Der Katholische Friedhof Chausseestraße bestand von 1777 bis 1902 in Berlin-Mitte.
Lage miniatur|Berlin 1811, mit Begräbnißen der Katholiken (ganz links oben) Der Friedhof der katholischen Domgemeinde St. Hedwig lag nördlich des Oranienburger Tors vor der Stadtbegrenzung in der Oranienburger Vorstadt auf der westlichen Seite der Chausseestraße. Nördlich davon lagen der Friedhof der französisch-reformierten Gemeinde und der Dorotheenstädtische Friedhof.
In der Gegenwart stehen dort die Katholische Akademie (Nr. 128/129) sowie mehrere Wohn- und Geschäftshäuser.
Geschichte Am 29. September 1777 wurde der erste eigenständige katholische Friedhof in Berlin nach der Reformation feierlich eröffnet, er war auf Anordnung des Königs Friedrich II. angelegt worden.Alfred Etzold, Der Dorotheenstädtische Friedhof, 2001, S. 11, mit einigen Angaben Bis dahin waren die Mitglieder der Gemeinde im Umfeld der St. Hedwigs-Kathedrale bestattet worden.
1834 wurde ein zweiter katholischer Friedhof an der Stadtgrenze in der Liesenstraße eröffnet, der bisherige wurde aber weiter genutzt. 1853 wurde der erste wegen Auslastung geschlossen, stattdessen wurde ein dritter in der Berliner Straße (heute: Ollenhauerstraße) in Reinickendorf eröffnet. In der Chausseestraße gab es noch einige Nachbestattungen bis 1878, danach wurde das Gelände teilweise auch als Lagerplatz benutzt.
Um 1890 wurde der Platz mit Mietshäusern bebaut., zu dieser Zeit stand dort bereits ein Wohn- und Geschäftshaus, vgl. auch frühere Jahre Dafür wurden einige sterbliche Überreste in die beiden anderen Friedhöfe umgebettet, davon einige in ein Sammelgrab in Reinickendorf. Nur die Angehörigen von Antoinette Weiß weigerten sich, das noch für einige Jahre gepachtete Grab aufzugeben, so dass es inmitten der Neubebauung bis 1908 bestehen blieb.Etzold, 2001, S. 12
1998 gab es vor dem Neubau der Katholischen Akademie umfangreiche archäologische Ausgrabungen, bei denen Reste von etwa 1000 Skeletten geborgen und untersucht wurden.Claudia Maria Melisch, Der erste katholische Friedhof Berlins, 2011, detailliert zu archäologischen Befunden Dabei wurden zahlreiche Grabbeigaben gefunden, meist Kreuze und andere religiöse Objekte. Viele Bestattete waren mangelernährt und starben früh, was auf eine schlechte materielle Situation der Katholiken in der Stadt hindeutete. Einige von ihnen waren aus Böhmen, Schlesien, Frankreich oder Italien nach Preußen eingewandert.
Grabstätten Bestattet wurden hier unter anderen: Marianne Schadow (1758–1815), Ehefrau von Johann Gottfried Schadow, Grabmal jetzt im Märkischen MuseumEtzoldl 2001, S. 11f. Bernhard Anselm Weber (1764–1821), Komponist, danach Grabstein in die Liesenstraße Margarete Luise Schick (1768–1821), Opernsängerin, zu ihrer Trauerfeier in der St.-Hedwigs-Kathedrale erklang erstmals das Requiem von Mozart in Berlin Henriette Mendelssohn (1775–1831), Tochter von Moses Mendelssohn, danach Grabstein in die Liesenstraße Antoinette Weiß (1778–1805), Ehefrau des Kunsthändlers Gaspare Weiß, Grabmal um 1908 in die Berliner Straße, um 1999 wieder in die Chausseestraße auf den Hof der Katholischen AkademieEin Grabmal im Hinterhof Stattreisen, mit Foto, vgl. auch Ossietzky, 2/2020, mit Details Bernhard Klein (1795–1832), Komponist, 1834 Grabstein in die Liesenstraße
Literatur Claudia Maria Melisch: Der erste katholische Friedhof Berlins. Imhof, Petersberg 2011 (PDF), zu den archäologischen Ausgrabungen Alfred Etzold: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Ch. Links, Berlin 2001, S. 11–13, mit Lageplan. Wolfgang Gottschalk: Die Friedhöfe der St.-Hedwigs-Gemeinde zu Berlin. Berlin 1991. S. 12–19
Einzelnachweise
Kategorie:Friedhof im Bezirk Mitte Kategorie:Aufgelöst 1853 Kategorie:Erbaut 1777 Kategorie:Katholischer Friedhof Kategorie:Berlin-Mitte Kategorie:Römischer Katholizismus (Berlin)