Craugastor talamancae, auf Englisch als Almirante Robber Frog oder White-lipped Rain Frog bezeichnet, ist eine Art innerhalb der Familie der Craugastoridae (Craugastoridae) und gehört zur Gattung Craugastor. Im Spanischen wird er als Hojarasquera de Talamanca bezeichnet. Ein etablierter deutscher Name ist nicht bekannt.
Beschreibung Craugastor talamancae gehört zur fitzingeri-Artengruppe innerhalb der Gattung Craugastor. Die Kopf-Rumpf-Länge (SVL) beträgt bei Männchen bis zu 30 mm, bei Weibchen bis zu 50 mm; Weibchen sind deutlich größer als Männchen.
Der Kopf ist von oben betrachtet leicht zugespitzt mit einer langen Schnauze und einem scharfkantigen Canthus rostralis. Das Trommelfell (Tympanum) ist deutlich sichtbar und wird oben von einer kurzen, nach unten gebogenen supratympanischen Falte begrenzt. Die Rückenhaut ist fein gekörnt, ohne deutlich vergrößerte Tuberkel oder Hautleisten.
Ein charakteristisches Merkmal der Art sind die stark vergrößerten, abgestutzten Haftscheiben an den zwei äußeren Fingern jeder Hand; die zwei inneren Finger tragen nur leicht erweiterte, runde Haftscheiben. Finger I ist länger als Finger II. Die Hände sind ohne Schwimmhaut. Zwischen den Zehen befindet sich nur eine minimale Schwimmhaut, wobei die freien Zehenabschnitte von seitlichen Hautfransen gesäumt sind. Die Zehenscheiben sind klein und kaum erweitert.
Die Rückenfärbung ist einheitlich graubraun bis olivbraun, gelegentlich mit unregelmäßigen Flecken oder dunklen Markierungen in Sanduhrform oder linearer Anordnung. Bei den meisten Individuen ist eine dunkle Augenmaske vorhanden, die sich nach hinten bis zum Trommelfell erstreckt. Die Oberseiten der Gliedmaßen sind mit dunklen Querbändern gezeichnet.
Ein weiteres prägnantes Erkennungsmerkmal ist ein weißer Lippenstreifen oder eine Reihe weißer Flecken an der Lippe, die sich auf die Flanken erstreckt. Bei Jungtieren und Halbwüchsigen ist dieser Streifen deutlich ausgeprägt; bei großen Adulten kann er durch dunkles Pigment zu einer unterbrochenen Fleckenreihe reduziert sein. Die Bauchseite ist einheitlich weiß bis cremeweiß; bei manchen Adulten kann der Bauch rötlich überhaucht sein. Die Kehle zeigt nie den weißen Mittelkehlstreifen, der bei Craugastor fitzingeri vorkommt. Die Oberschenkel sind auf der Rückseite einheitlich rotbraun bis rot gefärbt.
Männchen tragen ein braunes Brunftpolster an der Daumenbasis.
Jungtiere weisen ein charakteristisches Färbungsmuster auf: Kopf und Rücken sind schokoladenbraun, die Gliedmaßen rötlichbraun gefärbt. Auf den Flanken befinden sich ein bis drei schräge weiße Streifen, die an das Färbungsmuster der Raketen-Frösche der Gattung Silverstoneia aus der Familie der Dendrobatidae erinnern. Diese hellen Streifen verblassen mit zunehmendem Alter und werden bei adulten Tieren weniger auffällig.
Ähnliche Arten Craugastor talamancae kann mit mehreren verwandten Arten verwechselt werden:
Craugastor crassidigitus: besitzt eine ausgedehnte Schwimmhaut zwischen den Zehen, einheitlich orangebraune Oberschenkelrückseiten und keinen weißen Lippenstreifen. Craugastor fitzingeri: hat dunkelbraune bis schwarze Oberschenkelrückseiten mit gelben Flecken, keinen weißen Lippenstreifen und einen höckrigen Rücken mit Tuberkeln und Leisten. Craugastor chingopetaca: besitzt eingebuchtete Finger- und Zehenscheiben, etwas mehr Schwimmhaut zwischen den Zehen und keinen weißen Lippenstreifen. Craugastor gollmeri, Craugastor mimus und Craugastor noblei: haben eine glatte Haut und eine dunkle Augenmaske, tragen jedoch keine stark vergrößerten, abgestutzten Scheiben an den äußeren Fingern (Finger III und IV). Silverstoneia flotator: ähnelt in Färbung und Muster manchen Jungtieren von C. talamancae, besitzt jedoch keine vergrößerten, abgestutzten Scheiben an den äußeren Fingern.
Verbreitung Craugastor talamancae ist auf dem atlantischen Abhang Mittelamerikas verbreitet und kommt in Costa Rica, im zentralen und südöstlichen Nicaragua und im östlichen Panama vor. Die Art bewohnt feuchte Tieflandwälder vom Meeresniveau bis auf 646 m ü. NN, nach anderen Angaben bis auf 710 m.
In Costa Rica ist die Art häufig im atlantischen Tiefland und wurde unter anderem in der Biologischen Forschungsstation La Selva sowie im Parque Nacional Braulio Carrillo nachgewiesen. In Guayacan kommt sie nur selten vor.
Lebensweise Craugastor talamancae ist eine nachtaktive Art feuchter Tiefland- und Bergwälder. Tagsüber verbirgt sie sich in der Laubstreu und wird gelegentlich von vorbeigehenden Wanderern aufgescheucht. Nachts hält sie sich auf niedriger Vegetation auf.
Die Art ist vorwiegend auf ungestörte Habitate und alte Sekundärwälder angewiesen und toleriert Habitatveränderungen weniger gut als ihre nah verwandten Arten Craugastor crassidigitus und Craugastor fitzingeri. Eine dicke Laubstreuschicht auf dem Waldboden ist ein entscheidender Faktor für die Populationsdichte. Wie andere Laubstreufrösche schwanken die Individuenzahlen mit jahreszeitlichen Veränderungen in der Laubstreutiefe und steigen in Trockenperioden, wenn mehr Bäume ihr Laub abwerfen.
Craugastor talamancae ernährt sich von einer Vielzahl von Insekten und anderen Arthropoden; große Adulte fressen gelegentlich auch Eidechsenschlüpflinge, kleine Frösche und andere kleine Wirbeltiere.
Fortpflanzung Wie andere Arten der Gattung Craugastor weist C. talamancae eine direkte Entwicklung auf, bei der die Jungtiere ohne freies Kaulquappen-Stadium aus den Eiern schlüpfen. Die Eier werden vermutlich unter Blättern am Boden oder in flachen Vertiefungen im Boden abgelegt.
Männchen rufen nachts von einer erhöhten Sitzwarte und produzieren in unregelmäßigen Abständen einen lauten, katzenartig miauenden Ruf. Bei hoher Populationsdichte werden diese Rufe von benachbarten Männchen beantwortet, was auf eine territoriale Abstandsfunktion sowie eine Rolle bei der Anlockung von Weibchen hinweist.
Gefährdung Craugastor talamancae wird von der IUCN auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als „nicht gefährdet“ (Least Concern, LC) geführt. Die Bewertung wurde am 20. Juni 2014 durchgeführt und 2015 veröffentlicht. Begründet wird diese Einstufung mit dem weiten Verbreitungsgebiet und der vermuteten großen Gesamtpopulation. Der Populationstrend gilt jedoch als abnehmend.
Die Population in La Selva (Costa Rica) hat über einen Zeitraum von 35 Jahren einen Rückgang von etwa 6 % pro Jahr verzeichnet (Whitfield et al. 2007); 2010 war die Art jedoch weiterhin in La Selva und umliegenden Sekundärwäldern präsent. Im Parque Nacional Braulio Carrillo ist sie ebenfalls noch vorhanden. Im südöstlichen Nicaragua gilt sie als relativ selten.
Als Hauptbedrohungen gelten Lebensraumverlust durch Landwirtschaft, Abholzung und Erschließung sowie mögliche Auswirkungen von Agrochemikalien. Der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) wurde in Museumsexemplaren und bei Individuen aus La Selva nachgewiesen. Manche Tieflandpopulationen zeigen jedoch trotz Bd-Infektion keine negativen Auswirkungen, was möglicherweise mit den für den Pilz ungünstigen hohen Temperaturen zusammenhängt. Rückgänge in La Selva werden möglicherweise auch durch klimabedingte Reduktionen der Laubstreutiefe verursacht.
Die Art ist in mehreren Schutzgebieten vertreten, darunter die Reserva de la Biosfera del Sureste de Nicaragua.
Systematik und Taxonomie Die Art wurde im Jahr 1931 von Emmett Reid Dunn als Eleutherodactylus talamancae erstmals beschrieben. Der Holotyp (MCZ 9879) stammt aus Almirante, Bocas del Toro, Panama. Die Art wurde 2005 von Crawford und Smith in die Gattung Craugastor überführt.
Sie gehört zur Craugastor fitzingeri-Artengruppe und ist möglicherweise am nächsten mit Eleutherodactylus longirostris verwandt (Lynch & Myers, 1983).
Folgende Synonyme sind bekannt: Eleutherodactylus talamancae Dunn, 1931 (Basionym) Eleutherodactylus (Craugastor) talamancae Craugastor (Craugastor) talamancae
Einzelnachweise Craugastor talamancae Amphibian Species of the World 6.2, an Online Reference. Abgerufen am 1. Mai 2026. Craugastor talamancaeTwan Leenders: Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London 2016, S. 284–286. Abgerufen am 2. Mai 2026.
Literatur Crawford, A.J. and Smith, E.N. 2005. Cenozoic biogeography and evolution in direct-developing frogs of Central America (Leptodactylidae: Eleutherodactylus) as inferred from a phylogenetic analysis of nuclear and mitochondrial genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 25: 536–555. Lynch, J.D. and Myers, C.W. 1983. Frogs of the fitzingeri group of Eleutherodactylus in eastern Panama and Chocoan South America (Leptodactylidae). Bulletin of the American Museum of Natural History 175(5): 481–572. Savage, J.M. 2002. The Amphibians and Reptiles of Costa Rica: A Herpetofauna between two Continents, between two Seas. University of Chicago Press, Chicago. Twining, J.P. and Cossel, J. 2023. Vocalizations of Craugastor talamancae. Reptiles & Amphibians 30 (e18581): 1–4. Whitfield, S.M., Bell, K.E., Philippi, T., Sasa, M., Bolaños, F., Chaves, G., Savage, J.M. and Donnelly, M.A. 2007. Amphibian and reptile declines over 35 years at La Selva, Costa Rica. Proceedings of the National Academy of Sciences doi:10.1073/pnas.0611256104. Twan Leenders: Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London 2016, S. 284–286.
Weblinks
Craugastor talamancae bei AmphibiaWeb, University of California, Berkeley. Craugastor talamancae bei Amphibian Species of the World, American Museum of Natural History. Craugastor talamancae bei Map of Life. Craugastor talamancae bei iNaturalist. Craugastor talamancae Ruf bei fonozoo.com.
Kategorie:Craugastoridae Kategorie:Craugastoridae (Familie)