Der Dokumentar- und Essayfilm Do You Love Me ist das Langfilm-Debüt der libanesischen Filmemacherin und Multimediakünstlerin Lana Daher. Do You Love Me feierte im Rahmen des Filmfestivals von Venedig 2025 internationale Premiere, Deutschlandstart war am 7. Mai 2026. Der Film besteht ausschließlich aus Archivalien und thematisiert die Geschichte Beiruts im 20. und 21. Jahrhundert.

Handlung und Produktionsweise Die Filmemacherin und Multimediakünstlerin Lana Daher begann 2018 mit der Arbeit an Do You Love Me. An libanesischen Schulen gibt es keinen Unterricht zur Gegenwartsgeschichte, historisches Material ist nicht frei und zentral zugänglich, z. B. in einem Nationalarchiv. Deswegen stellten Daher sowie Koautor und Cutter Qutaiba Barhamji den Film aus selbst recherchiertem Archivmaterial der vergangenen 70 Jahre zusammen. 20.000 Quellen wurden ausgewertet, das Material ist im Film nahezu unkommentiert zu sehen. Es handelt sich um Ausschnitte aus libanesischen Independent-Filmen, TV-Aufnahmen, Musikvideos und privaten Videos, dazwischen werden Fotografien eingeblendet, manchmal werden O-Töne aus Interviews unterlegt. So entsteht eine Art alternatives kollektives Gedächtnis des Landes. Die Filmabschnitte sind nicht chronologisch, sondern thematisch und assoziativ gegliedert. alt=Blick auf die Corniche von beirut: Links das Meer mit Felsen, in der Mitte ein Geländer, im Hintergrund Hochhäuser, rechts eine betonierte Strandpromenade mit Bäumen|mini|Einer der Orte, an denen der Film spielt: Die Corniche von Beirut (1970) In der ersten Einstellung sieht man Beirut vom Meer aus. Anschließend werden Menschen gezeigt, die von der Corniche aufs Mittelmeer blicken. Zwei Jungen laufen durch die Stadt, einer davon hat nur noch ein Bein und geht auf Krücken: ein Ausschnitt aus dem Film Whispers (1980), in dem Maroun Bagdadi die libanesische Dichterin Nadia Tueni begleitet. Bewaffnete Männer fahren in den nächsten Szenen mit dem Auto durch das vom Bürgerkrieg zerstörte Beirut. In weiteren Szenen blicken Frauen von Beifahrersitzen oder Auto-Rückbänken aus auf die Stadt. Eine von ihnen ist Catherine Deneuve im Film Je veux voir (2006). Sie erkundigt sich beim Fahrer über den halbfertig gebliebenen Murr-Turm, Burj el Murr. Der Fahrer erklärt, es handle sich bei dem Gebäude um ein „Kriegsdenkmal“. Zwei Frauen präsentieren zensierte Zeitungsausschnitte, darunter die Kolumne des Premierministers. In weiteren Szenen besichtigen Menschen aus Beirut ratlos die Ruinen ihrer einstigen Häuser. Darunter ist die Filmemacherin Jocelyne Saab in einem Ausschnitt aus Beyrouth, ma ville (1982). Des Weiteren werden Hochzeitsszenen aneinandergereiht, in Homevideos werden Babys präsentiert. Immer wieder wird der Song Do Yo Love Me (1978) von der Bendaly Family gespielt. Die Explosionskatastrophe vom 4. August 2020 am Hafen von Beirut wird in Form von Videoaufnahmen des Filmemachers Malik Hosni gezeigt. Hosni war zum Zeitpunkt der Explosion zufällig am Hafen. Während er versucht, zu helfen, läuft die Kamera mit.

Zum Ende des Films gehören fröhliche TV-Tanzszenen und der Song Monday Tuesday... Laissez-moi danser (1979) von Dalida. Als letzte Einstellung ist ein von gelblichem Qualm vernebeltes Stadtpanorama zu sehen, über dem ein Hubschrauber fliegt.

Rezensionen

In einer Besprechung für den Guardian betont Yassin El-Moudden, dass es im Libanon aus verschiedenen Gründen kein Nationalarchiv gebe und Lana Dahers „sprudelnde kulturelle Collage“ gegen das „kollektive Vergessen“ antrete. Er berichtet, dass Daher für den Film in Privatsammlungen und Archiven, an Universitäten und im staatlichen libanesischen Rundfunk recherchierte. Er zitiert die Filmemacherin mit den Worten: „An einem Ort wie dem Libanon, an dem die Regierung uns immer wieder im Stich lässt, sind es Journalisten, Schriftsteller, Musiker und Filmemacher, die Geschichte dokumentieren.“

Filmportal.de beschreibt, wie aus vielerlei Archivmaterial ein „vielschichtiges Bild von Beirut und dem Land über einen Zeitraum von rund 70 Jahren“ entstehe. Die Montage folge den Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger von Beirut und zeichne nach, wie persönliche Erinnerungen und kollektive Erfahrungen ineinandergreifen. Der Film bewege sich „wie ein Bilderstrom vorwärts, collagiert aus Motivketten, Match-Cuts und assoziativen Sprüngen.“ Durch die Vielfalt des Filmmaterials ergäben sich Widersprüche, dies stelle ein dialektisches Prinzip des Films dar.

Auf Perlentaucher erklärt Sebastian Markt, wie der Film durch seine rasante, nichtlineare Montage bewusst das Gefühl von „Desorientierung und Überforderung“ vermittle. Er zitiert einen der Film-Protagonisten: „[...] Geschichte ist nicht vollumfänglich, es gibt keine absolute Wahrheit. Wir sammeln Geschichten, […] die für jemanden ein Stück Wahrheit in sich tragen.“

Auszeichnungen

Preis „Der politische Film“ der Friedrich-Ebert-Stiftung

Weblinks

Website zu Do You Love Me, auf der für den Film verwendete Spielfilme, Dokumentationen, Musikvideos u. a. vorgestellt werden

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Katarischer Film Kategorie:Libanesischer Film Kategorie:Dokumentarfilm