mini|400px|Altes Stammwappen und verbessertes Wappen derer von Haupt in Siebmachers Wappenbuch Haupt, in den einzelnen Linien auch Haupt von Buchenrode bzw. Haupt-Buchenrode, Haupt von Hohentrenk bzw. Haupt-Hohentrenk und Haupt-Stummer (von Buchenrode und Tavarnok), ist der Name einer ursprünglich aus der Niederlausitz stammenden Familie, die mehrfach Standeserhöhungen erfuhr, die sächsisch-lausitzischen Lehnsfähigkeit im frühen 17., den österreichischen Adels- und Ritterstand im 19. sowie den österreichischen Freiherrenstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Familie, aus der mehrere Mitglieder in preußischen und kaiserlich-königlichen Militärdiensten standen, erlangte vor allem ab dem 19. Jahrhundert als Großindustrielle, Fabrikanten und Bankiers in Mähren erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Durch den Erwerb ausgedehnter Herrschaften in Mähren und Ungarn stieg das Geschlecht in den Großgrundbesitz auf und brachte in der Folge auch namhafte Politiker, Diplomaten und Persönlichkeiten des Kulturlebens hervor.
Die Familie ist zu unterscheiden von dem Breslauer Rittergeschlecht Haupt, auch wenn sich die beiden Familien 1881 durch Heirat miteinander verbanden.
Geschichte Herkunft Das Geschlecht stammt aus Weißack bei Luckau in der Niederlausitz. Neben Weißack hatte es laut Ledebur im Brandenburgischen noch Besitz in Pohle im Landkreis Guben (1750) sowie in Seegefeld (1680–1718). Bartholomäus Haupt, Salzamtsverwalter zu Guben in der Niederlausitz, erhielt am 10. Dezember 1605 ein Wappen mit Krone und Lehenartikel verliehen.AT-OeStA/AVA Adel RAA 173.25. Für die durch den Tod des Bartholomäus’ Haupt erledigte Salzeinnehmerstelle wurde 1621 durch das kaiserliche Hofkammerreferat von den beiden Anwärtern Christoph Heubner, Bürger zu Guben, und Heinrich Haupt der Letztere vorgeschlagen.Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/FHKA SUS RA 199.1.5 Hofkammerreferat, mit welchem für die durch den Tod des Bartholome Haupt erledigte Salzeinnehmerstelle in Niederlausitz von den beiden Kompetenten Christoph Heubner, Bürger zu Guben, und Heinrich Haupt der letztere vorgeschlagen wird, 1621, abgerufen am 19. Mai 2026. Die bürgerlichen Haupt in Guben und Seegefeld führten ein rot-gekleidetes Manns-Brustbild mit Hut im Wappen, die (von) Haupt zu Weißack dagegen einen goldenen Mann mit Spitzhut (teilweise mit gestümmelten Händen und Füßen) (→ Abschnitt „Wappen“).
Mitteldeutsche Linie Die sichere Stammfolge einer mitteldeutsche Linie, die das Weißacksche Stammwappen führte, beginnt mit Johann Friedrich von Haupt:
Während die Familie also im Sächsischen noch bis in das 20. Jahrhundert bestand, war sie in der Mark Brandenburg dagegen schon um 1880 nicht mehr ansässig.
Mährisch-österreichische Linie Übersiedlung in mährisch-böhmisches Grenzgebiet Nach dem Dreißigjährigen Krieg war ein Teil der Familie in das mährisch-böhmische Grenzgebirge übersiedelt. Dort war die Familie in Rothmühl (Radiměř) bei Zwittau (Svitavy) ansässig und betrieb Flachsanbau und Leinenweberei. Laut Heller erhielt ein Familienmitglied, Sebastian Haupt, schon früh einen kaiserlichen Wappenbrief. Zum Jahr 1728 wird von einer Urkunde berichtet, die die Unterschrift von Johannes Haupt, Gemeindevorstand in Rothmühl, trägt. Dessen Enkel, Josef Haupt, Sohn des Mathias Haupt, zog 1802 nach Brünn, um sein Leinen- und Wäschelieferungsgeschäft mit dem kaiserlichen Heer weiter zu vergrößern. Josef Haupt besaß die goldene Zivil-Verdienstmedaille „für die gefahrvolle Rettung ärarischen Gutes während der französischen Invasion“.
Frühe Zeit in Brünn Josef Haupts Sohn Leopold Georg Haupt (* 24. April 1796 in Rothmühl; † 23. September 1851 in Brünn) setzte die industrielle Karriere seines Vaters fort. Er war kaiserlich-königlich priviligierter Fabrikbesitzer, Handelskammerrat und Nationalbankdirektor. Auch in Brünn errichtete er Bleich- und Verarbeitungswerkstätten. Nach der offiziellen Statistik der österreichischen Monarchie von 1841 beschäftigte er im Sommer 4000, im Winter bis zu 8000 Spinner sowie 1000 Weber und 500 Bleicher in den mährisch-böhmischen Grenzdörfern und den Weberdistrikten von Sternberg (Šternberk), Bautsch (Budišov nad Budišovkou) und Hof (Dvorce u Bruntálu). Seine Erzeugnisse gelangten über seine Handelsniederlassungen in Verona und Venedig in den Handel. 1845 erhielt Leopold Georg Haupt auf der ersten österreichischen Industrieausstellung in Wien von Kaiser Ferdinand I. die große goldene Medaille. Er war ab 1825 in erster Ehe mit Theresia Lettmayer (1807–1828), Tochter des k. k. priviligierten Großhändlers Carl Ignatz Lettmayer und der Theresia Thury, verheiratet. Carl Ignatz Lettmayer war Eigentümer einer bedeutenden Lederfabrik in Brünn mit Niederlassungen in Wien und Preßburg (Bratislava) und betrieb Großhandel mit Russland und Galizien. In zweiter Ehe heiratete Leopold Georg Haupt 1834 Emilie Schöll (1813–1884), Tochter des Fabrikbesitzers August Schöll (1787–1847) und der Charlotte Andrée.
mini|hochkant|Leopold Alexander Haupt von Buchenrode, 1888 mini|links|Schloss Zlín, 2012 Sein Sohn aus erster Ehe, Leopold Alexander Haupt (* 25. März 1827 in Brünn; † 29. Jänner 1904 ebenda), war Herr auf Zlín (Mähren) und kaiserlicher Rat, auch als Großindustrieller bezeichnet. Nach seiner Gymnasialzeit in Brünn und Wien sowie Lehrjahren im damaligen Italien und Triest übernahm er 1850 die Lettmayerschen und 1851 die Hauptschen Geschäfte. Außerdem war er von 1850 bis 1874 als Bankier tätig. Schon 1858 war Leopold Alexander Haupt Mitglied der Brünner Handels- und Gewerbekammer, ab 1865 auch Mitglied im Gemeindeausschuss Brünns. Nachdem er 1860 die landtagsfähige Herrschaft Zlín gekauft hatte und dadurch Wähler im Großgrundbesitz geworden war, trat er 1868 in den Mährischen Landtag ein. Als Referent für Finanzen war er an den Verhandlungen vor der Etablierung der mährischen Landeshypothekenbank intensiv beteiligt. Er war erster Präsident des Brünner Creditvereins für Gewerbetreibende, 1862 Mitbegründer und Verwaltungsrat der Mährischen Escompte-Bank, Verwaltungsrat der mährisch-schlesischen wechselseitigen Brandschaden-Assecuranz-Gesellschaft sowie Direktionsmitglied der Nationalbankfiliale zur Befriedigung der Kreditbedürfnisse der Handelswelt. Für seine 20-jährige Arbeit am Brünner Handelsgericht wurde er zum kaiserlichen Rat ernannt. Außerdem war er Ehrenbürger aller zur ehemaligen Patrimonialherrschaft Zlín gehörenden Gemeinden. Am 4. Juni 1875 in Ischl empfing Leopold Alexander Haupt „durch A.[llerhöchste] E.[ntschließung]“ den österreichischen Adelsstand mit dem Namenszusatz Edler von Buchenrode. Das dazugehörige Adelsdiplom ist auf den 25. November 1875 in Wien datiert. Darüber hinaus empfing er am 27. März 1901 (Diplom: 31. Mai 1901), ebenfalls durch allerhöchste Entschließung den österreichischen Freiherrenstand. Noch im Jahr seines Todes 1904 wurde in Brünn die Leopold-Haupt-Gasse nach ihm benannt (nach Ende des Ersten Weltkriegs und der Gründung der Tschechoslowakei 1918 umbenannt in Jízdárenská (Reitschulgasse); heute: Sukova). Leopold Alexander Haupt war ab 1858 mit Anna Antonie Henriette Schlemlein (* 8. Juli 1838 in Brünn), Tochter des mährisch-schlesischen Landesadvokaten Eugen Schlemlein und der Henriette von Schlechta zu Wschehrd verheiratet. Ihre Söhne Leopold und Stephan waren die Stammherren der Zweige Haupt-Stummer und Haupt-Buchenrode.
Zweig Haupt-Hohentrenk Leopold Alexanders Halbbruder aus des Vaters zweiter Ehe war der kaiserlich-königliche Rittmeister Karl (August) Haupt (* 20. Januar 1842 in Brünn), Ritter des Eisernen Kronenordens Dritter Klasse und Besitzer des Schlosses Straussenegg (Štravsenek/Šmatevž, Gemeinde Braslovče). Dieser empfing am 17. Juni 1884 den Ritterstand unter dem Namenszusatz von Hohentrenk. 1886 und noch 1896 war er Präsident der kaiserlich-königlichen Gesellschaft für Landespferdezucht in Steiermark.Der Pferdezüchter, Mittheilungen der k. k. Gesellschaft für Landes-Pferdezucht in Steuermark, Nr. 4, 25. Jg., Graz 1. April 1896, S. 28 (Google Bücher). Als solcher war er 1897 Mitglied der Central-Pferdezucht-Comission des k. k. Ackerbau-Ministeriums.Hof- und Staats-Handbuch der österreichisch-ungarischen Monarchie für 1897, Wien 1897, S. 334 (Google Bücher). 1898 wurde er zum Ehrenbürger von Judenburg ernannt.Südsteirische Post, 1. Oktober 1898, S. 4 (Google Bücher). Weitere Kinder aus des Vaters zweiter Ehe waren: Leopoldine Haupt (* 1835) ⚭ Gustav von Schoeller (1830–1912), österreichisch-ungarischer Großindustrieller und Wirtschaftsfunktionär, Konsul für Mähren und Schlesien Sophie Karoline Therese Haupt († 3. Juli 1862) ⚭ Stanislaus Bourguignon von Baumberg (1823–1884), k. k. Feldmarschallleutnant a. D., vormaliger Platzkommandant in Wien Adele Haupt (* 1838) ⚭ Edmund von Krieghammer (1832–1906), Generals der Kavallerie und Reichskriegsminister von Österreich-Ungarn Marie Haupt (* 1840) ⚭ August Freiherr von Normann, k. k. Oberst und Kommandant des Dragoner-Regiments Nicolaus I. Kaiser von Russland Nr. 5 Therese Haupt (* 1844) ⚭ Edmund Ritter von Henneberg, k. k. Linienschiffs-Leutnant d. R. in Cilli Gabriele Haupt (* 1846) ⚭ 1867 Stephan von Schlippenbach (1842–1910), k.u.k. Feldmarschalleutnant, Ehrenritter des Johanniter-Ordens, Oberst der königlich-ungarischen Landwehr-Kavallerie und Kommandant des 10. Landwehr-Husaren-Regiments zu Podgradje in Kroatien Julie Haupt (* 1848) ⚭ 1869 Prokop von Zeidler (* 1842), k. k. Ulanen-Oberleutnant a. D. in Cilli
Zweig Haupt-Stummer mini|Landschloss in Tavarnok, 2008 Der Zweig Haupt-Stummer beginnt bei Leopold Haupt (* 12. Jänner 1859 in Brünn; † 7. April 1924 in Tavarnok), dem älteren Sohn von Leopold Alexander Haupt von Buchenrode. Er war Herr einiger Ortschaften im Komitat Neutra und Fabrikbesitzer. Er absolvierte ein Chemiestudium und sammelte erste praktische Erfahrung in Frankreich. 1884 war er kurzzeitig Vorstandsmitglied der Brünner Kammgarnspinnerei-Aktiengesellschaft. Am 17. November 1884 heiratete er in Wien Augusta Freiin Stummer von Tavarnok (* 3. September 1862 in Oslavany), Tochter des 1884 in den Freiherrenstand erhobenen Großgrund- und Zuckerfabrikbesitzers August Wilhelm Stummer von Tavarnok (1827–1909). Leopold Haupt wurde 1887 von seinem Schwiegervater August Stummer von Tavornok adoptiert und nahm den Familiennamen Haupt-Stummer an. Am 7. April 1888 wurden Leopold Haupt per kaiserlichem Dekret der Adelstitel und die entsprechenden Privilegien verliehen. Die Namen der Familien Haupt von Buchenrode und Stummer von Tavarnok wurden zu Haupt-Stummer von Tavarnok und Buchenrode vereint, ebenso die Wappen. Nach dem Tod seines Schwiegervaters 1909 übernahm Leopold dessen Zuckerfabriken in Oslavany (Okres Brno-venkov), Doudleby (Okres Rychnov nad Kněžnou) und in Uhrách in Trnava und Velké Topolčany (heute Slowakei). Leopold Haupt starb 1924 bei einer Jagd. Die Eheleute Haupt-Stummer hatten folgende Nachkommen:
Zweig Haupt-Buchenrode mini|hochkant|Stefan Haupt von Buchenrode, 1916 mini|links|Palast von Stefan Haupt, Koliště 17/19, Brünn/Brno, 2020