mini|Dunja Evers (2021) Dunja Evers (* 1963 in Hamburg) ist eine deutsche Künstlerin, die in Malerei, Film und Fotografie tätig ist.

Leben und Arbeit Dunja Evers studierte Anfang der 1980er Jahre an der Akademie der bildenden Künste Wien (Meisterklasse Arnulf Rainer) und begann Mitte der 1980er Jahre mit fotografischen, filmischen und darstellerischen Arbeiten. Sie erhielt Arbeitsstipendien unter anderem des Stiftung Kulturfonds der neuen Bundesländer, des Goethe-Instituts (Marseille 1985) und des Berliner Kultursenats (1989).

1986 zog Evers nach Berlin und 1995 nach Düsseldorf, wo sie seither lebt. Von 1996 bis 2001 und 2005 hatte sie eine Lehrauftragsstelle für Fotografie an der Universität Dortmund; 1997 war sie Gastprofessorin an der University of California in Santa Barbara. 2004 war sie Gastlektorin am Rochester Institute of Technology in New York City. 2012 folgte ein Arbeitsaufenthalt als Artist-in-Residence in Osaka (Japan). Daneben entstanden zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

2019 eröffnete Evers gemeinsam mit ihrem Partner, dem Künstler Thomas Mass, die Galerie basedonart in Düsseldorf, welche sich auf internationale zeitgenössische und vormoderne asiatische Kunst sowie auf antike Keramik spezialisierte.

Arbeitsweise Sie verbindet in ihren Arbeiten Fotografie, Film und Malerei zu komplexen Bildserien: Evers isoliert kurze Sequenzen aus Super-8-Filmen und belichtet diese mit stark verlängerter Belichtungszeit auf Negativen, wodurch sich die zeitliche Abfolge als diffuse Überlagerung im Bild niederschlägt. Anschließend färbt sie die Abzüge in mehreren Schichten mit intensiven Eiweißlasurfarben auf Aluminiumträgern ein. Ihre Werke erscheinen zunächst wie monochrome Farbtafeln; erst beim Näherkommen zeichnen sich schemenhaft Landschafts- oder Porträtmotive ab. Kritiker beschreiben diese Bilder als Hybride zwischen Fotografie und Malerei, die transitorische Zustände von Wahrnehmung und Vergänglichkeit thematisieren.

Ihre Porträts gelten als anonymisierte „Seelenbilder“, reduziert auf Wesentliches und von Vergehen und Zeit gezeichnet. Typische Themen sind dabei Wahrnehmung und Erinnerung. So hebt der Ausstellungskatalog We Are Not Alone (2009) hervor, dass Evers’ Arbeiten die Gattungsgrenzen zwischen Malerei, Film und Fotografie aufheben und dem Betrachter neue Sehweisen eröffnen würden. Ihr „Zwischenreich“ aus faktisch fotografischer Grundlage und malerischer Abstraktion schafft laut Kritik eine irritierende, träumerische Atmosphäre.

Mit der Ausstellung Fermenting John Wayne im Schloss Morsbroich, welche 2023 eröffnet wurde, stellte sie eine neue Arbeitsweise vor, in der sie statt Pinsel oder Kamera probiotische Pilzkulturen und Bakterien nutzte, in die sie 35mm Filmstreifen erfolgreicher Kinofilme in Gläsern einlegte. Einige Werke entstanden auch durch das Überziehen von Portraits mit Salzkristallen.

Einzelausstellungen (Auswahl) 1994: innen, Ausstellungsraum Thomas Taubert, Düsseldorf 2001–2002: Zustände – Constellations, Fotomuseum Winterthur, Kunstmuseum Bonn und Kunstverein Göttingen 2004: i had a dream, Galerie Kuttnersiebert, Berlin 2008: Chamber of Horrors, Galerie Fiedler, Köln 2009: We Are Not Alone, Städtische Galerie Wolfsburg, Wolfsburg 2011: Sight and Appearance, numberthirtyfive Gallery, New York City 2012: FLAG ART EXCHANGE Düsseldorf X Osaka, Baikado, Osaka 2013: El Dorado, Galerie taubert contemporary, Berlin 2013–2014: fünf, Galerie Semina Rerum (Irene Preiswerk), Zürich 2023–2024: Fermenting John Wayne - a transformative project by Dunja Evers, Schloss Morsbroich, Leverkusen

Gruppenausstellungen (Auswahl) 1989: Photographie als Photographie, Berlinische Galerie, Martin-Gropius-Bau, Berlin 1991: 37 räume, Kunstwerke e.V., Berlin 1995: Positionen künstlerischer Photographie in Deutschland seit 1945, Berlinische Galerie, Martin-Gropius-Bau, Berlin 2002: heute bis jetzt – zeitgenössische Fotografie aus Düsseldorf Teil 1, Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2016: Das sind wir. Porträtfotografie 1996–2013, Berlinische Galerie, Berlin 2017: Mit anderen Augen – Das Porträt in der zeitgenössischen Fotografie, Kunstmuseum Bonn und Kunsthalle Nürnberg 2019: Color Mania. The Material of Color in Photography and Film, Fotomuseum Winterthur, Winterthur 2020: Kleine Geschichte(n)der Fotografie #2, Sprengelmuseum Hannover 2026: n+1., Kunststiftung DZ BANK, Frankfurt am Main

Werke in Sammlungen Die Werke von Dunja Evers sind in verschiedenen Kunstsammlungen vertreten, vor allem in Deutschland und der Schweiz. Dazu zählen das Museum Kunstpalast in Düsseldorf, das Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum, das Kunstmuseum Bonn und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K20, Düsseldorf). Auch das Fotomuseum Winterthur, die Bundeskunstsammlung und die Sammlung KiCo im Lenbachhaus München besitzen Arbeiten von ihr. Ebenso sind Abzüge im Bestand der Städtischen Galerie Wolfsburg und weiterer kommunaler Sammlungen vertreten.

Literatur Christofori, Ralf: „Dunja Evers – Zustände“. In: KUNSTFORUM international 160 (2002), S. 429. Gronert, Stefan; Stahel, Urs (Hrsg.): Dunja Evers – Zustände / Constellations. Ausstellungskatalog Fotomuseum Winterthur, Kunstmuseum Bonn. Steidl, Göttingen 2002. Bitterli, Konrad; Tietenberg, Annette (Hrsg.): Dunja Evers – We Are Not Alone. Ausstellungskatalog Städtische Galerie Wolfsburg. Kehrer Verlag, Heidelberg 2009. Berlinische Galerie (Hrsg.): Das sind wir. Porträtfotografie 1996–2013. Katalog. Hatje Cantz, Berlin 2016. Kunstmuseum Bonn (Hrsg.): Mit anderen Augen. Das Porträt in der zeitgenössischen Fotografie. Katalog. Wienand, Köln/Bonn 2017. Arbeiten in: Mit anderen Augen, Ausstellungskatalog (Bonn u. a. 2017), Das sind wir, Ausstellungskatalog (Berlin 2016).

Weblinks Website von Dunja Evers Dunja Evers auf photography-now.com Porträt über Dunja Evers auf fotomuseum.ch Porträt über Dunja Evers in der Rheinischen Post

Einzelnachweise

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