Monica Montefalcone (* 27. Dezember 1974 in Mailand, Italien; † 14. Mai 2026 bei Alimathaa, Vaavu-Atoll, Malediven) war eine italienische Meeresbiologin und Professorin für Ökologie am Dipartimento di Scienze della Terra, dell’Ambiente e della Vita (DiSTAV) an der Universität Genua.
Leben und Forschung mini|Forschungstaucharbeiten in Posidonia oceanica-Feldern im Toskanischen Archipel Von 1993 bis 1999 erwarb Montefalcone einen Master-Abschluss cum laude in Biologie mit Spezialisierung Ökologie an der Universität Mailand. 2007 folgte die Promotion am DiSTAV in Genua mit einer Arbeit zur ökologischen Kartografierung von Posidonia oceanica im Ligurischen Meer.Montefalcone, M.: Cartography and ecological indices to evaluate marine coastal environment: application on Posidonia oceanica seagrass meadows in the Ligurian Sea. Genua, 2007. Sie galt als eine der führenden Expertinnen für Posidonia-Ökosysteme im Mittelmeer. Im Rahmen des Projekts „Foresta Blau“ restaurierte Montefalcone ab 2023 mit einem Team der International School of Scientific Diving erfolgreich Posidonia-Seegraswiesen im Naturschutzgebiet Isola di Bergeggi. Dabei wurden 300 m² Neptungräser zwischen Bergeggi (dem Schauplatz der ersten Bepflanzung vor einem Jahr) und der Insel Elba wiederaufgeforstet, ein Bojenfeld wurde installiert, und fünf Seegraswiesen in der Adria vor der apulischen Küste bei Monopoli, Torre Guaceto und Savelletri werden überwacht.
Ab 2014 erwarb sie die ASN-Habilitation (Abilitazione Scientifica Nazionale) Stufe 2 für Ökologie und hielt unter anderem Vorlesungen in „Seascape Ecology“, „Marine Biodiversity Management“, „Tropical Marine Ecology“ und „Underwater Science“. Bis 2018 arbeitete sie als Postdoc am DiSTAV, danach als angestellte Forscherin und ab 2024 als Außerordentliche Professorin.
Ihre Forschungsinteressen waren marine Ökosysteme, insbesondere die Küstenmeeresökologie, die Meeresökologie tropischer Gewässer, die Untersuchung und Überwachung benthischer Lebensräume, die Auswirkungen des Klimawandels, die Naturschutzökologie, anthropogene Einflüsse auf die Küstenumwelt, die Ökologie von Seegraswiesen, Felsriffen, Korallenriffen und Meereshöhlen, die Ökologie invasiver Arten, die Analyse historischer Daten. Sie wendete dazu zerstörungsfreie Unterwasseruntersuchungen an, entwickelte ökologische Indizes und entwarf Vorhersagemodelle.
Montefalcone war Präsidentin des Benthos-Fachausschusses für Meeresbodenforschung der Società Italiana di Biologia Marina (SIBM), Mitglied der Artenschutzkommission der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) und engagierte sich in Programmen der Vereinten Nationen zum Zustand mariner Ökosysteme.
Monica Montefalcone war wissenschaftliche Leiterin eines ökologischen Monitoringprojektes auf den Malediven. Seit 2017 war sie zertifizierte Forschungstaucherin (Advanced European Scientific Diver in Biology and Ecology des European Scientific Diving Panel).
Als TV-Expertin war sie in mehreren Folgen der Natursendung Geo des Senders Rai 3 zu sehen. Eine von ihr geleitete Tauchexpedition zur Erhebung von Daten im Faanu Mudugau Blue Hole des Ari-Atolls der Malediven im Jahr 2022 wurde in einer Folge der Reihe begleitet.
Tod Am 14. Mai 2026 kam Montefalcone im Alter von 51 Jahren bei einem Tauchunfall in der Alimathaa-Höhle (Thinwana Kandu) des Vaavu-Atolls auf den Malediven ums Leben. Bei dem Unfall starben auch ihre 23-jährige Tochter Giorgia Sommacal, ein Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin ihres Instituts in Genua und ein Tauchlehrer. Beim Versuch der Bergung der Leichen verunglückte ein Rettungstaucher des Militärs der Malediven tödlich. Die Leiche des Tauchlehrers wurde bereits am 15. Mai am Eingang der Höhle in ca. 47 Metern Tiefe entdeckt und geborgen. Die verbleibenden vier wurden am 19. und 20. Mai durch finnische Spezialisten aus einer tiefer liegenden Kammer des Höhlensystems in etwa 60 Metern Tiefe geborgen. Nach der Bergung äußerte die Leiterin des Divers Alert Network die Vermutung, die Gruppe habe sich innerhalb der Höhle in die Sackgasse verirrt, in der vier Leichen entdeckt wurden, da die Sicht auf den Ausgangstunnel durch eine Sandbank verdeckt gewesen sei. Mit der verwendeten, unzureichenden Ausrüstung habe die Gruppe nur etwa 10 Minuten Zeit in der Tiefe gehabt. Geborgene GoPro-Kameras könnten Aufschluss über Ursache und Ablauf des Unfalls geben.
Der italienische Organisator gab an, keine Kenntnis von einem Tauchgang gehabt zu haben, der über die auf den Malediven erlaubte Tiefe von 30 Metern für Sporttauchen hinaus gehen sollte, und keine Genehmigung für einen solchen Tauchgang eingeholt oder erteilt zu haben. Laut Auskunft der maledivischen Regierung verfügten Montefalcone und zwei weitere Forscher über eine Genehmigung für einen Forschungstauchgang, jedoch war nicht bekannt, dass es sich um einen Höhlentauchgang handeln sollte. Die Untersuchungen der drei Forscher erfolgten in einer Tiefe von 65 bis 80 Metern, die Gruppe wurde in einer Tiefe von 82 Metern geborgen.
Gedenken Die Trauerfeier für Monica Montefalcone und ihre Tochter am 30. Mai 2026 wurde in Pegli von Erzbischof Marco Tasca geleitet und von rund 2000 Menschen besucht, darunter der stellvertretende Bürgermeister Genuas, Vertreter des Stadtrates und der Rektor der Universität. Studenten der Universität ehrten Montefalcone mit einem Unterwasser-Gebet an der Statue Cristo degli abissi in 15 Meter Tiefe. Die italienische Forschungseinrichtung INGV eröffnete ihren Welttag der Ozeane am 8. Juni 2026 mit einer Gedenkveranstaltung für Montefalcone. Die Persaud Foundation nahm sie in ihre Marine Hall of Distinction auf.
Auszeichnungen 2026 Tridente d’Oro (Goldener Dreizack) der Accademia Internazionale di Scienze e Tecniche Subacquee 2022 Premio Atlantide (Atlantik-Preis) für Beiträge zum Verständnis mariner Ökosysteme und Engagement für den Meeresschutz
Publikationen (Auswahl) Die Literatur- und Zitationsdatenbank Web of Science weist Monica Montefalcone als Autorin oder Mitautorin von über 140 wissenschaftlichen Fachartikeln mit einem h-Index von 45 und über 3000 Zitationen aus.
mit Giancarlo Albertelli, Carlo Nike Bianchi, Mauro Mariani und Carla Morri: A new synthetic index and a protocol for monitoring the status of Posidonia oceanica meadows: a case study at Sanremo (Ligurian Sea, NW Mediterranean). In: Aquatic Conservation: Marine and Freshwater Ecosystems. Band 16, Nr. 1, 2006, S. 29–42, . mit Mariachiara Chiantore, Alessio Lanzone, Carla Morri, Giancarlo Albertelli und Carlo Nike Bianchi: BACI design reveals the decline of the seagrass Posidonia oceanica induced by anchoring. In: Marine Pollution Bulletin. Band 56, Nr. 9, 2008, S. 1637–1645, . Ecosystem health assessment using the Mediterranean seagrass Posidonia oceanica: A review. In: Ecological Indicators. Band 9, Nr. 4, 2009, S. 595–604, . mit Giancarlo Albertelli, Carla Morri, Valeriano Parravicini und Carlo Nike Bianchi: Legal protection is not enough: Posidonia oceanica meadows in marine protected areas are not healthier than those in unprotected areas of the northwest Mediterranean Sea. In: Marine Pollution Bulletin. Band 58, Nr. 4, 2009, S. 515–519, . mit Valeriano Parravicini, Matteo Vacchi, Giancarlo Albertelli, Marco Ferrari, Carla Morri und Carlo Nike Bianchi: Human influence on seagrass habitat fragmentation in NW Mediterranean Sea. In: Estuarine, Coastal and Shelf Science. Band 86, Nr. 2, 2010, S. 292–298, . mit Giancarlo Albertelli, Carla Morri und Carlo Nike Bianchi: Patterns of wide-scale substitution within meadows of the seagrass Posidonia oceanica in NW Mediterranean Sea: invaders are stronger than natives. In: Aquatic Conservation: Marine and Freshwater Ecosystems. Band 20, Nr. 5, 2010, S. 507–515, . mit Carlo Nike Bianchi, Carla Morri, Mariachiara Chiantore, Valeriano Parravicini und Alessio Rovere: Mediterranean Sea biodiversity between the legacy from the past and a future of change. In: Noga Stambler (Hrsg.): Life in the Mediterranean Sea: A Look at Habitat Changes. Nova Science Publishers, New York 2012, S. 1–56. mit Paolo Vassallo, Chiara Paoli, Alessio Rovere, Carla Morri und Carlo Nike Bianchi: The value of the seagrass Posidonia oceanica: A natural capital assessment. In: Marine Pollution Bulletin. Band 75, Nr. 1–2, 2013, S. 157–167, . mit Paolo Vassallo, Giulia Gatti, Valeriano Parravicini, Chiara Paoli, Carla Morri und Carlo Nike Bianchi: The exergy of a phase shift: Ecosystem functioning loss in seagrass meadows of the Mediterranean Sea. In: Estuarine, Coastal and Shelf Science. Band 156, 2015, S. 186–194, . mit Matteo Vacchi, Giovanni De Falco, Simone Simeone, Carla Morri, Marco Ferrari und Carlo Nike Bianchi: Biogeomorphology of the Mediterranean Posidonia oceanica seagrass meadows. In: Earth Surface Processes and Landforms. Band 42, Nr. 1, 2017, S. 42–54, . mit Carmen B. de los Santos, Dorte Krause-Jensen, Teresa Alcoverro, Núria Marbà, Carlos M. Duarte u. a.: Recent trend reversal for declining European seagrass meadows. In: Nature Communications. Band 10, 2019, Artikel 3356, . mit Leonardo Tunesi und Atef Ouerghi: A review of the classification systems for marine benthic habitats and the new updated Barcelona Convention classification for the Mediterranean. In: Marine Environmental Research. Band 169, 2021, Artikel 105387, . Challenges in Restoring Mediterranean Seagrass Ecosystems in the Anthropocene. In: Environments. Band 11, Nr. 5, 2024, Artikel 86, . mit Carla Morri und Carlo Nike Bianchi: Scientists’ warning on sustainability: the ecologist point of view, with examples from marine ecosystems. In: Discover Sustainability. Band 6, 2025, Artikel 279, . mit Carlo Nike Bianchi, Carla Morri, Hassan Ahmed und Irene Pancrazi: Outcomes of the fourth global coral bleaching (2023–2024) in the Maldives. In: Coral Reefs. 2026, .
Weblinks
Lebenslauf bei Zoologische Station Neapel
Einzelnachweise
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