Stephen Porter (* 1970), auch Steve Porter, ist ein kanadischer Psychologe und ehemaliger Hochschullehrer. Er war Professor an der University of British Columbia Okanagan und im Bereich der forensischen Psychologie tätig.

Leben

Stephen Porter erwarb einen Ph.D. in forensischer Psychologie an der University of British Columbia (UBC). Er arbeitete zunächst als Gefängnispsychologe und war danach etwa zehn Jahre lang als Hochschullehrer an der Dalhousie University in Halifax (Nova Scotia) tätig. 2009 kehrte er an seine Alma Mater zurück und wurde am Standort UBC Okanagan in Kelowna Professor für Psychologie und Leiter des Centre for the Advancement of Psychological Science & Law (CAPSL).

2017 sanktionierte ihn das Aufsichtsgremium College of Psychologists of British Columbia wegen sexueller Übergriffe gegen zwei Studentinnen und untersagte ihm die Betreuung von Studierenden, Forschern und Freiwilligen. Im Januar 2018 trat er von seiner Lehrtätigkeit zurück. Der Fall wurde in nationalen Leitmedien behandelt. Die UBC wurde dabei von mehreren Seiten wegen mangelnder Transparenz und des Umgangs mit den Geschädigten kritisiert.

Ende September 2020 war Porter nicht mehr bei der Universität beschäftigt.

Wirken

Porter war bis zum Abbruch seiner Karriere ein weltweit anerkannter Experte in forensischer Psychologie. Zu seinen Arbeitsgebieten zählten Psychopathie und Gewalttätigkeit, die Erkennung von Täuschungen und Lügen sowie forensische Aspekte des Erinnerungsvermögens. Er war Interviewpartner für Medien in Kanada und im Ausland und diente als Berater von Ermittlungsbehörden, denen er bei der Klärung von Kriminalfällen sowie als Ausbilder für Polizisten behilflich war.

Während seiner Tätigkeit an der UBC Okanagan erhielt Porter mehrere Auszeichnungen. 2013 wurde er „Forscher des Jahres“ der UBC Okanagan. 2015 verlieh ihm die Canadian Psychological Association (CPA) ihren Preis für außergewöhnliche Beiträge zu Bildung und Lehre (distinguished contributions to education and training) für „Exzellenz in der Lehre auf Undergraduate- und Graduate-Ebene“.

2015 erregte eine Studie öffentliche Aufmerksamkeit, die Porter mit Julia Shaw in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlicht hatte und in der Porter und Shaw beanspruchten, in 70 Prozent der Teilnehmer einer Testreihe Erinnerungsverfälschungen (False memories) dahingehend hervorgerufen zu haben, dass die Probanden sich fälschlich daran zu erinnern glaubten, als Teenager ein Verbrechen begangen zu haben. Die Resultate wurden von der Fachwelt kritisch aufgenommen; insbesondere wurde Porter und Shaw vorgeworfen, eine andere als die in der Psychologie übliche und akzeptierte Definition der Erinnerungsverfälschung bei der Auswertung ihrer Daten verwendet zu haben.

Publikationen

Porter ist Haupt- oder Mitautor zahlreicher Fachartikel. Die Literatur- und Zitationsdatenbank Google Scholar schreibt ihm einen h-Index von 54 zu. Mit seinem Fachkollegen Lawrence Wrightsman von der University of Kansas verfasste er zwei Auflagen des Lehrbuchs Forensic Psychology.

Fachartikel (Auswahl)

Bücher (mit Lawrence S. Wrightsman:) Forensic Psychology. 1st Canadian Edition, Nelson, Toronto 2006, ISBN 0-17-641442-8 (englisch, archive.org). 2nd Canadian Edition, Nelson, Toronto 2014, ISBN 978-0-17-650936-1 (englisch, archive.org).

Einzelnachweise

Kategorie:Hochschullehrer (University of British Columbia) Kategorie:Hochschullehrer (Dalhousie University) Kategorie:Rechtspsychologe Kategorie:Psychologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Psychologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Kanadier Kategorie:Geboren 1970 Kategorie:Mann