Die Stephanuskirche ist eine evangelische Kirche in Steinbach, einem Dorf und Stadtteil der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Kirchengemeinde Sachsenweiler-Steinbach innerhalb der Gesamtkirchengemeinde Backnang gehört zum Kirchenbezirk Backnang in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das schlichte, rechteckige Gotteshaus entstand im Heimatschutz-Stil von 1934 bis 1936 nach Plänen des Backnanger Architekten Otto Nussbaum. Benannt ist die Kirche nach dem Erzmärtyrer Stephanus.

Geschichte Steinbach war jahrhundertelang ein relativ kleines, von der Landwirtschaft geprägtes Dorf. Erst durch die Industrialisierung und den Bau der Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental nahm die Bevölkerung im 19. Jahrhundert stark zu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1905) hatte Steinbach fast 500 Einwohner; nach dem Ersten Weltkrieg (1919) waren es 553 und 1925 waren es schon 635. Etwa 85 % der Einwohner waren evangelischer Konfession. Daher entstanden erste Pläne für einen Kirchenbau in Steinbach, der wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage jedoch nicht realisiert werden konnte. 1925 wurde wegen fehlender Mittel sogar erwogen, die Friedhofskapelle in Backnang abzutragen und in Steinbach wiederaufzubauen. Bis 1933 war die Einwohnerzahl auf 817 gestiegen. Da sich die Wirtschaft zwischenzeitlich erholt hatte, wurden die Pläne zum Kirchenbau ab 1933 wiederaufgenommen. Die bürgerliche Gemeinde konnte 1933 ein größeres Grundstück für den Bau eines Schulhauses erwerben; am 3. November 1933 beschloss der Gemeinderat, einen Teil des Areals der evangelischen Kirchenpflege unentgeltlich zu überlassen.

Im Herbst 1934 begannen die ersten Bauarbeiten, am 14. Juli 1935 fand die Grundsteinlegung statt. Die Festpredigt hielt anstatt Landesbischof Theophil Wurm dessen offizieller Vertreter, der „Regionalbischof“ der Heilbronner Prälatur, Prälat Karl August Wilhelm Gauß (1869–1945), der wie Bischof Wurm der Bekennenden Kirche nahestand und ein Gegner des NS-Staates war. Erster Gemeindepfarrer wurde 1936 Karl Gutbrod, Mitbegründer der aus der „BK“ hervorgegangenen Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaften (KThA) und späterer Mitarbeiter im Oberkirchenrat und Direktor des Pfarrseminars der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Die neue Kirche trug zunächst keinen Namen; erst zu einem späteren Zeitpunkt wurde sie nach dem neutestamentlichen Stephanus benannt, der einer der Diakone der Urgemeinde zu Jerusalem war und als erster Christ wegen seines Glaubens gesteinigt wurde .

Renovierungen und Umbauten Nach der Fertigstellung der Petruskirche im benachbarten Sachsenweiler wurde Ende der 1960er Jahre beschlossen, dass auch die Stephanuskirche moderne Gemeinderäume erhalten sollte. In das Untergeschoss wurden eine Küche und weitere Versammlungsräume eingebaut. Ein Großteil der Arbeiten wurde von Gemeindemitgliedern ehrenamtlich und an Wochenenden durchgeführt.

1986 wurde die Fassade der Kirche renoviert und der Garten neu gestaltet. 1986 wurde auch der Turmhahn demontiert, restauriert und neu mit Blattgold überzogen. 1998 wurden weitere Umbauten durchgeführt und die Gemeinderäume modernisiert.

Architektur und Ausstattung Die Stephanuskirche ist eine einfache Saalkirche mit Satteldach und einem angebauten Glockenturm, die sich fast unauffällig in das Dorf- und Landschaftsbild einfügt.

Am 11. Februar 1936 genehmigte der Kirchengemeinderat den Kauf eines Freskos des Stuttgarter Kunstmalers Walter Kohler (1903–1945). Das Gemälde zeigt die Auferstehung Jesu Christi und nimmt mit seiner achteckigen Form die christliche Zahlensymbolik vom achten (neuen) Wochentag als Tag der Neuschöpfung und Taufe auf. Darunter das Kruzifix entstand ebenfalls 1936 in der Werkstatt des Bildhauers Helmuth Uhrig (1906–1979).Abbildungen der Kunstwerke siehe Kunstdienst der evangelischen Kirche bei Martin Kautzsch: Württembergische Kleinkirchen. In: Kunst und Kirche. Berlin 1938, Heft 3. Die im Zusammenhang gesehene Einheit der beiden Kunstwerke, geschaffen von zwei eng befreundeten Künstlern, bringt „das Wesentliche des christlichen Glaubens zum Ausdruck: Über dem Tod am Kreuz von Golgatha erhebt sich der Sieger über den Tod.“Gerhard Ellwanger: Bildbeschreibung. In: Evangelische Kirchengemeinde Steinbach-Sachsenweiler (Hrsg.): 75 Jahre Stephanuskirche Steinbach. Backnang 2011, S. 24.

Pfarrer 1936–1937: Pfr. Karl Gutbrod 1937–1946: Pfr. Eberhard Jetter 1946–1952: Pfr. Karl Gilbert 1952–1960: Pfr. Friedrich Strauß (von 1952 bis 1955 als Parochialvikar) 1961–1962: Pfr. Christian Hoffmann 1963–1971: Pfr. Martin Streicher 1971–1979: Pfr. Konrad Schiller 1981–1983: Pfarrverweser Hubert Wolf 1984–2005: Pfr. Heinrich Kuttler 2006–2014: Pfr. Frank Wessel seit 2014: Pfr'in Ulrike Heinrich

Literatur Adolf Schahl: Die Kunstdenkmale des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 273. Evangelische Kirchengemeinde Steinbach-Sachsenweiler (Hrsg.): 75 Jahre Stephanuskirche Steinbach. Backnang 2011. Pfarrer Frank Wessel: 75 Jahre Stephanuskirche Steinbach. In: Backnanger Jahrbuch, Band 20, 2012, S. 271–272.

Einzelnachweise

Weblinks

Website der Kirchengemeinde Sachsenweiler-Steinbach

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