Als Präcox-Gefühl (engl. Praecox feeling) wird das subjektive Empfinden eines Untersuchers (nicht des Patienten) bei der Begegnung mit einem schizophrenen Erkrankten bezeichnet. Der Begriff präcox bezieht sich auf die heute veraltete (obsolete) Bezeichnung Dementia präcox von Eugen Bleuler für Schizophrenie. Er wurde im Jahre 1941 von H. C. Rümke geprägt. Er kann ungenau umschrieben werden mit dem Gefühl des Untersuchers, nicht mit der Person des Patienten als Ganzes in eine gefühlsmäßige Verbindung treten zu können.

Beschreibung Das Gefühl besteht einem intuitiven (spontanen, subjektiven) Empfinden des erfahrenen Untersuchers, das ihm anzeigt, ob es möglich ist, mit dem Patienten in eine empathische (einfühlende) Beziehung zu treten. Das Gefühl ist schlecht verbalisierbar (in Worte zu fassen). Es handelt sich um „Erfassung aus einer Beziehung“. Die Psychoanalyse benutzt für das Feststellen des subjektiven Empfindes beim Untersucher in der Kommunikation mit dem Patienten den Begriff der Gegenübertragung.

Das Erfassen des eigentümlichen Gefühles bei dem Untersucher (also nicht dem Patienten) bedarf klinischer Erfahrung (Erfahrung im Umgang mit Patienten).Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie. 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S. 458. Dies kann jedoch trainiert werden. Es ist keineswegs bei allen schizophrenen Patienten erfassbar, oft auch nicht dauerhaft im Verlauf der Erkrankung.Gerd Huber: Psychiatrie. 7. Auflage. Schattauer, Stuttgart New York 2005, ISBN 3-7945-2214-1, S. 266.

Die Diagnose einer schizophrenen Störung kann also nicht mit dem Präcox-Gefühl des Arztes begründet werden. Das Präcox-Gefühl des Untersuchers ersetzt in keiner Weise die operationalisierte Diagnostik (Diagnose nach festgelegten Symptomen, Zeit- und Verlaufskriterien wie in der ICD-11). Zwischen der subjektiven Einschätzung erfahrener Psychiater und operationalisierter Diagnostik zeigte sich in einer Untersuchung aber eine hohe Korrelation (Übereinstimmung).

Schlussfolgerung Das Präcox-Gefühl, hervorgerufen durch einen schizophrenen Patienten beim erfahrenen Psychiater während der Untersuchung, kann eine Hilfe bei der Diagnostik darstellen. Es kann den Weg zur heutigen operationalisierten Diagnostik bahnen. Diese ist jedoch nicht ersetzbar. Damit kann dann eine zügige Diagnosestellung und Behandlung erfolgen.

Siehe auch Parathymie

Einzelnachweise

Kategorie:Schizophrenie