewegung von Vera Skoronel inkludiert. Trümpy versuchte diese Strömungen zu vereinigen und bot ein entsprechend breites Spektrum an Unterrichtsfächern in ihrer Schule an.
Die Schule wurde 1938 aus unbekannten Gründen aufgelöst und schien in ihrem 14-jährigen Bestehen einen guten Ruf genossen zu haben.
Ehemalige Lisa Czóbel, (1906–1992), Ausdruckstänzerin und Choreographin
Literatur
Berthe Trümpy, Vera Skoronel: Schriften Dokumente. Hrsg. René Radrizzani. Verlag Noetzel, Wilhelmshaven 2005, ISBN 3-7959-0853-1.
Michael Kugler: Elementarer Tanz - Elementare Musik. Die Günther-Schule München 1924 bis 1944. Schott Musik International, Mainz 2002, ISBN 3-7957-0449-9.
Weblinks
Nachlass Berthe Trümpy im Deutschen Tanzarchiv Köln, gesichtet am 19. Mai 2026. Nachlass Afrika Doering im Deutschen Tanzarchiv Köln, gesichtet am 6. Mai 2026. Ute Dorothea Sauer: Berthe Trümpy. In: Sächsische Biografie. hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde. 3. November 2021, abgerufen am 20. mai 2026 (deutsch).
Einzelnachweise
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