Luis Rosales Camacho (* 31. Mai 1910 in Granada; † 24. Oktober 1992 in Madrid) war ein spanischer Dichter, Essayist und Schriftsteller, der aufgrund seines Veröffentlichungsbeginns der Generation von 1936 zugeordnet wird, 1964 Mitglied der Real Academia Española wurde und neben zahlreichen anderen Literaturpreisen unter anderem 1982 den Cervantespreis erhielt, den bedeutendsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt und dort ähnlich angesehen wie international der Literaturnobelpreis.
Leben Luis Rosales Camacho absolvierte ein Studium der Rechts- und Literaturwissenschaften an der Universität Granada sowie ein Studium der Romanistik an der Universidad de Madrid. Dort veröffentlichte er seine ersten Gedichte in der Zeitschrift „Los cuatro vientos“ (1933). Zusammen mit anderen Dichtern seiner Generation, wie Luis Felipe Vivanco, Leopoldo Panero und José García Nieto mit dem er für die Falange-Zeitschrift „Jerarquía“ zusammenarbeitete, setzte er sich für eine Rückbesinnung auf klassische Formen ein. Sein erster Gedichtband, „Abril“ (1935), eine Sammlung von Liebesgedichten, zeugt vom Einfluss der Dichter des Goldenen Zeitalters (Siglo de Oro).
Unmittelbar nach dem Krieg war Rosales Sekretär der von Dionisio Ridruejo herausgegebenen Zeitschrift „Escorial“. In diesen Jahren entwickelte sich seine Poetik hin zu einem barocken Sprachstil, der surrealistische und symbolistische Elemente aufgriff und einem religiösen Thema angepasst war („Retablo sacro del Nacimiento del Señor“, 1940). Obwohl Luis Rosales seine religiöse Dichtung nie gänzlich aufgab, befand sich sein Werk in einem ständigen Wandel – ein fruchtbares Vermächtnis, das an Kraft und Originalität gewann. 1949 veröffentlichte er sein wichtigstes Buch, „La casa encendida“ (Das brennende Haus), ein langes erzählendes und autobiografisches Gedicht, das in der Neuauflage von 1967 erweitert wurde. Der Dichter kommt nachts nach Hause und sieht, wie die verschiedenen Räume erleuchtet sind. Dies evoziert nacheinander Aspekte seines Gefühlslebens (Kindheit und Eltern, ein verstorbener Freund, seine Frau) und bildet eine – wenn auch minimalistische – Welt, die sowohl geschützt als auch in sich abgeschlossen ist. 1953 gewann er den Nationalen Poesiepreis (Premio Nacional de Poesía) für den 1951 erschienenen Gedichtband „Rimas“ (Reime). In beiden Werken ist eine neoromantische Herangehensweise erkennbar. Es sind Gedichte von vertraulicher, intimer Natur, deren Themen oft alltägliche Begebenheiten umfassen. Sie zeichnen sich jedoch durch rhythmische Neuerungen und ein ausgeprägtes Sprachbewusstsein aus: Das Metrum ist freier, die Sprache umgangssprachlicher. 1962 wurde er als Mitglied in die Königliche Spanische Akademie (Real Academia Española) aufgenommen.
In den 1970er Jahren wurde seine Weltsicht negativer. In dieser Zeit veröffentlichte Luis Rosales unter anderem die Bücher „Segundo abril“ (1972), „Canciones“ (1973) und „Diario de una resurrección“ (1979), ein Werk mit existentialistischem Inhalt, das Klassizismus und Avantgarde-Elemente vereint. Es folgten „Un rostro en cada ola“ (1982) und „Oigo el silencio universal del miedo“ (1984). Er hinterließ zudem ein umfangreiches Werk an literarischen Essays, darunter die Bücher „Cervantes y la libertad“ (1960, Cervantes und die Freiheit), ein grundlegendes Werk zur Erforschung des Denkens von Miguel de Cervantes, „El sentimiento del desengaño en la poesía barroca“ (1966, Das Gefühl der Desillusionierung in der Barockdichtung) und „Lírica española“ (1972, Spanische Lyrik), die besondere Erwähnung verdienen. 1982 wurde ihm der Cervantespreis verliehen, der bedeutendste Literaturpreis der spanischsprachigen Welt und dort ähnlich angesehen wie international der Literaturnobelpreis. Er war außerdem Mitglied der Hispanic Society of America.
Veröffentlichungen Abril, 1935 Retablo sacro del Nacimiento del Señor, 1940 La casa encendida, 1949 Rimas, 1951 Cervantes y la libertad, Essays, 1960 El sentimiento del desengaño en la poesía barroca, Essays, 1966 Lírica española, Essays, 1972 Segundo abril, 1972 Canciones, 1973 Diario de una resurrección, 1979 Un rostro en cada ola, 1982 Oigo el silencio universal del miedo, 1984 posthum Vamos a hacerlo todo de nuevo, Illustrationen César Olmos Pieri, 2013, ISBN 978-84-939649-6-2
Literatur Antonio Sánchez Zamarreño: La poesía de Luis Rosales (1935–1980), Ediciones Universidad de Salamanca, 1986, ISBN 978-8-47481-431-6 Félix Grande: La calumnia de como a Luis Rosales, por defender a Federico García Lorca, lo persiguieron hasta la muerte, Mondadori, Madrid 1987, ISBN 978-8-43971-197-1 María Carmen Díaz de Alda: Luis Rosales. Poesía y verdad, Eunsa, Ediciones Universidad de Navarra, Pamplona 1997, ISBN 978-8-43131-559-7 Gerardo Rosales: El silencio de los Rosales, Planeta, Barcelona 2002, ISBN 978-8-408-04252-5 Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Fremdsprachige Autoren, Band 1 (A–K), 4. Auflage, 2004, Sonderausgabe 2008, ISBN 978-3-520-84301-2 Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Fremdsprachige Autoren, Band 2 (L–Z), 4. Auflage, 2004, Sonderausgabe 2008, ISBN 978-3-520-84301-2 Rebecca Mahnkopf: Vergleichende Analyse und Interpretation der Gedichte „Recordando un temblor en el bosque de los muertos“ und „Siempre mañana y nunca mañanamos“ von Luis Rosales unter den Aspekten ‚muerte‘ und ‚vida‘, GRIN-Verlag München 2013, ISBN 978-3-656-38527-1 Luis Rosales Fouz: Desde que tus pasos me abren el camino un paseo por el Madrid de Luis Rosales, Visor Libros, Madrid 2019, ISBN 978-8-49895-535-4
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