mini|Leo Goldberger (2007) Leo (Lavoslav) Goldberger (* 28. Juni 1930 in Vukovar) ist ein dänisch-US-amerikanischer Psychologe und emeritierter Professor an der New York University.Berkshire Jewish Voices: My Coming to America by Dr. Leo Goldberger vom 16. März 2021, abgerufen am 13. Mai 2026.Danish Jews Escape to Sweden, Holocaust Survivor Leo Goldberger USC Shoah Foundation auf YouTube, abgerufen am 14. Mai 2026.
Leben Er wurde in Vukovar (Königreich Jugoslawien) in einer orthodoxen jüdischen Familie geboren und verbrachte dort seine ersten beiden Lebensjahre. Sein Vater Eugene Goldberger, geboren in Pressburg, war ein klassisch ausgebildeter Opernsänger, der Kantor in der Synagoge Vukovar war. Seine Mutter Helen (ungar. Ilona, geb. Berkovits) wurde in Debrecen in Ungarn geboren. Er wuchs mit drei Brüdern auf. Da sein Vater eine andere Stelle in Troppau bekam, übersiedelte die Familie nach Tschechien. 1934 verließen sie Tschechien, da sie sich von dem aufkommenden Nationalsozialismus bedroht fühlten und zogen nach Kopenhagen. Am 9. April 1940 wurde Dänemark von den Nationalsozialisten überfallen, seine Familie und er flohen im Zusammenhang mit der Rettung der dänischen Juden auf einem Fischerboot im Oktober 1943 nach Schweden und er verbrachte dort seine Schuljahre sechs bis acht an der Dänischen Schule in Göteborg. Nach Kriegsende kehrte er mit seiner Familie am 6. Juni 1945 nach Dänemark zurück und wanderte dann 1947 nach Kanada aus, da seinem Vater eine attraktive Stelle als Oberkantor in Montreal angeboten wurde.Aaron Simon Gross: Danish fishermen helped Leo Goldberger’s family escape the Nazis. His Holocaust survival story is now part of an exhibit at the Museum of Jewish Heritage in N.Y.C. auf Museum of Jewish Heritage vom 27. Oktober 2023, abgerufen am 14. Mai 2026.
Während seines Studiums an der McGill University wurde er von der kanadischen Polizei des Landes verwiesen, er war mit seinem dänischen Pass und einem Transitvisa für Neufundland eingereist und hatte die Zeit der Gültigkeit seines Visums weit überschritten. 1951 erlangte er seinen B.A. in Psychologie an der McGill University. In dieser Zeit arbeitete er als Freelancer bei dem International Service des Canadian Broadcasting und produzierte Sendungen für die Dänen über Kanada. Er verblieb dort für ein weiteres Jahr im Rahmen eines Aufbaustudiums am Fachbereich von Donald O. Hebb und wurde Teil des sich gerade formierenden Forschungsfeldes der sensorischen Deprivation.
1952 zog er in die USA und arbeitete als Mitglied eines interdisziplinären Teams im „Human Ecology Program“ am NY Hospital-Cornell-Medical Center. Anschließend trat er 1956 als wissenschaftlicher Mitarbeiter dem „Research Center for Mental Health“ (RCMH) an der New York University bei. In Zusammenarbeit mit Robert R. Holt und George S. Klein des RCMH führte er dort Experimente zu den Themen Persönlichkeit, sensorische Deprivation, LSD, kognitiver Stil und unterschwellige Wahrnehmung durch – finanziert unter anderem durch seinen auf fünf Jahre angelegten „NIMH-Research Career Development Award“. 1958 promovierte er zum Ph.D. Nach seiner Promotion wurde er zum Assistenzprofessor und festen Mitarbeiter des Research Center for Mental Health (RCMH) ernannt. Nachdem er 1959 die US-Staatsbürgerschaft erlangt hatte, leistete er seinen Militärdienst als ziviler Forscher für die US Air Force, wobei er Simulationsstudien zur Unterstützung des Mercury-Astronauten-Auswahlprogramms durchführte. Seinen Abschluss in Psychoanalyse machte er 1967 an dem New York Psychoanalytic Institute. 1967 stieg er zum stellvertretenden Direktor des RCMH auf und übernahm schließlich 1971 die Leitung des Zentrums, die er bis zu dessen Auflösung innehatte. Innerhalb der Fakultät der NYU durchlief er die akademischen Stufen vom Assistenzprofessor über den ordentlichen Professor und wurde schließlich Professor Emeritus.
Werk Als Psychologe ist er für seine Arbeiten zu sensorischer Deprivation, Persönlichkeit, Stress und Stressbewältigung sowie für seine Schriften über die Rettung der dänischen Juden während des Holocaust bekannt. Am New York Hospital-Cornell-Medical Center untersuchte er den Stress, dem chinesische Staatsbürger ausgesetzt waren, die nach der kommunistischen Revolution in China in den USA gestrandet waren. Seine Studie „Ein Vergleich von Isolationseffekten und ihren Persönlichkeitskorrelaten in zwei divergenten Stichproben“ ergab, dass acht Stunden perzeptueller Isolation je nach individueller Persönlichkeit unterschiedliche Wirkungen hervorriefen, wobei zwischen Studierenden und Schauspielern abweichende Reaktionen beobachtet wurden. Die Untersuchung zeigte, dass die Anfälligkeit für Isolation – etwa in Form des Erlebens lebhafter bildlicher Vorstellungen – mit Persönlichkeitsfaktoren wie der Fähigkeit zur Toleranz gegenüber unlogischem Denken verknüpft war, wobei die Schauspieler im Vergleich zu den Studierenden deutlich andere Reaktionsmuster aufwiesen. Seine Studien zu den Persönlichkeitsfaktoren Neurotizismus und Extraversion zeigten, dass Personen mit ausgeprägtem Neurotizismus und geringer Extraversion tendenziell ein höheres Ausmaß an wahrgenommener Isolation und Einsamkeit erleben. In seiner Studie zum Thema Kognitiver Stil (leveler vs. sharpener) zeigte er, dass Personen, die eine hohe Toleranz für regressives, unlogisches Denken aufwiesen, durch Isolation weniger stark belastet waren. Persönlichkeitsmerkmale spielen auch eine bedeutende Rolle dabei, wie Individuen die Diskrepanz zwischen sozialer Isolation und dem Gefühl der Einsamkeit erleben.
Ehrungen/Positionen 1993: Dannebrogorden (Ritterkreuz), verliehen von Königin Margrethe II. von Dänemark Chefredakteur der Zeitschrift „Psychoanalysis and Contemporary Thought“ Mitherausgeber des „Handbook of Stress“ Gründer und Gesamtherausgeber von „Psychoanalytic Crosscurrents“ und „Essential Papers in Psychoanalysis“ (Buchreihen der New York University Press)
Privates Er hatte kurz nach seinem B.A. zum ersten Mal geheiratet; diese Ehe wurde nach 7 Jahren geschieden. Seit 1970 ist er mit Nancy (geb. Ruhl) verheiratet; im gleichen Jahr bekamen sie ihre Tochter Jessica, heute Professorin für Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Washington State University in Pullman.
Publikationen (Auswahl) Monografien The Rescue of the Danish Jews: Moral Courage under Stress. NYU Press, New York City 1988, ISBN 978-0-8147-3011-9. Mit Harriet Linton Barr; Robert J. Langs; Robert R. Holt; George S. Klein: LSD: Personality and Experience with (Wiley Interscience). John Wiley and Sons, New York 1972, ISBN 978-0-471-05403-0. Mit Robert R. Holt: A comparison of isolation effects and their personality correlates in two divergent samples. United States. Air Force, Aerospace Medical Laboratory (U.S.). New York University, Research Center for Mental Health 1961. Studies on the Effects of Perceptual Alteration. Biomedical Laboratory, Aerospace Medical Laboratory, Aeronautical Systems Division, Air Force Systems Command, United States Air Force 1961. Individual differences in the effects of perceptual isolation as related to Rorschach manifestations of the primary process. University Microfilms 1958.
Herausgeberschaften Mit Robert S. Wallerstein: Ideas and identities. The life and work of Erik Erikson. International Universities Press, Boston 1998, ISBN 978-0-8236-2445-4. Mit Shlomo Breznitz: Handbook of Stress: Theoretical and Clinical Aspects. The Free Press, Washington, DC 1993, ISBN 978-0-02-912035-4. Mit Viktor H. Rosen: Psychoanalysis and contemporary science. An annual of integrative and interdisciplinary studies. International Universities Press, Boston 1975.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge The Danish School in Gothenburg 1943–1945. In: Rambam. Tidsskrift for jødisk kultur og forskning, 2020, 29. Mit Maxine J. Antell: The Effects of Subliminally Presented Sexual and Aggressive Stimuli on Literary Creativity. In: Advances in Psychology, 1986, 38, S. 75–92. Mit M. H. Rock: Level of ego development and psychotherapy outcome in phobic patients. In: The British journal of medical psychology, 1981, 54 (4), S. 319–328. A Remedy for the Dis-ease in Psychiatry? In: PsycCRITIQUES, 1978, 23 (11), S. 930–931. Mit D. J. Fitzgibbons: Task and social orientation: a study of field dependence, "arousal," and memory for incidental material. In: Perceptual and motor skills, 1971, 32 (1), S. 167–74. Experimental Isolation: an overview. In: Am J. Psychiatry , 1966, 122 (7), S. 774–782. The Rescue of the Danish Jews: Moral Courage under Stress. In: The Bridge, 1990, 3 (1), Article 12. Mit Richard D. Block: Tonic, phasic and cortical arousal in Gilles de la Tourette's syndrome. In: Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry, 1985, 48, S. 535–544. Mit Lawrence E. Hinkle; John W. Gittinger; Adrian M. Ostfeld; Rhoda Bubendey; M. Metraux; P. Richter; Harold G. Wolff: Studies in human ecology: factors governing the adaptation of Chinese unable to return to China. In: Proceedings of the annual meeting of the American Psychopathological Association. 1985, S. 170–186. Earliest Memories: Adlerians' TAT: In: PsycCRITIQUES, 1981. Mit Laura Primakoff: Cardiac Response to Internally and Externally Elicited Stressful Imagery as a Function of Field Dependence. In: Perceptual and Motor Skills, 1976, 42 (3 suppl), S. 1295–1304. Sensory Deprivation: Fifteen Years of Research. In: Archives of General Psychiatry, 1970 Reactions to Perceptual Isolation and Rorschach Manifestations of the Primary Process. In: Journal of Projective Techniques, 1961, 25 (3), S. 287–302. Studies in Human Ecology. In: American Journal of Psychiatry, 1957. Mit L. D. Goodstein: Manifest anxiety and Rorschach performance in a chronic patient population. In: Journal of Consulting Psychology, 1955, 19 (5), S. 339–344. Mit Lawrence E. Hinkle, JR.; Norman Plummer; Rhoda Metraux; Peter Richter; John W. Gittinge William N. Thetford; Adrain M. Ostfiel; Franvcis D. K; William E. Mitchell; Hope Leichter, Ruth Pinsky; David Goedbel; Irwin D. J. Bross; Haroldf G. Wolff: Studies In Human Ecology : Factors Relevant to the Occurrence of Bodily Illness and Disturbances in Mood, Thought and Behavior in Three Homogeneous Population Groups. In: American Journal of Psychiatry, 1957, 114 (3), S. 212–220.
Weblinks
Leo Goldberger auf Prabooks, abgerufen am 14. Mai 2026.
Einzelnachweise
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