mini|Revolutionäre hissen ihre Flagge (Bild von Antônio Parreiras) Die Pernambuco-Revolution, auch bekannt als Priesterrevolution, fand in dem Kapitanat Pernambuco im Nordosten Brasiliens statt und wurde vor allem durch den Rückgang der Zuckerproduktion, hoher Besteuerung der Regionen durch die portugiesische Krone sowie den Einfluss der Freimaurerei ausgelöst. Diese Revolution ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie einer der ersten Versuche war, in Brasilien eine unabhängige Regierung zu etablieren. Die Revolte fand vor dem Hintergrund der Südamerikanischen Unabhängigkeitskriege statt und wurde durch die Ideale der Französischen und Amerikanischen Revolution beeinflusst. Obwohl der Aufstand nach wenigen Monaten niedergeschlagen wurde, konnte Brasilien 1822 seine Unabhängigkeit als Kaiserreich Brasilien erlangen, blieb jedoch bis Ende des 19. Jahrhunderts unter monarchischer Herrschaft.
Hintergrund Mit dem napoleonischen Einmarsch in Iberien verlegte das Haus Braganza seinen Sitz von Portugal nach Rio de Janeiro in die Kolonie Brasilien. Das Vereinigte Königreich von Portugal, Brasilien und den Algarven mit Sitz in Rio entstand 1815. Bis dahin war „Brasilien“ ein Sammelbegriff für mehrere portugiesische Besitzungen in der Neuen Welt, und selbst die Vereinigten Staaten bezeichneten diese Besitzungen im Plural als „Brasiliens“. Mit dem Vereinigten Königreich wurde Brasilien nun erstmals als geeinter Teil eines einzigen Königreichs betrachtet. Im Allgemeinen hatten provinzielle Angelegenheiten jedoch Vorrang vor nationalen, und die Vorstellung eines „brasilianischen Volkes“ existierte noch nicht.
Die nordöstliche Region war bereits 1816 von einer Hungersnot heimgesucht worden, die der Baumwoll- und Zuckerproduktion einen schweren Schlag versetzt und einen weiteren Grund für das Verlangen nach Unabhängigkeit geschaffen hatte. Die Region war weit weg vom imperialen Zentrum in Rio und dementsprechend vernachlässigt, da sich Entwicklung und Investitionen auf den Süden konzentrierten. In Recife, der Hauptstadt Pernambucos, wurde Portugal in weiten Teilen der Eliten als Unterdrücker empfunden. Liberale Ideen, die über ausländische Reisende, Bücher und andere Quellen nach Brasilien gelangten, beflügelten revolutionäre Kreise. Zudem hatten sich seit Ende des 18. Jahrhunderts Geheimgesellschaften gebildet, oft in Form von Freimaurerlogen, von denen einige, wie Patriotismo und Restauração, in Pernambuco existierten – sie alle dienten als Orte für die Verbreitung und Diskussion der sogenannten „französischen Ideen“, den Gleichheitsidealen der französischen Revolution.As luzes da maçonaria sobre Pernambuco
Die Freimauerlogen im Norden vertraten besonders radikale republikanische Ideen, während sie im Süden gemäßigter waren und sich für die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie einsetzten. Die Unterstützung für die Revolution beschränkte sich in Pernambuco jedoch nicht nur auf das Bildungsbürgertum, sondern schloss auch die Zuckerrohrbauern und Teile des katholischen Klerus mit ein. Als großen Landbesitzer hatten diese beiden Gruppen schwer unter der schlechten wirtschaftlichen Lage zu leiden und viele Kleriker waren in dem theologischen Seminar von Olinda mit aufklärerischen Ideen in Berührung gekommen. Insgesamt 43 Geistliche beteiligten sich an der Revolution. Zahlreiche an der Revolution beteiligte Personen, darunter auch ihre Anführer, hatten an der Universität von Coimbra studiert. Innerhalb der Universität diskutierten die Studenten über Literatur, die in Portugal verboten war, darunter Werke der aufklärerischen Philosophen Rousseau, Montesquieu, Voltaire, Helvétius und Diderot. Auch die amerikanische und französische Verfassung stieß auf großes Interesse.
Der Aufstand in Pernambuco war schon Jahre im Voraus geplant worden. Er ereignete sich fast zeitgleich mit anderen Verschwörungen der Freimaurer in Rio de Janeiro, Lissabon und Bahia. In Lissabon deckte das portugiesische Königshaus eine Verschwörung auf, die darauf abzielte, das Haus Braganza durch das Haus Cadaval zu ersetzen. In Bahia wurde Marcos de Noronha e Brito des Verrats an Johann VI beschuldigt, und in Recife wurden Pläne geschmiedet, Brasilien in fünf verschiedene Königreiche aufzuteilen. In Rio gab es einen Plan, König Johann zur Unterzeichnung einer neuen Verfassung zu zwingen.
Revolte mini|Darstellung der Revolte in Recife von 1817 mini|Flagge der revolutionären Republik Pernambuco, welche die Grundlage für die heutige Staatsflagge Pernambuco bildet Die Bewegung wurde von Domingos José Martins angeführt, unterstützt von Antônio Carlos Ribeiro de Andrada und Frei Caneca. Obwohl die Behörden im Vorfeld von dem Komplott informiert waren, gelang den Revolutionären ein erfolgreicher Aufstand nach der Ermordung des portugiesischen Offiziers Manoel Joaquim Barbosa durch Hauptmann José de Barros Lima, der sich seiner Verhaftung wegen angeblicher Beteiligung an einer Verschwörung gegen die Regierung widersetzt hatte. Die Forderungen der Revolutionäre bestanden aus der Abschaffung von Steuern, Gewaltenteilung, Presse- und Religionsfreiheit, der Erhöhung der Soldatengehälter sowie der Etablierung einer Republik.
Der Gouverneur Caetano Pinto wurde am 7. März 1817 abgesetzt und musste nach Rio fliehen. Viele schwarze Männer schlossen sich während des Aufstands den Republikanern an. Kurz darauf organisierte Martins Wahlen für die Provinzregierung der Republik und eine provisorische Regierung wurde eingerichtet. Wahlen waren in Brasilien bis dahin so gut wie unbekannt, da sie bislang nur zur Wahl der Räte in den Gemeinderäten stattfanden. Die meisten Kandidaten für die neue Regierung standen in Verbindung mit den lokalen Eliten. Sie wurden ausgewählt, um die wichtigsten sozialen Schichten jener Zeit zu repräsentieren: Händler, Militär, Klerus, gebildete Bürger und Grundbesitzer.
Die Revolutionäre führten verschiedene Reformen durch und kündigten die Einführung einer liberalen Verfassung innerhalb von einem Jahr an. Einen großen Einfluss auf die Ideale der Revolte hatte der Philosoph Condorcet. Seine als Physiokratie bekannte Philosophie befürwortete ein System, in dem zwar allen Bürgerrechte gewährt wurden, nicht jedoch politische Rechte. Stattdessen sollte die Politik von den Grundbesitzern kontrolliert werden. Diese Ideen wirkten sich auch auf die Haltung der Regierung zur Sklaverei aus. Nach Ansicht der Regierung waren alle Menschen gleich, und sie strebte einen langsamen Übergang zum Abolitionismus an, doch das Eigentum bildete die Grundlage der Gesellschaft und sollte respektiert werden, auch um einflussreiche Landbesitzer nicht gegen die neue Regierung aufzubringen.
Kurz nach der Gründung der Provinzregierung der Republik wurden alle monarchistischen Symbole abgeschafft und ein neuer Kalender eingeführt, dessen Ausgangspunkt der Beginn der Revolution war.A divulgação da revolução de 1817 entre os pernambucanos e na imprensa norte-americana Die neue Regierung betrieb intensive Propaganda, um die Bevölkerung von ihren Idealen zu überzeugen, und hoffte, dass sich weitere Gebiete im Nordosten der Revolution anschließen würden. Tatsächlich griff der Aufstand auch auf Ceará, Paraíba und Gebiete in der Kapitänschaft Rio Grande über. Doch trotz ihrer Absicht, eine föderative Republik zu gründen, befürchteten die anderen Staaten, Pernambuco untergeordnet zu werden. Eine weiteres Problem der Revolutionäre war ihre fehlende Einheit und innere Zerstrittenheit. International suchten die Revolutionäre in Argentinien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten nach Unterstützung, alle diese Mächte erklärten sich jedoch für neutral, obwohl die Republik in den USA viel Unterstützung erfuhr. Das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten in Recife, Amerikas älteste diplomatische Vertretung in Südamerika, unterstützte die Revolutionäre aus Pernambuco öffentlich.
Niederschlagung Der Monarch Johann VI. in Rio regierte auf die Revolte in Pernambuco mit der Entsendung von Truppen und einer Seeblockade von Recife, der Hauptstadt der Revolutionäre. Die Republikanische Armee setzte sich aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zusammen. 300 schwarze Männer wurden für das Regiment „Terço Velho dos Henriques“ rekrutiert, das eine Hommage an Henrique Dias darstellte.Gente de cor pobre e suas independências (Pernambuco, 1801-1840)" Im Laufe des Feldzugs gegen die Royalisten schlossen sich mehrere weitere Truppen an, und zum Zeitpunkt ihrer Niederlage bestand die Revolutionsarmee überwiegend aus Bauern, Zuckerrohrmühlenarbeitern, Indianern aus Alagoas und einer Kompanie von Pardo aus Penedo.
Der bunt zusammengewürfelte Haufen an revolutionären Truppen geriet nach intensiven Kämpfen schließlich ins Hintertreffen. Die Revolutionsarmee wurde am 15. Mai bei Merepe und Ipojuca besiegt. Martins’ Truppen versuchten sich zurückzuziehen, wurden jedoch in den Sümpfen von Porto de Galinhas aufgerieben, wodurch der Weg nach Pernambuco frei war. Recife war nun von Truppen des portugiesischen Monarchen zu Wasser und zu Lande eingekesselt. Die Revolution wurde kurz darauf niedergeschlagen und endete nach 74 Tagen am 20. Mai 1817, als die Rebellen kapitulieren mussten. Die Rebellenführer Domingos José Martins, José Luis de Mendonça, Domingos Teotônio Jorge sowie der katholischen Priester Miguelinho und Pedro de Sousa Tenório wurden hingerichtet. Die Leichen der Verurteilten wurden später verstümmelt, indem man ihnen Hände und Köpfe abtrennte. Andere an dem Aufstand beteiligte Personen wurden später begnadigt. So wurde Frei Caneca freigelassen und wurde einige Jahre später Anführer der Äquator-Konföderation, einem erneuten Versuch eine liberale Republik in Nordostbrasilien zu etablieren.
Einzelnachweise
Kategorie:Konflikt 1817 Kategorie:Geschichte Brasiliens (19. Jahrhundert) Kategorie:Revolution (19. Jahrhundert) Kategorie:Politischer Konflikt Kategorie:Paraíba Kategorie:Ceará Kategorie:Pernambuco