Louis‑Carle Gessard (3. Oktober 1850 in Paris; † 7. November 1925 ebenda) war ein französischer Pharmazeut, Chemiker und Bakteriologe. Bekannt wurde er durch die Entdeckung des sogenannten Bacille pyocyanique, der heute unter dem Namen Pseudomonas aeruginosa zu den bedeutendsten opportunistischen Krankheitserregern zählt. Seine Arbeiten gelten als frühe Meilensteine der medizinischen Mikrobiologie.
Leben und Werk Carle Gessard wurde 1850 in Paris geboren und absolvierte zunächst eine pharmazeutische Ausbildung. Anschließend trat er in den Dienst der französischen Armee ein und studierte am Val-de-Grâce, der zentralen Militärmedizinischen Ausbildungsstätte Frankreichs. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 diente er als Soldat. 1875 schloss er als Jahrgangsbester ab.
In den folgenden Jahren war Gessard in verschiedenen Lazaretten tätig, unter anderem in Frankreich, Algerien und Tunesien. 1887 wurde er zum professeur agrégé für Chemie am Val‑de‑Grâce ernannt. Später arbeitete er am Institut Pasteur, wo er seine bakteriologischen Forschungen fortsetzte.
Für seine militärischen und wissenschaftlichen Verdienste wurde er zum Chevalier der Légion d’honneur ernannt. Gessard starb 1925 in Paris.
Gessards bedeutendste Leistung war die Isolierung und Beschreibung des Erregers, der für die charakteristische blau‑grüne Färbung bestimmter Wundinfektionen verantwortlich ist. 1882 veröffentlichte er seine Ergebnisse unter dem Titel De la pyocyanine et de son microbe. Der von ihm identifizierte Mikroorganismus wurde später als Pseudomonas aeruginosa klassifiziert und zählt heute zu den wichtigsten nosokomialen Pathogenen, insbesondere aufgrund seiner ausgeprägten Antibiotikaresistenzen.
Gessard beschäftigte sich zudem mit chromogenen Mikroben, also Bakterien, die Farbstoffe produzieren. Seine Untersuchungen zu „blauem Eiter“ und „blauer Milch“ trugen zur frühen Systematisierung bakterieller Pigmente bei.
Auszeichnungen 1903: Ritter der französischen Ehrenlegion
Veröffentlichungen De la pyocyanine et de son microbe : colorations qui en dépendent dans les liquides organiques, pus et sérosités, sueur, liquides de culture, applications cliniques. Davy, Paris 1882. Nouvelles recherches sur le microbe pyocyanique. Charaire, Sceaux 1889. Fonctions et races du bacille cyanogène. Charaire, Sceaux 1889. Microbes chromogènes. Pus bleu et lait bleu. conférence faite à l'Institut Pasteur le 9 avril 1892, Administration des deux revues, Paris 1892. Diagnose pigmentaire du bacille pyocyanique. Masson, Paris 1919.
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