Sian Kingi (* 16. Dezember 1974; † 27. November 1987) war ein zwölfjähriges neuseeländisch-australisches Mädchen maorischer Abstammung, das im November 1987 im australischen Noosa (Queensland) entführt, vergewaltigt und ermordet wurde. Das Ehepaar Barrie John Watts und Valmae Faye Beck wurde 1988 wegen des medial stark beachteten Verbrechens verurteilt. Watts erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung. Beck hätte nach 14,5 Jahren auf Bewährung entlassen werden können, starb jedoch im Gefängnis.

Das Verschwinden Am Freitag, den 27. November 1987, wurde die zwölfjährige Schülerin Sian Kingi gegen 16:30 Uhr zuletzt gesehen, als sie nach der Schule auf ihrem gelben Zehngang-Fahrrad in der Nähe des Pinnaroo Parks in Noosa Heads auf dem Heimweg war. Kurz zuvor hatte Kingi noch mit ihrer Mutter eingekauft und danach ihren üblichen Heimweg durch den Park genommen. Als die Mutter zu Hause eintraf und ihre Tochter nicht vorfand, vermutete sie zunächst, dass diese noch Schulfreunde getroffen hatte oder sich das Training ihrer Volleyballmannschaft verzögert hatte. Als Kingi auch später nicht zurückkehrte, rief die Mutter erfolglos bei ihren Freunden an. Gegen 20:00 Uhr machten sich die Eltern selbst auf die Suche und gingen die mutmaßliche Route ab. Nachdem sie das zurückgelassene Fahrrad im Park gefunden hatten, meldeten sie das Verschwinden ihrer Tochter bei der örtlichen Polizei.

Die Ermittlungen Trotz der späten Meldung gelang es der Polizei, noch am folgenden Tag eine Vermisstenanzeige für Kingi in der Zeitung zu schalten. Zudem begannen die Ermittler damit, Informationen über Personen zu sammeln, die sich zum Zeitpunkt des Verschwindens im Park aufgehalten hatten. Die Ermittlungen gestalteten sich jedoch schwierig, bis am 3. Dezember 1987 Kingis Leiche entdeckt wurde. Sie lag 15 Kilometer entfernt in einem ausgetrockneten Bachbett im Tinbeerwah Mountain State Forest (dem heutigen Tewantin-Nationalpark).

Der Fokus der Ermittlungen richtete sich daraufhin auf einen staubigen, nicht näher identifizierten weißen Kombi des Typs Holden Kingswood (Modelljahr 1973) mit einem Kennzeichen eines anderen Bundesstaates, der in der Gegend gesehen worden war. In den folgenden Wochen, während die Polizei Beweise sammelte, wurden zahlreiche weitere Vorfälle mit dem Fahrzeug in Verbindung gebracht (obwohl die genauen Beschreibungen des Wagens oft variierten), darunter das verdächtige Verhalten des Fahrers sowie drei weitere Übergriffe. Als Halterin des Fahrzeugs mit dem victorianischen Kennzeichen LLE-429 wurde schließlich Valmae Beck identifiziert. Beck und ihr Ehemann Barrie Watts, die ein Jahr zuvor geheiratet hatten, hatten zuvor in Perth gelebt, waren dann nach Victoria gezogen und hatten schließlich ein Haus in Lowood (Queensland) gemietet. Beide waren einschlägig vorbestraft und befanden sich zu diesem Zeitpunkt gegen Kaution auf freiem Fuß.

Als die Polizei das Anwesen in Lowood am 11. Dezember durchsuchte, deuteten die Spuren darauf hin, dass Watts und Beck das Haus letztmalig am 4. Dezember, dem Tag, an dem die Entdeckung der Leiche bekannt wurde, aufgesucht hatten. Abgeschnittene Haare und Haarfärbemittel wiesen darauf hin, dass beide ihr Aussehen verändert hatten. Ein entscheidender Hinweis auf den Aufenthaltsort von Watts und Beck war eine Postanweisung für die Miete, die der Vermieter am 10. Dezember von dem Paar aus New South Wales erhalten hatte. Zivilfahnder konnten das Paar dort am 12. Dezember lokalisieren und festnehmen. Am 14. Dezember wurden sie nach Queensland ausgeliefert.

Am 15. Dezember wurde das Ehepaar wegen Entführung, Vergewaltigung und Mordes an Kingi angeklagt. Während Watts bei den Vernehmungen die Aussage verweigerte, zeigte sich Beck gesprächiger. Durch Becks Aussagen und heimliche Tonaufnahmen aus ihren nebeneinander liegenden Gefängniszellen gelang es den Ermittlern, das Verbrechen zu rekonstruieren. Beck erklärte, dass Watts, der mit ihrem Aussehen unzufrieden war, weil sie zehn Jahre älter war als er, davon fantasiert hatte, eine junge Jungfrau zu vergewaltigen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen bei anderen Opfern in Ipswich wurden sie auf Kingi aufmerksam. Beck sprach das Mädchen unter dem Vorwand an, sie suche nach ihrem entlaufenen Pudel. Als Kingi vom Fahrrad stieg, um zu helfen, packte Watts sie von hinten und zwang sie auf die Rückbank ihres Autos. Dort wurde sie gefesselt, woraufhin Beck den Wagen nach Tinbeerwah steuerte. Dort wurde Kingi von Watts vergewaltigt, bevor sie erstochen, erwürgt und am Tatort zurückgelassen wurde.

Das Gerichtsverfahren Bei einer ersten Anhörung zur Feststellung der Anklageerhebung (committal hearing) im April 1988 bekannte sich Beck der Entführung und Vergewaltigung für schuldig, plädierte im Fall des Mordes jedoch auf nicht schuldig. Watts hingegen plädierte in allen Anklagepunkten auf nicht schuldig. Die Prozesse gegen das Ehepaar wurden getrennt vor dem Noosa Magistrates Court verhandelt, wobei sich die Anklage maßgeblich auf Becks Aussage stützte. Becks Prozess begann im Oktober 1988, der von Watts im Februar 1990. Beck wurde am 20. Oktober 1988 schuldig gesprochen und zu drei Jahren, fünf Jahren sowie zu lebenslanger Haft für die drei Anklagepunkte verurteilt. Watts, der sich während des gesamten Verfahrens teilnahmslos zeigte, wurde am 28. Februar 1990 schuldig gesprochen und erhielt für die drei Anklagepunkte Strafen von drei Jahren, fünfzehn Jahren sowie eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Weitere Entwicklungen Watts Während des Prozesses wurde bekannt, dass Barrie Watts ein Waisenkind mit einer langen Kriminalakte war, der Beck 1983 kennengelernt und sie 1986 in Perth geheiratet hatte. Im Jahr 1995 stand er wegen des Mordes an Helen Mary Feeney vor Gericht, die zuletzt am 29. Oktober 1987 – einen Monat vor dem Mord an Kingi – lebend gesehen worden war. Das Verfahren wurde jedoch aus Mangel an Beweisen eingestellt. Im Jahr 2007 gestand Watts schließlich seine Beteiligung am Mord an Sian Kingi, in dem letztlich erfolglosen Versuch, seine Chancen auf eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung zu verbessern. Bis heute wurden sämtliche seiner Bewährungsanträge, zuletzt im Oktober 2021, von der zuständigen Justizbehörde mit Verweis auf das weiterhin bestehende hohe Risiko für die Allgemeinheit abgelehnt.

Beck Valmae Beck hatte drei ältere Brüder und begann bereits im Alter von zwölf Jahren in einer Bekleidungsfabrik zu arbeiten. Mit fünfzehn Jahren wurde sie infolge elterlicher Vernachlässigung unter staatliche Fürsorge gestellt und verbrachte zwischen 1961 und 1972 einen Großteil der Zeit wiederholt im Gefängnis. Vor ihrer Beziehung mit Watts hatte Beck aus zwei früheren Ehen sechs Kinder.

Im Gefängnis wurde Beck von Mitgefangenen gezielt schikaniert und häufig angegriffen. Bei einem Vorfall wurde sie mit einer in einen Strumpf gesteckten Konservendose am Kopf getroffen und schwer verletzt. Während ihrer Haft in Perth lernte sie die Serienmörderin Catherine Birnie kennen, die sie inspiriert haben soll. Später musste Beck in das Townsville Correctional Centre verlegt werden. Zudem soll sie in dieser Zeit zum Christentum konvertiert sein. 1990 ließ sie sich von Watts scheiden und erklärte, sie bereue alles, was sie jemals gemeinsam mit ihm getan habe. Im Jahr 1993 begann sie eine Beziehung mit Robert John Fardon, einem verurteilten Vergewaltiger.

Beck beantragte dreimal erfolglos eine vorzeitige Haftentlassung. 2007 wurde bekannt, dass sie ihren Namen rechtlich in Fay Cramb geändert hatte. Berichten zufolge freundete sie sich während deren Haft im Jahr 2003 mit Pauline Hanson an. Im Mai 2008 wurde Beck nach einer Herzoperation im Townsville Hospital in ein künstliches Koma versetzt. Die Polizei hoffte, noch ein Sterbebettgeständnis zu drei weiteren ungeklärten Frauenmorden im Raum Brisbane zu erhalten, doch Beck starb am 27. Mai 2008, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Medien Eine Folge der Dokumentarreihe Crime Investigation Australia widmete sich dem Fall.

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