Alice Horodisch-Garnmann (* 31. Oktober 1905 in Berlin; † 12. Dezember 1984 in Amstelveen) war eine deutsch-niederländische jüdische Illustratorin, Malerin und Grafikdesignerin.

Werdegang Alice Garnmann wurde als Tochter von Nathan und Sarchen Garnmann in Berlin geboren. Sie studierte an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin Kunst und Kunstgeschichte und gehörte zu den Schülerinnen von Oskar Hermann Werner Hadank. Im Jahr 1930 lernte sie den aus einer begüterten jüdischen Familie stammenden verheirateten Verleger, Buchhändler und Publizisten Abraham Horodisch kennen. Sie veröffentlichte Zeichnungen in Blättern wie Ulk und Der Querschnitt und gestaltete mehrere Ausgaben für den Verlag Horodisch & Marx.

Vor dem wachsenden Antisemitismus nach der Machtergreifung und den zunehmenden Repressalien gegen jüdische Bürger flohen Abraham Horodisch und Alice Garnmann im Juni 1933 gemeinsam in die Niederlande. Im Februar 1934 heiratete das Paar und Abraham Horodisch eröffnete Anfang 1934 in Amsterdam das „Erasmus Antiquariaat en Boekhandel“. Alice Horodisch-Garnmann übernahm Aufträge als Illustratorin und Designerin und trug so zum Lebensunterhalt bei. Nach dem Überfall auf die Niederlande durch die Wehrmacht 1940 und die folgende Besatzung wurde das Leben für jüdische Menschen durch die systematische Ausgrenzung zunehmend erschwert. Anfang 1941 mussten Alice Horodisch-Garnmann und ihr Mann sich als Juden registrieren lassen und ab 1942 den Judenstern tragen. Im Juli 1942 flohen sie zu Fuß über die niederländisch-belgische Grenze und weiter in die Schweiz, wo sie bis zum Frühjahr 1943 im Internierungslager Sumiswald im Kanton Bern bleiben mussten. Bis zum Ende des Krieges kamen sie in einem Nonnenkloster in Fribourg unter.

Im Herbst 1945 kehrte Alice Horodisch-Garnmann mit ihrem Mann nach Amsterdam zurück, der mit französischen und englischen Büchern sein Antiquariat wieder öffnete und in den folgenden Jahren als Bibliothekslieferant, Buchhandlung und Antiquariat weiter ausbaute. Sie begleitete ihren Mann in den nächsten Jahren auf geschäftliche Reisen und zu ihren Schwiegereltern in die USA. Während der dreimonatigen Aufenthalte bereisten sie von New York aus mit dem Zug das Land und besuchten die Museen Nordamerikas und alle wichtigen Universitäten, von denen einige zu den Kunden von „Erasmus“ gehörten. In den Niederlanden war Alice Horodisch-Garnmann weiterhin als Grafikerin tätig. Ihren Namen Garnmann verkürzte sie zu „Garman“. Sie starb 1984 in Amstelveen.

Künstlerische Arbeit Alice Horodisch-Garnmann fertigte Pastell- und Federzeichnungen, Holzstiche, Aquarelle, Grafiken, Zeichnungen und Miniaturen. Neben zahlreichen grafischen Entwürfen gestaltete sie auch Briefmarken und Exlibris, Menü-, Neujahrs- und Weihnachtskarten sowie Schutzumschläge für Bücher. 1935 entwarf sie den Schriftzug für den Namen „Erasmus“, der noch heute vom Unternehmen genutzt wird. Ab 1943 schuf sie Miniaturbücher, die aus einigen Dutzend ihrer Zeichnungen bestanden, die sie zu einem Buch zusammenfügte und ihrem Mann jeweils zum Geburtstag schenkte. 1963 entwarf sie mit den „Kinderbriefmarken“ eine Briefmarkenreihe.

Ein von Alice Garnmann ausgestattetes Buch wurde unter die fünfzig schönsten Bücher gewählt, die 1931 in Deutschland erschienen waren. 1950 wurde sie mit dem Preis des Nederlandsche Exlibris-Kring (NEK) und mit dem G.J.Thieme-Preis ausgezeichnet.

Illustrierte Werke (Auswahl): Anton Koolhaas: Een seizoen toneel. A.W. Sijthoff, Leiden 1947 Daniel Giltay Veth: Reise. Originaleinband, handkolorierte Zeichnungen von Alice Horodisch-Garman, nummerierte Auflage (75 Exemplare), Amsterdam 1948 Alice Horodisch-Garman: Bibliophantasia. Hartung, Hamburg 1951 Alice Horodisch-Garman: Book plates in pen and ink: 21 ex libris and a monogram for a bibliographer's library. Aldus Book Company, New York 1954 Abraham Horodisch: Die Legende vom einfachen Rabbi Elia. Wereldbibliotheek, Amsterdam 1960 Katalog: Moderne Miniaturkunst von Alice Horodisch-Garman. Museum Meermanno-Westreenianum / Museum des Buches, Den Haag 1967

Ausstellungen (Auswahl) 1935: reclame-kunst. Stedelijk Museum, Amsterdam 1967: Museum Meermanno-Westreenianum / Museum des Buches, Den Haag

Literatur

Sytze van der Veen: 75 Jahre Erasmus Boekhandel Amsterdam-Paris. Erasmus, Amsterdam 2009, ISBN 978-94-90234-03-4

Weblinks Alice Horodisch. In: Biografisch portaal van Nederland (Digitalisat)

Einzelnachweise Ute Römer: Garnmann, Alice. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL)

Sytze van der Veen: 75 Jahre Erasmus Boekhandel Amsterdam-Paris. Erasmus, Amsterdam 2009, S. 7

Sytze van der Veen: 75 Jahre Erasmus Boekhandel Amsterdam-Paris. Erasmus, Amsterdam 2009, S. 13–18

Sytze van der Veen: 75 Jahre Erasmus Boekhandel Amsterdam-Paris. Erasmus, Amsterdam 2009, S. 20–25

Sytze van der Veen: 75 Jahre Erasmus Boekhandel Amsterdam-Paris. Erasmus, Amsterdam 2009, S. 27–32

Sytze van der Veen: 75 Jahre Erasmus Boekhandel Amsterdam-Paris. Erasmus, Amsterdam 2009, S. 37–39

Broschüre "De legende van Rabbi Elia den Eenvoudige" von Abraham Horodisch. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 17. Mai 2026

Alice Horodisch-Garman. Biografische Daten und Werke im Niederländischen Institut für Kunstgeschichte (niederländisch)

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