mini|Orgel der Nikolauskirche Die evangelische Pfarrkirche St. Nikolaus steht in Ödenwaldstetten, einem Ortsteil der Gemeinde Hohenstein im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie ist als Kulturdenkmal beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg eingetragen.
Geschichte und Baubeschreibung In der erste Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde das Dorf Walichstetin und dort im Jahre 1275 eine Kirche und Pfarrei Sankt Nikolaus erstmals erwähnt. Das Kloster Zwiefalten war hier wohl umfangreicher als andere Akteure begütert und hatte den Kirchenbau gefördert, ohne dass mit dem Grundbesitz im Ort der Kirchensatz und das Patronatsrecht verbunden war. Dies lag trotz häufigen Besitzerwechsels im Ort immer bei Württemberg. Im Zuge der Reformation setzte Württemberg 1562 im inzwischen überwiegend zwiefaltisch-katholischen Ort einen evangelischen Pfarrer ein, was dann in der Folge fast zweihundert Jahre lang eine Quelle von Ärger und Auseinandersetzung war, bis Zwiefalten 1750 den Ort an Württemberg abtreten musste.LEO-BW, Landeskunde entdecken online: Ödenwaldstetten .
Die im Ursprung gotische Saalkirche entstand mit Unterstützung des Klosters Zwiefalten im 13./14. Jahrhundert, wobei Teile eines Vorgängerbaus übernommen wurden. Der Bau besteht aus dem Schiff, dem nicht eingezogenen Chor mit 3/8-Schluss und durchgehender Flachdecke sowie einem Westturm. Nur von Norden her gibt es drei Eingänge: östlich in den Chor, in der Nordwand in das Kirchenschiff mit Innentreppe zur Nordempore, und westlich in den Turm mit Innentreppe zur Westempore. Der Friedhof liegt südlich des Kirchengebäudes. Diese Anordnung der Eingänge verdeutlicht die lange währende Innenausrichtung auf die Kanzel ehemals auf der Südwand-Mitte im Sinne einer Querkirche,Querkirche: Wegen der speziell in Württemberg gültigen Ordnung des evangelischen Predigtgottesdienstes: eine der gängigen Kirchbautypen. jetzt am Übergang zum flachen Chorschluss.
Im 17. Jahrhundert wurde der Chor nach Osten erweitert und Barockemporen und die Felderteilung der Holzdecke eingebaut. 1778 wird die Kirche renoviert und dabei, spätestens jedoch 1848/49, eine neue Kanzel eingebaut und die Nordempore bis in den Chorraum hinein verlängert. Dort wurde quer zur Kirchenlängsachse eine Orgelempore errichtet, die 1909/1910 bei einer umfangreichen Außen- und Innenrenovierung zur besseren Belichtung des Chorraums wieder entfernt und die Orgel im Chorparterre aufgestellt wurde. Bei dieser Renovierung wurden alte Wandbilder von 1350 entdeckt. Auch das mittlerweile überarbeitete frühgotische Taufbecken stammt aus dieser Zeit. 1956 erhielt die Kirche ein neues Gestühl.
Ausstattung Wandmalerei: Bei der Renovierung im Jahr 1909/10 wurden Fresken aus der Zeit um 1320 freigelegt und restauriert.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder . Der Gekreuzigte auf der oberen Südwand ist nur zur Hälfte sichtbar, sieben halbfigurige Engel fangen in Kelchen Christis Blut auf. Links davon ist die Muttergottes als Schutzmantelmadonna noch teilweise ersichtlich, während von Johannes dem Evangelisten nur der Kopf erhalten ist. Auf der Nordwand sind noch fünf Häupter zu sehen sowie Fragmente von drei Jüngern. Man geht davon aus, dass hier einst das Abendmahl Jesu dargestellt war. Aufgrund der Ähnlichkeit wird vermutet, dass in Ödenwaldstetten und in MünzdorfEhemalige Kapelle St. Bernhard in Hayingen-Münzdorf vom Ende des 13. Jahrhunderts, heute profaniert. Die bedeutenden Wandmalereien befinden sich auf Veranlassung des Restaurators Prof. Hans-Dieter Ingenhoff (1927–1994; Tübingen) seit 1960 im Heimatmuseum Münsingen, siehe LEO-BW, Münzdorf . dieselbe Werkstatt arbeitete.
Ehemaliges Altarkreuz: Am früheren Platz der Kanzel auf der Mitte der Südwand ist der gotische Kruzifixus aus der Zeit um 1510/1520 angebracht.
Altar: Der mutmaßlich von der Kirchenrenovierung 1909/10 stammende Steinaltar trägt ein kleines Triptychon als Altarretabel aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den Bildthemen links das Gebet Jesu im Garten Gethsemane, in der Mitte das Abendmahl Jesu und rechts der Gang nach Emmaus.
Glasgemälde: Adolf Valentin Saile schuf 1956 die Farbverglasung für das Chorfenster mit den Bildthemen (von unten nach oben) Geburt Jesu in Bethlehem, die Passion Jesu, und oben die Majestas Domini bzw. Christus als Pantokrator.Ehrenfried Kluckert, Axel Zimmermann (Bearb.): Adolf V. Saile - Städtische Galerie Filderstadt, Kleines Kunst-Kabinett Bernhausen; vom 13.10.1985–6.11.1985. (Hrsg.) Städtische Galerie Filderstadt; Band 1: Ausstellungskatalog, Band 2: Werkverzeichnis; Filderstadt 1985.
Orgel und Glocken: Über das aktuelle Orgelwerk im Inneren des ansprechenden Barockgehäuses ist derzeit nichts Näheres bekannt. Zwei der Turmglocken stammen noch aus der Zeit von 1590, eine trägt die Inschrift: „Si Deus pro nobis est quis contra nos.“ (Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein. Römer 8).
Literatur
Einzelnachweise
Weblinks Die Nikolauskirche auf der Homepage der Kirchengemeinde Die Nikolauskirche auf der Kulturplattform Reutlingen Die Nikolauskirche auf kirchbau.de
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