Die dunkle Seite des Herzens ist ein argentinisch-kanadischer surrealistischer Spielfilm, der von Eliseo Subiela geschrieben und inszeniert wurde und in dem Darío Grandinetti, Sandra Ballesteros, Nacha Guevara, André Mélançon y Jean Pierre Reguerraz die Hauptrollen spielen. Die Kinopremiere fand am 21. Mai 1992 statt. In Deutschland kam der Film am 22. Januar 1998 in die Kinos.

Die Handlung des Films basiert größtenteils auf Gedichten von Oliverio Girondo, in geringerem Maße auch auf Gedichten von Mario Benedetti und Juan Gelman.

Handlung

Oliverio Fernández ist ein junger, bohemienhafter Dichter, der nicht erwachsen werden will und etablierte Ordnung sowie ein geordnetes Leben verachtet. Er ist auf der Suche nach der Frau seiner Träume. Zwar kreuzen viele Frauen seinen Lebensweg, doch für keine von ihnen kann er Interesse aufbringen. Zu Beginn sehen wir ihn im Bett sitzen und Gedichte rezitieren, während eine zurückhaltende Frau neben ihm liegt und ihn beobachtet. Er deklamiert sein Lieblingsgedicht von Oliverio Girondo, das besagt, dass er alles bei einer Frau akzeptieren würde, „aber eins ist klar, und da bin ich unbeugsam: Ich werde es ihr niemals verzeihen, wenn sie nicht fliegen kann“. Auf seinem Nachttisch befindet sich ein Knopf. Wenn Oliverio ihn drückt, öffnet sich die Seite des Bettes, auf der die Frau liegt. Sie stürzt in die Tiefe und verschwindet für immer.

Während seiner Streifzüge durch Buenos Aires trifft Oliverio jedoch immer wieder auf eine bestimmte Frau, die ihn verfolgt. Es ist die allegorische Darstellung des Todes, die durch eine schöne Frau in Schwarz verkörpert wird. Sie drängt ihn, sich eine Arbeit zu suchen und ein normales Leben zu führen. Er verabscheut und verspottet sie, führt aber dennoch Gespräche mit ihr und streitet sich mit ihr.

Oliverio streift durch die Stadt mit seinen Freunden, ein kanadischer Literaturprofessor, der sich in Argentinien niedergelassen hat, „um dem Fortschritt zu entfliehen“, sowie ein Bildhauer, der riesige Darstellungen von Genitalien produziert und sich dadurch immer wieder mit dem Gesetz in Schwierigkeiten bringt. Oliverio gesellt sich zu den Bettlern an der Ampel. Er trägt Gedichte durch die geöffneten Fenster der wartenden Autos vor und erhält dafür manchmal ein paar Münzen. Oder er tauscht Gedichte gegen Essen am Imbisswagen ein, dessen Besitzer sie dann bei seiner Angebeteten als eigene präsentiert. Wenn es sich jedoch nicht mehr vermeiden lässt, verdingt er sich als Werbetexter in Montevideo, um die Miete für sein Zimmer bezahlen zu können. Dafür muss er regelmäßig die Fähre nehmen, um den Río de la Plata zu überqueren. In Montevideo besucht er oft den Nachtclub „Sefiní“, in dem er sich in die selbstsichere und belesene Prostituierte Ana verliebt.

Buchstäblich reißt sich Oliverio das pochende Herz heraus, um es Ana auf einem Tablett darzureichen. Während ihrer sexuellen Begegnung erhebt sich das Paar zunächst langsam über dem Bett, um schließlich im Flug über der Stadt zwischen den Laken zu schweben. Aber Ana weiß, dass sie mit Oliverio weder für sich selbst noch für ihre Tochter ein glückliches Leben finden wird. Nach einer Liebesnacht liegt sie neben dem schlafenden Oliverio im Bett und denkt nach. Schließlich drückt sie den Knopf auf ihrem Nachttisch, wodurch sich die Seite des Bettes öffnet, auf der Oliverio liegt, und er stürzt in die Tiefe.

Ana fasst den Entschluss, ihr Leben nicht mit einem Mann zu teilen, sondern mit ihrer Tochter ein neues Leben in Europa zu beginnen. Nachdem die beiden das Land mit dem Flugzeug verlassen haben, sucht Oliverio weiter nach der Frau seiner Träume. Er sieht eine Unbekannte, die allein an einem Tisch in einem Café sitzt und einen Lyrikband liest. Dann setzt er auf seine bewährte Strategie: Er setzt sich ohne zu fragen neben sie und trägt ihr, während er ihr in die Augen blickt, ein Gedicht vor. Die Frau hört ihm zu und antwortet schließlich mit ihrem eigenen Gedicht. Darin besagt sie, dass sie alles bei einem Mann akzeptieren kann, „aber eins ist klar, und da bin ich unbeugsam: Ich werde es ihm niemals verzeihen, wenn er nicht fliegen kann“.

Hintergrund und Verweise

Die Handlung des Films basiert größtenteils auf Gedichten von Oliverio Girondo, in geringerem Maße auch auf Gedichten von Mario Benedetti und Juan Gelman. Die Verse dieser drei Dichter werden den Protagonisten an verschiedenen Stellen des Films in den Mund gelegt, insbesondere Oliverio, und bestimmen den inneren Monolog oder den Dialog zwischen ihnen. Mario Benedetti ist in einem Cameo-Auftritt als ausländischer Handelsmarineoffizier zu sehen und trägt eines seiner Gedichte selbst auf Deutsch vor.

Der Name der Hauptfigur "Oliverio Fernández" vereint die literarischen Vorreiter Oliverio Girondo und Macedonio Fernández in sich. Auch wenn die Figur des Oliverio nicht direkt von Horacio Oliveira, dem Protagonisten des Romans Rayuela, inspiriert ist, strahlt der Film eine bohemische, existenzialistische und poetische Atmosphäre aus, die an die Werke von Julio Cortázar erinnert. Der Name des Nachtclubs in Montevideo „Sefiní“ ist der Titel eines der vorgetragenen Gedichte von Juan Gelman.

Das Epigraph des Filmes sind die letzte zwei Zeilen des Gedichts von 1938 Should Lanterns Shine von Dylan Thomas:

Der Film enthält eine Referenz auf einem anderen Film von Eliseo Subiela: Während einer Fahrt mit der U-Bahn sieht Oliverio die Hauptfiguren von Letzte Bilder eines Schiffbruchs, Roberto und Estela, die schweigend und traurig auf der anderen Seite des Waggons stehen.

Kritik

Claus Löser schrieb in seiner Kritik für das Lexikon des internationalen Films, der Film sei wie ein Gedicht konzipiert, bei dem die realistische Erzählweise übergangslos ins Phantasmagorische wechselt. Die Logik von Raum und Zeit wird aufgehoben, und die Atmosphäre wird gleichberechtigt von surrealen und naturalistischen Momenten getragen. Er hob das hohe Maß an Selbstironie hervor, das dem Film seine eigene Handschrift verleiht, den Machismo von Oliverio und seinen Freunden relativiert und ihn überhaupt erst erträglich macht. Der Film zeigt, dass „kleine“ Filmnationen wie Argentinien trotz widriger materieller Umstände immer wieder an ihre langen Traditionen ästhetischer Autonomie anknüpfen können.

Auszeichnungen

Festival des Films du Monde, Montreal, 1992 "Grand Prix des Ameriques" Festival de Cine Latinoamericano de Biarritz, 1992 "Soleil d'or" Bester Schauspieler "Soleil d'or" Beste Schauspielerin Festival de Cine Iberoamericano de Huelva, 1992 "Carabela de Plata", Kritikerpreis XIV Internationales Festival des Neuen Lateinamerikanischen Films, La Habana "Coral" Bester Schauspieler Preise "Sur" des Instituto Nacional de Cinematografía, Argentina Beste Regie Beste Kamera Beste künstlerische Leitung Beste Montage 43° Internationale Filmfestspiele Berlin, 1993 Preis der Leserjury der Berliner Zeitung Festival Internacional de Cine de Cartagena, Colombia Beste Regie Beste Kamera Preis der Kritikerjury Cinoche - Festival du film international de Baie-Comeau, Canadá, 1993 Bestes Drehbuch Festival du Film de Sept-Îles, Canadá Bester Film Cóndor de Plata Preise des argentinischen Verbands der Filmkritiker Beste Regie Beste Montage Beste künstlerische Leitung Beste Nachwuchsdarstellerin Bergamo Film Meeting, Italia, 1993 Preis "Rosa Camuna" für den bester Film Preise der Leserjury der Zeitschrift "Sin Cortes", Buenos Aires, 1993 Bester Film Bestes Drehbuch Beste künstlerische Leitung Beste Filmmusik Beste Nachwuchsdarstellerin Preis Argentores, 1993 Bestes Drehbuch Filmfestival von Gramado, Brasil, 1993 Beste Regie Bester Schauspieler Beste Filmmusik

Fortsetzung

Im Jahr 2001 kam El lado oscuro del corazón 2 in die Kinos, eine spanisch-argentinische Koproduktion, die erneut von Eliseo Subiela geschrieben und inszeniert wurde, und in der Darío Grandinetti, Sandra Ballesteros, Ariadna Gil und Nacha Guevara die Hauptrollen spielten. Der Film feierte am 5. Juli 2001 Premiere.

Weblinks

El lado oscuro del corazón en Cine Nacional

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1992 Kategorie:Argentinischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Liebesfilm Kategorie:Fantasyfilm