mini|Stadsarchief Amsterdam Logo Das Stadsarchief Amsterdam (deutsch: Stadtarchiv Amsterdam, früher Gemeentearchief Amsterdam) ist das historische Dokumentationszentrum der Stadt Amsterdam. Es verwahrt Dokumente zur Geschichte Amsterdams und stellt der Öffentlichkeit Informationen über die Stadt bereit. Mit einem Bestand von rund 49 Regalkilometern gilt es als das größte kommunale Archiv der Welt. Seit 2007 ist es im denkmalgeschützten Gebäude De Bazel an der Vijzelstraat 32 untergebracht. Das Stadsarchief Amsterdam ist für alle Interessierten zugänglich und richtet sich an Besucher, die zur Geschichte der Stadt, ihrer Bewohner, Stadtteile, Gebäude, Familien, Unternehmen oder Institutionen forschen möchten. Das Archiv erwirbt, bewahrt und macht Bestände und Sammlungen digital zugänglich und präsentiert sie im Informationszentrum, im Lesesaal sowie über die Website. Es finden Wechselausstellungen statt; hinzu kommen eine Dauerausstellung in der Schatzkammer Amsterdams, ein Filmprogramm und Führungen durch das monumentale Gebäude De Bazel an der Vijzelstraat 32.

Geschichte Im Mittelalter wurden die wichtigsten Dokumente Amsterdams in einem besonderen Schrank aufbewahrt, der sich in der sogenannten Eisernen Kapelle (niederl. IJzeren Kapel) der Oude Kerk befand.

Gründung des Gemeentearchiefs (1848) Im Jahr 1848 wurde Pieter Scheltema zum ersten Gemeindearchivar Amsterdams ernannt und das Gemeentearchiv gegründet. In den folgenden Jahrzehnten weitete sich die Zuständigkeit des Archivars schrittweise aus. So wurde er beispielsweise auch für die Verwaltung von Dokumenten verantwortlich, die vor 1812 entstanden waren. Aufgrund des wachsenden Bestands fehlte dem Amsterdamer Archiv zunehmend Platz, sodass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einzelne Bestände abgegeben wurden. So wurden Bücher, die sich nicht unmittelbar auf die Geschichte Amsterdams bezogen oder in Duplikaten vorhanden waren, der Stadtbibliothek und später der Universitätsbibliothek übergeben. Die letzte abgegebene Sammlung war die städtische Kollektion historischer Münzen und Notmünzen, die im Jahr 1909 an das Stedelijk Museum übergeben wurde.

Standort Waag auf dem Nieuwmarkt (1888–1914) mini|Stadsarchief Amsterdam, Nieuwmarkt – De Waag, ca. 1915 Am 21. März 1888 wurde beschlossen, die ehemalige St.-Anthonis-Waage auf dem Nieuwmarkt – auch als De Waag bekannt – zum Sitz des Oudarchief der gemeente (Altes Gemeindearchiv) zu bestimmen. Von 1888 bis 1914 war das Gemeentearchiv in der Waag auf dem Nieuwmarkt untergebracht. Im Jahr 1900 war eine Renovierung erforderlich, um die übernommenen Archive des Krankenhauses und der Waisenhäuser unterbringen zu können. Als im Jahr 1901 die Archive des Hoofd Provoost des Aalmoesseniers-Waisenhauses übergeben wurden, war das Archivdepot vollständig ausgelastet. Am 28. April 1909 nahm der Stadtrat von Amsterdam den Vorschlag an, das ehemalige Rathaus von Nieuwer-Amstel am Amsteldijk als neues Archivgebäude zu nutzen. Der Bau des neuen Archivdepots und die Renovierung des Rathauses waren 1912 abgeschlossen. Der Umzug der Bestände dauerte bis August 1914.

Standort Amsteldijk (1914–2007) Von 1914 bis 2007 war das Archiv im ehemaligen Rathaus von Nieuwer-Amstel am Amsteldijk 67 untergebracht. Das durch den Umzug gewonnene zusätzliche Platzangebot war bereits 1915 durch die Eingliederung der Notariatsarchive weitgehend aufgefüllt. Das Inkrafttreten des Archivgesetzes von 1918 am 16. September 1919 hatte weitreichende Folgen für das Stadtarchiv: Die Verwaltung wurde dem Gemeindearchivar übertragen, der damit zum Leiter einer eigenständigen städtischen Dienststelle wurde. In der Ratssitzung vom 5. November 1919 wurde der Amsterdamer Gemeindearchivar neu bestätigt und eine neue Archivordnung erlassen. Das neue Gebäude des Amsterdamer Stadtarchivs litt von Beginn an unter Platzmangel. Am 26. September 1926 nahm der Stadtrat einen Erweiterungsplan an. Als jedoch der Gemeindearchivar Joh. C. Breen Anfang 1927 unerwartet starb, wurde beschlossen, den Plan bis zur Ernennung eines neuen Archivars zurückzustellen. Sein Nachfolger A. le Cosquino de Bussy lehnte den Plan ab. Im Laufe der 1930er Jahre zeigten sich Schäden durch die übermäßige Belastung beider Archivgebäude. Auch der Brandschutz des Gebäudes am Herenmarkt erfüllte nicht die Mindestanforderungen. Am 16. Februar 1938 genehmigte der Stadtrat einen neuen Erweiterungsplan, der diesmal auch die beiden angrenzenden Schulen einschloss.

Als der neue Gemeindearchivar W. F. H. Oldewelt 1950 sein Amt antrat, waren die Stadtarchivbestände auf vier Standorte verteilt: Dokumente bis 1827 befanden sich im alten Archiv an der Amsteldijk 67; Dokumente von 1827 bis 1928 lagen in einem neuen Archiv, aufgeteilt auf ein Gebäude am Herenmarkt 10–12 und die Centrale Markthallen; Bestände von 1928 bis 1946 lagerten in der Bank van Lening am Oudezijds Voorburgwal 300. Oldewelt zog den Provinzinspektor für Nordholland hinzu, der nach einem Besuch dieser Standorte im Dezember 1950 einen Bericht verfasste, der vor dem schlechten Zustand der Amsterdamer Archive warnte.

Umzug in das Gebäude De Bazel und Umbenennung (2007) Im Jahr 2007 zog das Gemeentearchief in das Gebäude De Bazel an der Vijzelstraat 32 um. Es handelte sich um den größten Umzug in der Geschichte Amsterdams: 40 laufende Kilometer Archivmaterial wurden verlegt. Nach dem Umzug erhielt das Archiv den neuen Namen Stadsarchief Amsterdam. Seit dem 7. August 2007 ist es für die Öffentlichkeit geöffnet. Die offizielle Eröffnung fand am 12. September 2007 durch Königin Beatrix statt.

De Bazel mini|De Bazel, 1919 bis 1926 errichtetes, ehemaliges Bürogebäude der Nederlandsche Handel-Maatschappij (NHM) Das Gebäude ist das bedeutendste Werk des niederländischen Architekten Karel de Bazel und wurde von 1919 bis 1926 als Hauptsitz der Nederlandsche Handel-Maatschappij (NHM) erbaut. Der Architekt starb 1923, drei Jahre vor der Fertigstellung. Der Bau wurde von seinem Büroleiter C. van de Linde gemeinsam mit dem Konstrukteur Adolf Leonard van Gendt fortgeführt. Die Skulpturen an der Außenfassade stammen von Joseph Mendes da Costa, Lambertus Zijl und Hendrik A. van den Eijnde. Die Glasfenster wurden von Joep Nicolas nach Entwürfen von Antoon Derkinderen ausgeführt. Das Gebäude trug zunächst den Spitznamen De Spekkoek (nach der niederländisch-indonesischen Süßspeise Spekkoek), wird heute jedoch nach seinem Architekten benannt. Das Bauwerk erinnert an die Geschichte der NHM. De Bazel diente zunächst als Hauptsitz der NHM, anschließend der Algemene Bank Nederland und schließlich der niederländischen Bank ABN AMRO.

Im März 1991 wurde das Gebäude De Bazel offiziell unter Denkmalschutz gestellt. Der Umbau für die Nutzung als Stadtarchiv erfolgte 2004 bis 2007 durch das Architekturbüro Claus en Kaan Architecten. Das Gebäude erstreckt sich an der Westseite der Vijzelstraat zwischen der Herengracht und der Keizersgracht und verfügt über zehn Stockwerke, von denen drei unterirdisch liegen. Es gilt als Beispiel des niederländischen Backsteinexpressionismus.

Bestände und Sammlungen mini|Karte von Amsterdam mit einem Plan für eine Stadterweiterung, die nie umgesetzt wurde Das Stadsarchief Amsterdam ist das historische Dokumentationszentrum der Stadt Amsterdam mit 50 Regalkilometern Archivmaterial, einer historisch-topografischen Sammlung mit Millionen von Karten, Zeichnungen und Drucken, einer Bibliothek sowie umfangreichen Ton-, Film- und Fotoarchiven. Neben dem Archiv der Gemeinde selbst werden zahlreiche weitere Archive verwahrt, darunter solche verschiedener Kirchen und Krankenhäuser sowie von Vereinen und Unternehmen in Amsterdam.

In der Schatzkammer (Schatkamer) des Archivs sind mehr als 300 bedeutende Einzelstücke zu besichtigen, darunter das Zollprivileg (tolprivilege) Amsterdams. Ein Großteil des Archivmaterials ist digitalisiert. Mehr als 440.000 Fotografien und Zeichnungen mit Bezug zu Amsterdam sind online über die Beeldbank Amsterdam zugänglich. Das Archiv betreut zudem die Bestände der Gemeinden Amstelveen, Ouder-Amstel und Diemen.

Digitalisierung Im Rahmen des Projekts „Alle Amsterdamse Akten“ beteiligt sich das Stadsarchief Amsterdam seit 2016 gemeinsam mit verschiedenen Freiwilligen an der Digitalisierung und Erschließung aller notariellen Akten, die seit 1578 bei Amsterdamer Notaren beurkundet wurden.

Alle Amsterdamse Akten ist ein Crowdsourcing-Projekt des Stadsarchief Amsterdam, das auf der niederländischen Plattform VeleHanden (Viele Hände) betrieben wird. Im Archiv der Amsterdamer Notare (1578–1915) lagern Millionen weitgehend unerschlossener Akten, die Informationen über die Amsterdamer Bevölkerung und ihre internationalen Netzwerke enthalten. Diese Netzwerke umfassten unter anderem Handel, Schifffahrt, Sklaverei, Erbschaften, Vollmachten und Wechselproteste, aber auch Augenzeugenberichte über Seenotlagen, Nachbarschaftsstreitigkeiten oder Schlägereien in Herbergen und illegalen Spielhäusern. Ziel des Projekts ist die systematische Indexierung dieses Bestands nach Datum, Aktentyp, Personennamen und geografischen Orten.

Die Akten sind nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt. Einsteiger ohne Erfahrung mit alter Schrift beginnen mit Stufe 1, Teilnehmer mit paläografischen Grundkenntnissen können Stufe 3 wählen. Stufe 5 ist Experten vorbehalten. Alternativ können die Teilnehmer auch gezielt nach einzelnen Notaren suchen, da sich die Handschriften stark unterscheiden. Einige Notare waren auf Familiensachen spezialisiert, andere hatten vorwiegend Kaufleute oder Seeleute als Klientel.

Die Qualitätssicherung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird jede eingegebene Akte von einer zweiten Person kontrolliert. Bei Bedarf wird sie anschließend von einem Experten für den jeweiligen Inhalt nachbearbeitet. Als Anreiz erhalten die Teilnehmer zwei Punkte für jede eingegebene Akte und zwei weitere Punkte, wenn die Akte erfolgreich kontrolliert wurde. Diese können für Veranstaltungen und Ausstellungen im Stadsarchief Amsterdam eingelöst werden. Die geprüften Daten fließen außerdem laufend in die öffentlich zugängliche Datenbank des Stadsarchivs Amsterdam ein.

Stand Mai 2026 wurden 193 von 516 Notaren (37,4 %) bearbeitet. Es wurden über 1,2 Millionen Akten eingegeben, von denen wiederum rund 83,8 % kontrolliert wurden. Es nahmen bis dahin 1.861 Personen teil. Das Projekt ist thematisch breit aufgestellt und wird von Forschern zur Amsterdamer Handelsgeschichte, Diplomatiegeschichte, Sklaverei und Genealogie genutzt.

Außendepot Amsterdam-Noord Da das Archivdepot im Gebäude De Bazel aus allen Nähten platzte, wurde 2019 ein neues Depot namens „Vasumweg“ in Amsterdam-Noord gebaut. Es bietet Platz für 45 Kilometer Archivmaterial.

Literatur

Pieter Scheltema: Inventaris van het Oud Archief der Stad Amsterdam. Amsterdam 1866. W. F. H. Oldewelt: Kohier van de personele quotisatie te Amsterdam over het jaar 1742. Gemeentearchief Amsterdam, Amsterdam 1945. Claus en Kaan Architecten (Hrsg.): De Bazel. Restauratie en verbouwing voor het Stadsarchief Amsterdam. Amsterdam 2007.

Weblinks

Website des Stadsarchief Amsterdam

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Einzelnachweise

Kategorie:Stadtarchiv Kategorie:Kulturelle Organisation (Amsterdam) Kategorie:Gegründet 1848