Die Will-o’-the-wisp (Deutsch: Irrlicht) war ein britischer Blockadebrecher, der im Sezessionskrieg die Konföderierten Staaten mit Waffen und Handelsgütern versorgte und die von den USA verhängte Seeblockade mehrmals durchbrach. Der Dampfer wurde 1865 vor Galveston, Texas, von der US Navy zerstört. Das mutmaßliche Wrack wurde 1983 wieder entdeckt, jedoch bis heute (Stand 2026) nicht eindeutig identifiziert.

Geschichte Die Will-o’-the-wisp erreichte die britische Kolonie der Bermudas im Dezember 1863. Sie leckte jedoch so stark, dass sie in Halifax, Provinz Kanada, repariert werden musste. Allerdings konnten die gravierenden Baumängel auch dort nicht wirklich behoben werden. Einziger Vorteil des Dampfers war seine starke Maschine, die eine Höchstgeschwindigkeit von 17,0 Knoten bei gleichzeitigem Betrieb der Pumpen erlaubte, die offensichtlich ständig in Betrieb sein mussten, um ein Sinken des Schiffs zu verhindern (siehe unten). Bei der Fahrt von Halifax nach Nassau/Bahamas leckte er erneut so stark, dass Kapitän P. Capper ihn sicherheitshalber stranden ließ.

Ihren ersten von insgesamt 12 Blockadedurchbrüchen führte die Will-o’-the-wisp im März 1864 von Nassau nach Wilmington/North Carolina durch. Dabei geriet sie in schweres Wetter und begann erneut heftig zu lecken, so dass ihr Supercargo Thomas E. Taylor (* um 1841, † ?) und Kapitän Capper beschlossen, lieber das Risiko eines Beschusses durch zwei blockierende Einheiten der US Navy in Kauf zu nehmen als im Sturm mit dem Schiff in Seenot zu geraten. Mit Höchstgeschwindigkeit durchbrach sie die Blockadelinie und erhielt mindestens zwei Treffer. Eines der Schusslöcher wurde mit Wolldecken provisorisch gestopft. Kurz vor dem Hafen strandete der Blockadebrecher bei New Inlet und musste teilweise entladen werden, um ein Auseinanderbrechen zu verhindern.

Auf der Rückfahrt nach Nassau drang kurz nach der Ausfahrt aus Wilmington Wasser in den Maschinenraum. Dadurch fielen vier von acht Feuerstellen aus und die Geschwindigkeit reduzierte sich auf fünf Knoten. Da die Pumpenleistung ebenfalls zurückging, musste die Deckladung aus Baumwolleballen über Bord gegeben werden. Dadurch wurde das Schiff erleichtert und die Feuerstellen konnten wieder in Betrieb genommen werden. Am 28. März 1864 traf der Dampfer in Nassau ein.

Es stellte sich heraus, dass die Pumpen ständig in Betrieb sein mussten, um ein Sinken des Schiffs zu verhindern. Im August 1864 transportierte der Blockadebrecher zwei 12-Pfünder-Whitworth-Geschütze nach Wilmington. Dabei handelte es sich um ein Geschenk Taylors an die Konföderation, die die Geschütze zur Hafensicherung verwendeten.

Im Oktober 1964 verkaufte Taylor das Schiff, das bisher sechs Rundfahrten gemacht hatte, an die Firma Power, Low and Company. Im November 1864 wurde der Dampfer im Golf von Mexiko eingesetzt. Bei einem Versuch, von Veracruz/Mexiko aus Galveston in Texas zu erreichen, strandete die Will-o’-the-wisp am 9. Februar 1865 und wurde unmittelbar darauf von Zivilisten und Angehörigen der Konföderierten Armee geplündert. Am 10. Februar stellte ein Prisenkommando des Kanonenboots USS Antona fest, dass der Blockadebrecher stark beschädigt war und nicht geborgen werden konnte. Das Wrack wurde in Brand gesetzt und offensichtlich so stark zerstört, dass auch nach Kriegsende keine Bergungsversuche unternommen wurden.

Thomas E. Taylor publizierte 1896 seine Memoiren über seinen Einsatz als Superkargo im Londoner Verlag Murray. Darin beschreibt er auch seine Dienstzeit auf der Will-o’-the-wisp’. Eine grafische Darstellung des Schiffs ist auf einer Bildtafel nach Seite 106 reproduziert. Taylors Memoiren, die bis 1912 vier Auflagen erreichten, wurde 1995 von dem US-amerikanischen Historiker Stephen R. Wise (* 1952) neu ediert und mit einer ausführlichen Einleitung versehen.(Wise 1995, Einleitung, S. VII-XXVIII.)

Eine Rekonstruktionszeichnung des Schiffs von Robert Holcombe ist bei Wise, „Lifeline of the Confederecy“, Bildtafeln vor Seite 213, wiedergegeben.

Das Wrack Das mutmaßliche Wrack des Dampfers wurde 1983 zufällig durch Taucher wiederentdeckt, aber nicht identifiziert. 2009 wurden die Überreste durch einen Hurrikan teilweise freigelegt. Aufgrund der ungewöhnlichen Kesselkonstruktion der Wrackteile gehen Archäologen davon aus, dass es sich bei dem Fund um die Überreste der Will-o’-the-wisp handelt.

Literatur Thomas E. Taylor: Running the blockade. A Personal Narrative of Adventures, Risks, and Escapes during the American Civil War. With an Introduction by Julian Corbett, London (Murray) 1897, S. 101, 114, 144, 151; Digitalisat www.gutenberg.org Thomas E. Taylor: Running the blockade. A Personal Narrative of Adventures, Risks, and Escapes during the American Civil War. With an Introduction by Julian Corbett. New Introducation and Notes by Stephen R. Wise, Annapolis, MD (Naval Institute Press) 1995. ISBN 1-55750-804-6 Stephen R. Wise: Lifeline of the Confederacy. Blockade Running During the Civil War, Columbia, SC (University of South Carolina Press) 1988, S. 162f., 193, 203, 216f., 238ff., 248f., 283, 327. ISBN 0-87249-554-X

Weblinks Schiffsdaten bei www.clydeships.co.uk Angaben zum Wrack bei www.tshaonline.org

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