mini|Haus Rünthe Das Haus Rünthe ist ein Baudenkmal, das sich in Rünthe, einem Ortsteil der Stadt Bergkamen im Kreis Unna, befindet. Im Ursprung war es eine von Gräften umgebene typisch westfälische Wasserburg, die vermutlich im Mittelalter entstanden war.Martin Litzinger: Rünthe – Gemeinde zwischen Lippe und Bever. Stadt Bergkamen, Bergkamen 2005, ISBN 3-929675-06-4. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahr 1281. Wann die Burg abgegangen ist, ist nicht überliefert. Das heutige Gebäude wurde 1876 von dem Gutsbesitzer Stephan Witte erbaut und steht seit 1988 unter Denkmalschutz.

Beschreibung Haus Rünthe ist ein typisches Beispiel für den Historismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Haus kennzeichnet sich durch folgende Merkmale: Der Baukörper ist streng achsensymmetrisch und kubisch aufgebaut. Die Ecken des Hauses sind durch eine Quaderung betont, was die vertikale Struktur hervorhebt. Fenster sind aufwändig gerahmt und verfügen mit Giebel und Bögen über dekorative Verdachungen. Der Balkon mit seiner Balustrade unterstreicht den repräsentativen Charakter. mini|Ansicht von Haus Rünthe vom Ostenhellweg Zwischen den Stockwerken und unter dem Dach befinden sich ausgeprägte Gesimse, die das Gebäude gliedern. Besonders auffällig ist der Fries unter der Dachkante mit kleinen rechteckigen Schmuckfeldern. Das hohe Walmdach mit der Gaube ist typisch für herrschaftliche Villen dieser Zeit, die oft für das durch die Industrialisierung aufstrebende Bürgertum errichtet wurden, um mit herrschaftlicher Pracht den Adel als gesellschaftliche Elite regelrecht zu imitieren.

Geschichte Mittelalter Die überlieferte Geschichte von Haus Rünthe begann im Jahr 1281 mit einer Urkunde von Theodorich Graf von Limburg, der sein Eigentum an Haus Rünthe auf das Kloster Cappenberg übertrugHeimat am Hellweg, Kalender 1958, Westf. Heimatverlag Hamm GmbH, , S. 131 ff.. Der alte Adelssitz war zu jener Zeit noch eine von Gräften geschützte Wasserburg, die sich etwa 100 Meter nördlich von der heutigen Villa nahe der Lippe befand. Alten Kartenaufzeichnungen zufolge hatte die Burg ein Aufmaß von etwa 70 × 30 Meter. Es existieren keine Informationen darüber, wann genau die Wasserburg gebaut wurde, wie sie aussah und wer sie einst errichten ließ. 1315 wurde Otto von Werne aus dem Adelsgeschlecht von Meinhövel mit der Burg belehnt. Rund 100 Jahre später verkaufte Diederich von Werminghaus im Jahr 1414 das Haus Rünthe an Godeke von Haen (Hane), einem Burgmann der Stadt Kamen. Seine Tochter Aleke, die Otto von Krakerügge aus dem Adelsgeschlecht von Herbern heiratete, erhielt das Landgut 1427 als Mitgift.

Frühe Neuzeit Ausweislich der „Märkischen Ritterzettel“ wurde 1539 ein Degenhard von Krakerügge als Besitzer von Haus Rünthe in den Ritterstand der Grafschaft Mark erhoben. Sein Bruder Johann von Krakerügge fand 1552 als Herr zu Rünthe Erwähnung. Offenbar erlosch mit ihm die Linie im Mannesstamm. Clara von Krakerügge war jetzt Erbin des Adelssitzes. Sie vermählte sich 1562 mit Johann von Eberschwein, der bereits 13 Jahre später starb. In zweiter Ehe heiratete die Witwe Philipp von Altenbockum aus Altenmengede, einer Nebenlinie des Hauses Grimberg. Aus der Ehe ging Goswin von Altenbockum als Stammhalter und Erbe hervor. Die über 270-jährige Herrschaft der Familien von Krakerügge und von Altenbockum endete 1698 mit Reinhard Lutter von Altenbockum, der das Landgut verkaufte. Die prägenden Adelsgeschlechter fanden später Eingang in das Wappen der Altgemeinde Rünthe.

18. Jahrhundert Dietrich VII. von der Reck war nun Besitzer von Haus Rünthe. Er gehörte zum westfälischen Uradel in der Grafschaft Mark und lebte auf Haus Reck im Nachbarort Lerche. Im Jahr 1769 musste die finanziell angeschlagene Familie von der Reck die drei zum Haus Rünthe gehörenden Brinksitzer Dillmann (Dillkötter), Schäfer und Langenkämper veräußern. Vermutlich war die Wasserburg in Rünthe zu jener Zeit längst verfallen, das Landgut bestand nur noch aus einem Gehöft. Neun Jahre später trat der Konkurs der Reck'schen Güter endgültig ein. Das Haus Rünthe ging mit dem letzten verbliebenen Brinksitzer Meimerg (Borgschulze) für 3.025 Taler in das Eigentum von Gisbert von Torck aus dem Haus Nordherringen über. Doch auch um seine finanzielle Lage war es nicht zum Besten bestellt. Im Jahr 1787 wurde Haus Rünthe deshalb an Wilhelm Frowein aus Kamen verkauft. Er war der erste bürgerliche Besitzer des alten Herrensitzes.

19. Jahrhundert Nach Froweins Tod im Jahr 1817 übernahm dessen Tochter Frederica mit ihrem Ehemann Heinrich Reinhardt das Anwesen und richtete dort einen Sommersitz ein. Heinrich Reinhardt war seit 1815 Bürgermeister der Nachbarstadt Kamen.

Im Oktober 1833 wechselte das Landgut erneut seinen Besitzer. Der Landwirt Ludwig Hammerschmidt aus Hamm erwarb Haus Rünthe zum Preis von 6.150 Talern. Er übernahm von 1850 bis 1857 das durch die preußische Landgemeindeordnung erst wenige Jahre zuvor geschaffene Amt des Gemeindevorstehers in Rünthe, hatte aber keinen wirtschaftlichen Erfolg mit dem Landgut. Im April 1862 wurde Haus Rünthe im Rahmen einer Versteigerung an den Kaufmann Lehmann Koppel Bamberger zum Preis von 22.906 Talern verkauft. mini|Todesanzeige von Gutsbesitzer Stephan Witte, 1899 Er veräußerte das Gut schon wenige Monate später gewinnbringend an den Fabrikantensohn Stephan Witte aus Iserlohn. Mit ihm kam Haus Rünthe zu einer neuen Blüte. Witte hatte nicht nur ein Faible für die Landwirtschaft, sondern auch genug finanzielle Ressourcen, um durch zusätzliche Landkäufe das Anwesen neu zu arrondieren. Im Jahr 1876 ließ er die repräsentative Villa bauen, die noch heute als Haus Rünthe bekannt ist. Als Witte im Februar 1899 starb, verkaufte seine Witwe Anna das Gut mit 36 Hektar Land für 100.000 Reichsmark an den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, der für seine Arbeiter auf der in der Nachbarstadt gelegenen Zeche Werne dringend Wohnraum schaffen musste.

20. Jahrhundert Ab 1900 war Haus Rünthe Dienstwohnsitz der jeweiligen Direktoren der Zeche Werne. Auf den Ländereien entstand die erste Arbeitersiedlung des Bergwerks, im Volksmund deshalb „Alte Kolonie“ genannt. Auf Haus Rünthe lebten in chronologischer Reihenfolge bis zur Schließung der Schachtanlage die Direktoren Carl Eickelberg, Heinrich Hummelsiep, Albrecht von Bardeleben, Siegfried Maiweg und Hans Domke. Nachdem im Jahr 1923 der finanziell angeschlagene Georgs-Marien-Verein von den Klöckner-Werken übernommen wurde, etablierte sich für das Haus die volkstümliche Bezeichnung „Klöckner-Villa“. mini|Haus Rünthe im Jahr 1791 Einen erhellenden Beitrag zur Geschichte von Haus Rünthe leistete der Westfälische Anzeiger in seiner Ausgabe vom 21. März 1941. Die Tageszeitung veröffentlichte eine wiederentdeckte Zeichnung des Landguts aus dem Jahr 1791. Die vermutlich älteste Darstellung von Haus Rünthe zeigte ein typisch westfälisches Gehöft, das mit herrschaftlicher Pracht nicht viel gemein hatte. In dem ortsgeschichtlichen Beitrag wurde außerdem vermerkt, dass die verlandete Gräfte der früheren Wasserburg noch zu Beginn der 1930er Jahre gut zu erkennen gewesen sei.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bezogen alliierte Militärstreitkräfte ihr Quartier auf Haus Rünthe, zunächst Amerikaner, dann Briten.

Mit der Schließung der Zeche Werne im Jahr 1975 endete auch das Kapitel von Haus Rünthe als „Direktorenvilla“. Die Immobilie wurde in private Hände verkauft. 1988 erfolgte die Unterschutzstellung als Baudenkmal. Heute ist Haus Rünthe Ausgangspunkt für beliebte Wanderungen im Naturschutzgebiet Lippeauen. Hinter dem Anwesen liegt die mit ihrem Silberweidenwald landschaftlich reizvolle „Mittlake“ an den Ufern der Lippe.

Literatur Martin Litzinger: Rünthe – Gemeinde zwischen Lippe und Bever. Stadt Bergkamen, Bergkamen 2005, ISBN 3-929675-06-4.

Weblinks

Manuel Izdebski: Der Kohlebaron von Haus Rünthe: Erinnerungen an Siegfried Maiweg Manuel Izdebski: Denkmal Haus Rünthe: Bürgerliche Pracht auf vormals feudalem Herrensitz

Einzelnachweise

Kategorie:Baudenkmal in Bergkamen Kategorie:Bauwerk in Bergkamen