Karl Philipp von Kauffmann (* 25. März 1766 in Stuttgart; † 26. September 1835 ebenda) war ein deutscher Diplomat und Archivar. Kauffmann war königlich württembergischer Gesandter im Königreich Preußen und in der Schweiz. Er war von 1817 bis 1835 Direktor des königlichen Staats- und Hausarchivs in Stuttgart.

Leben Familie Karl Philipp von Kauffmann entstammte der Familie von Kauffmann, ein württembergisches Briefadelsgeschlecht. Sein Vater Johann Friedrich von Kauffmann (* 31. Oktober 1736; † 1809), württembergischer Geheimrat und Hauptmann, erhielt bereits mit der Verleihung des Ritterkreuzes des württembergischen Zivilverdienstordens, den persönlichen Adel. Er wurde am 2. Januar 1807 in den erblichen Adelsstand der Königreiches Württemberg erhoben. Angehörige der Familie waren als Mitbesitzer des Rittergutes Matzenbach, mit dem Schloss Matzenbach bei Fichtenau im Oberamt Crailsheim, auch Mitglieder des württembergischen ritterschaftlichen Adels. Das Geschlecht erlosch Mitte des 19. Jahrhunderts (1846) im Mannesstamm.Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 15. Jahrgang, Friedrich Irrgang, Brünn 1890, Seite 237–239.

Johann Friedrich von Kauffmann heiratete am 25. Mai 1762 in StuttgartEv. Kirchenbuch Stuttgart/Stiftskirche, Eheregister 1762, S. 524. in erster Ehe Christiane Beate Juliane (* 17. August 1742 in Ludwigsburg; † 19. April 1767 in Stuttgart), eine geborene Becht, und Mutter von Karl Philipp. Sein älterer Bruder Friedrich Ludwig von Kauffmann (1765–1843) wurde württembergischer Oberamtmann.

Abweichend von Karl Philipp von Kauffmanns Geburtsort Stuttgart, der im Indexeintrag der Deutschen Biographie, in der Deutschen Digitalen Bibliothek, in der Datenbank Kalliope-Verbund und im Archivportal-DEintrag über Karl Philipp von Kauffmann in Archivportal-D sowie im Landeskundliches Online-Informationssystem für Baden-Württemberg / LEO-BWEintrag über Kauffmann, Karl Philipp von in LEO-BW erscheint, nennt der Neue Nekrolog der Deutschen213. Carl Philipp von Kauffmann. In: Friedrich August Schmidt (Hrsg.): Neuer Nekrolog der Deutschen. 13. Jahrgang, 2. Teil, Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1837, Seite 796–801. und die Kurzbiographie von Daniel Wilhelm: Kauf(f)mann, Carl Phillip von. in Nicole Bickhoff (Bearb.) Gestatten, Exzellenzen. Die württembergische Gesandtschaft in BerlinDaniel Wilhelm: Kauf(f)mann, Carl Phillip von. In: Nicole Bickhoff (Bearb.): Gestatten, Exzellenzen. Die württembergische Gesandtschaft in Berlin. Landesarchiv Baden-Württemberg / Kohlhammer, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-17-026342-0, Seite 68–69. Ludwigsburg als seine Geburtsstadt. Dort wurde Karl Philipp am 27. März 1766 getauft.Ev. Kirchenbuch Ludwigsburg, Taufregister 1766, S. 178. Unter den Paten des Kindes waren die Großeltern, Kriegsrat Philipp Ludwig Becht und Ehefrau Regina Margaretha geb. Hölderlin, die verwitwete Großmutter Kauffmann und weitere Verwandte.

Beruflicher Werdegang Ausbildung und erste Brufserfahrungen Kauffmann erhielt zunächst Unterricht von Hauslehrern und besuchte später das Gymnasium in Stuttgart. Im Alter von 14 Jahren wechselte er auf das evangelisch-theologische Seminar im Kloster Denkendorf und das Seminar von Maulbronn. Nach seiner Promotion erhielt er 1784 eine Anstellung am Evangelischen Stift Tübingen, ein Konvikt der Tübinger Universität.

Doch bereits ein Jahr später begann Kauffmann ein Studium der Rechtswissenschaften an der Karlsakademie in Stuttgart, das er 1789 an der Universität Göttingen beendete. Im Anschluss bereiste er für längere Zeit Norddeutschland, unter anderem besuchte er Berlin, wo er vom preußischen Außenminister Ewald Friedrich von Hertzberg empfangen wurde. Hertzberg stellte Kauffmann ein Empfehlungsschreiben für den preußischen Gesandten Johann Eustach von Görtz aus, der ihn zu seinem Privatsekretär ernannte. Zusammen mit Görtz, der als kurbrandenburgischer Wahlbotschafter teilnahm, erlebte er 1790 die Kaiserkrönung von Leopold II. in Frankfurt am Main.

In preußischen Diensten Auch zwei Jahre später war Kauffmann, nun offiziell als königlich preußischer Legationssekretär, gemeinsam mit Görtz, erneut Teilnehmer der letzten Kaiserkrönung in Frankfurt von Franz II. Im November 1792 erfolgte seine Legitimation beim Immerwährenden Reichstag in Regensburg als kurbrandenburgischer Legationssekretär. In Regensburg hatte er bei Abwesenheit des Gesandten Görtz oftmals die Geschäfte selbst zu führen. 1802 wurde Kauffmann zum wirklichen königlich preußischen Legationsrat befördert. Nach Auflösung des Reichstages 1806 erhielt er 1808 den Auftrag, Teile des preußischen Reichsarchivs in Regensburg nach Berlin zu senden bzw. nicht mehr benötigte Papiere zu vernichten.

Am 9. März 1809 erließ die württembergische Regierung eine Verordnung, der alle württembergischen Untertanen aufforderte, gleich welchen Standes und Würden sie angehörten, unverzüglich in das Königreich Württemberg zurückzukehren, sofern sie sich außerhalb eines Mitgliedstaates des Rheinbundes befinden. Bei Nichtbefolgung wurde die Konfiszierung des gesamten Vermögens angedroht. Nach Württemberg zurückgekehrt, versuchte Kauffmann eine Genehmigung zu erhalten in preußischen Diensten zu verbleiben. Er hatte im Mai 1809 das Angebot erhalten, bei der preußischen Gesandtschaft im Staat des Fürstprimas zu arbeiten, allerdings wurde seine Bitte von der württembergischen Regierung abschlägig beantwortet. Gleichwohl trat Kauffmann seinen Dienst bei der preußischen Vertretung in Frankfurt am Main unter der Direktion des Gesandten Carl von Hänlein an und wurde im August 1809, bei Abwesenheit von Hänlein, dem Fürsten Primas Karl Theodor von Dalberg als preußischer Geschäftsträger in Frankfurt vorgestellt.

Da er nun im Journal de Francfort, einer Frankfurter französischsprachigen Zeitung und eine der wenigen die überhaupt noch erscheinen durften, als solcher offiziell genannt wurde, sah sich die württembergische Regierung erneut genötigt, Kauffmann einen Austritt aus preußischen Diensten und eine Rückkehr nach Württemberg nahezulegen. Er reichte daraufhin seinen Abschied aus dem preußischen diplomatischen Dienst ein, der ihm auch mit ehrenvollen Worten gewährt wurde.

Rückkehr nach Württemberg Im Oktober 1809 kehrte Kauffmann nach Württemberg zurück und wurde bereits im November des Jahres als Legationsrat beim Department für auswärtige Angelegenheiten in Stuttgart angestellt. Ihm wurde die Zensur der Stuttgarter Zeitungen übertragen. Im Herbst 1810 erhielt er den Auftrag, die von Napoleon angeordnete Zerstörung englischer Kolonialwaren zu leiten, da diese nach der Verhängung der Kontinentalsperre als Konterbande betrachtet wurde. Er ging dabei, wann immer es möglich war, maßvoll vor und konnte somit die Ausführungen erträglich gestalten.

Zu seiner großen Freude wurde Kauffmann im Januar 1811 zum königlich württembergischen Geschäftsträger in Berlin im Königreich Preußen ernannt und konnte dort seine alten Beziehungen wieder aufnehmen. Seine Antrittsaudienz bei König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erfolgte am 10. Februar 1811. Im Juli 1812 erhielt er die Rangerhöhung zum Ministerresidenten an der württembergischen Gesandtschaft in der preußischen Hauptstadt und wurde für seine Verdienste im November 1812 mit dem Ritterkreuz des Zivilverdienstordens ausgezeichnet. Nach dem katastrophalen Ausgang von Napoleons Russlandfeldzug, erreichten im Frühjahr 1813 erste Vorausabteilungen der Russischen Armee Berlin. Kauffmann sah sich deshalb genötigt, am 13. Februar 1813 die Heimreise nach Württemberg anzutreten.

Auf der Rückfahrt weilte Kauffmann eine Zeit lang im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und traf am Weimarer Hof unter anderem Johann Wolfgang von Goethe. Erst Ende April 1813 langte er wieder in Stuttgart an, wo er erneut als Mitglied im Department für auswärtige Angelegenheiten eintrat. König Friedrich von Württemberg sendete Kauffmann zur Beobachtung der aktuellen Lage nacheinander nach Regensburg, Nürnberg und Würzburg. Letztere Stadt musste er aber auf Grund von Kampfhandlungen bald wieder verlassen. Das von Napoleon geschaffene Großherzogtum Würzburg befand sich in Auflösung und der Großherzog Ferdinand selbst weilte in Mergentheim, wohin sich auch Kauffmann begab. Mit höchstem Immediatreskript vom 21. Oktober 1813 wurde Kauffmann dort zum Generalkommissar ernannt und ihm drei Oberämter mit dazugehörigen Unterämtern unterstellt. Die vom Großherzog veranlassten Verhandlungen konnten am 10. November 1813 erfolgreich beendet werden, so das er am 12. November des Jahres wieder nach Stuttgart zurückkehren konnte. Für seine Verdienste erhielt er die Rangerhöhung zum Geheimen Legationsrat.

Am 3. Januar 1814 wurde Kauffmann mit königlichem Reskript zum württembergischen Außerordentlichen Gesandten und Bevollmächtigten Minister in der Schweiz ernannt.Tobias C. Bringmann: Handbuch der Diplomatie 1815–1963. Auswärtige Missionschefs in Deutschland und deutsche Missionschefs im Ausland von Metternich bis Adenauer. Sauer, München 2001, ISBN 978-3-598-11431-1, Seite 422. Er hatte, im Wechsel mit der eidgenössischen Tagsatzung, sein Quartier abwechselnd in Schaffhausen, Zürich oder in Bern. 1815 erhielt er den Rang und Titel eines württembergischen Staatsrates unter Beibehaltung seines Gesandtschaftspostens. Mit der Thronbesteigung von König Wilhelm I. von Württemberg wurde die württembergische Vertretung in der Schweiz 1817 geschlossen und Kauffmann von seinem Posten abberufen.

Er übernahm nach eigenem Wunsch ab 1817 die Leitung des königlichen Staats- und Hausarchivs in Stuttgart, eine Tätigkeit, die er bis zu seinem Tod ausübte. Kauffmann beschäftigte sich intensiv mit der Auswertung historischer Notizen zur württembergischen Landesgeschichte, was er auch zu seinem Hauptforschungsgebiet erklärte. 1822 und 1824 wurde er für außerordentliche Missionen in der Schweiz kurzzeitig als Gesandter reaktiviert. 1830 erhielt er von König Wilhelm das Ritterkreuz des Ordens der württembergischen Krone.

Karl Philipp von Kauffmann starb am 25. September 1835, im Alter von 69 Jahren, an einem Lungenschlag in Stuttgart. Ein Teil seines schriftlichen Nachlasses mit einem Umfang von 1,5 lfm befindet sich im Landesarchiv Baden-Württemberg Abteilung Hauptstaatsarchiv Stuttgart, seiner ehemaligen Wirkungsstätte.Nachlass Kauffmann, Karl Philipp von in Kalliope-Verbund

Ehe und Nachkommen Karl Philipp von Kauffmann heiratete am 16. Oktober 1798 Charlotte Storr (* 2. Oktober 1775; † 14. September 1835 in Stuttgart), eine Tochter des Naturwissenschaftlers und Mediziners Gottlieb Conrad Christian Storr.Eberhard Emil von Georgii-Georgenau: Biographisch-genealogische Blätter aus und über Schwaben. Emil Müller, Stuttgart 1879, Seite 998. Beide lernten sich im Januar 1798 in Tübingen kennen, wo Kauffmann selbst gearbeitet hatte und Charlottes Vater als Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität lehrte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und drei Töchter hervor, von denen aber nur der Sohn Friedrich und die Tochter Karoline den Vater überlebten.

Friedrich von Kauffmann (* 4. Juli 1801; † 23. Februar 1863) wurde königlich württembergischer Kammerherr und Forstrat. Aus seiner 1839 geschlossenen Ehe mit Julie, eine geborene von Neurath, gingen ein Sohn und sechs Töchter hervor. Seine jüngere Schwester Karoline von Kauffmann (* 18. Dezember 1803; † 2. August 1859) ehelichte den großherzoglich badischen Oberst Louis von Mollenbec.

Literatur 213. Carl Philipp von Kauffmann. In: Friedrich August Schmidt (Hrsg.): Neuer Nekrolog der Deutschen. 13. Jahrgang, 2. Teil, Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1837, Seite 796–801, (Digitalisat.) Friedrich Cast (Bearb.): Süddeutscher Adelsheros. 1. Teil, 1. Band: Historisches und genealogisches Adelsbuch des Königreiches Württemberg. J.A. Gärtner, Stuttgart 1839, Seite 432–434 (Digitalisat.)