mini|250px|Peter Norlin in der Kajüte einer Albin 78 Cirrus Peter Norlin (* 7. Mai 1941 in Nacka; † 13. Dezember 2012 in Stockholm) war ein schwedischer Bauingenieur und Segelmacher, der als Autodidakt zu einem der bedeutendsten schwedischen Yachtkonstrukteure der 1970er bis 1990er Jahre wurde. Er prägte die „goldene Ära“ des skandinavischen Bootsbaus durch seine eleganten, schnellen und funktionalen Designs. Diese Zeit gilt heute als die „Goldene Ära des Yachtdesigns“ (Dick Carter).

Frühe Jahre und Ausbildung Peter Norlin wuchs in einer Stockholmer Seglerfamilie in Saltsjö-Duvnäs auf. Nach der Schule absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Bauingenieur. Aufgrund seiner Leidenschaft für den Segelsport gründete er eine Segelmacherei in Uppsala. In dieser Zeit begann er, eigene Ideen für moderne Rennyachten zu entwickeln.

Er bekam durch seine autodidaktische Methode einen ausgesprochen praktischen Zugang zum Bootsbau. Durch den bewussten Verzicht auf eine klassische Bootsbauer-Ausbildung entwickelte er sein Gespür für die richtige Bootsform stattdessen durch das physische Testen von Holzmodellen. Er formte in der heimischen Werkstatt die Modelle selbst und lernte durch Experimente. Diese Modellbaumethode war recht einfach, aber die Ergebnisse waren sehr präzise, da Ursache und Wirkung stark korrespondierten. Er erlangte so ein tiefes Verständnis für Materialien, Rumpf-Linien und -Proportionen. Diese Vorgehensweise, oftmals unter Verzicht auf computergestütztes Design, sollte seine gesamte Karriere prägen.

Internationaler Erfolg mit Scampi 30 Zum Ende der der 1960er Jahre setzte sich der Serienbau von Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) durch und moderne Fertigungsmethoden in den 1970er Jahren machten die Boote günstiger. Der französische Bootsbauer Michel Dufour erfand das Außenschale-Innenschale-Prinzip (Dufour 29) und die von der Automobilindustrie abgeschaute modulare Serienfertigung am Fließband ermöglichte den massenhaften Serienbau von Segelyachten. In ausgesprochenen Segelnationen wie Frankreich, aber besonders in den skandinavischen Ländern, waren das die Gründe für einen regelrechten Segelboom. Zur gleichen Zeit wurde die International Offshore Rule (IOR-Formel) als internationale Ausgleichsformel für seegehende Yachten entwickelt und belebte insbesondere die Tonner-Klassen, die so vergütungsfrei gegeneinander segeln konnten. Es entstanden viele neue Yachten, die heute als Klassiker gelten. mini|Scampi 30 mini|hochkant|Scampi 30 Peter Norlin gelang der internationale Durchbruch im Jahr 1969 mit seinem ersten Entwurf nach der IOR-Formel, dem Halbtonner Scampi 30 beim Halbtonner-Cup in Sandhamn. Das Besondere der Scampi war neben dem vergleichsweise geringen Gewicht eine ausgeprägte Kimmkante nur mittschiffs sowie der Finnkiel. Mit der Yacht gewann er dreimal in Folge den prestigeträchtigen Half Ton Cup, wobei er das Boot selbst steuerte. Dieser Titel-Hattrick machte ihn international bekannt.

Aufgrund des großen Erfolges auf der Regattabahn war die Nachfrage nach dem handlichen 30 Fuß langen (9,07 Meter) Boot enorm. Nach dem Debüt der Norlin-Konstruktion folgte die Scampi 30 Mark II. Sie wurde 1970 und 1971 vermutlich 50- bis 75-mal gebaut. Die Mark III Version entstand an vier Produktionsstätten, darunter in Japan, von 1971 bis 1973 etwa zweihundertmal. Von der Scampi Mark IV wurden bis Anfang der Achtzigerjahre 750 Exemplaren gebaut, insgesamt über 1000 Exemplare.

Peter Norlins Scampi 30 war in skandinavischen Gewässern überall präsent. Dank der sehr großen, günstig nach IOR vermessenen Genua, segelt die Scampi bereits bei wenig Wind sehr gut. Dank der stattlichen Breite segelt das Boot bei auffrischendem Wind sehr steif und aufrecht.

Nach dem internationalen Durchbruch mit der Yacht Scampi entwarf Norlin den Vierteltonner Albin Accent (Vierteltonner-Weltmeister 1974), genauso wie dann Amoress und im Jahr 1976 stellte er mit dem aus Holz gebauten Eintonner Agnes, den Klassensieger bei den US-amerikanischen Southern Ocean Racing Conference (SORC) Regatten. Norlins Dreivierteltonner Rainbow gewann die Weltmeisterschaft im Jahr 1979 und ging später als Albin Stratus in Serie.

Schöne Bootsformen und Vielseitigkeit als Markenzeichen Die Segler waren von der Schönheit der Yachtentwürfe aus Norlins Hand begeistert. Insbesondere die markant geneigten Vorsteven, schönen Decksprünge, eleganten Heckformen und niedrigen Aufbauten überzeugten die Kunden. Zeit seines Lebens blieb er seinem Credo „Clean lines sail fast“ () treu und schuf Yachtentwürfe, die Eleganz mit Schnelligkeit verbanden.

Swedish Entry Peter Norlins entwarf nicht nur schneller Hochseekreuzer für die Regattabahn, seine Karriere zeichnete sich vor allem durch außergewöhnliche Vielfalt aus. Er entwarf vom Mini-Zwölfer 2.4mR über die Albin Express und Schärenkreuzer bis hin zu den schwedischen Teilnehmern beim Whitbread Round The World Race 1981 (Swedish Entry, Norlin 61). Norlin entwarf Swedish Entry als ausgeprägte Rennyacht im Mini-Maxi-Format (61 Fuß = 18,47 m), die seinem Anspruch an schöne Linien und eine ausgewogene, kraftvolle Performance gerecht wurde. Die Yacht gab jedoch nach der harten dritten Etappe von Auckland nach Mar del Plata auf (DNF)Did Not Finish (). Swedish Entry gilt als Beginn des ernsthaften internationalen Engagement Schwedens im professionellen Hochseesegeln.

Tre Kronor Er war Mitkonstrukteur mit Jacob Vierö der schwedischen Herausfordereryacht Tre Kronor (SWE-19) (Die Drei Kronen nach dem schwedischen Nationalemblem) für den America’s Cup 1992 in San Diego. Obwohl das Boot nicht gewann, wurde es als schönste Yacht des Wettbewerbs ausgezeichnet.

Profilen Ein besonderer Entwurf von Norlin ist der Einzelbau Profilen aus dem Jahre 1981. Gemeinsam mit dem schwedischen Aluminiumhersteller Sapa (heute: Norsk Hydro) schuf er eine knapp zehn Meter lange Yacht, bei der statt GFK-Matten Aluminiumprofile benutzt wurden. Die ziehgeformten Profile wurden wie Klicklaminat beim Fußbodenverlegen zusammengesteckt. Eine außerordentlich leichte und robuste Konstruktion. Profilen gewann sofort die Regatta Gotland Runt und verfehlte knapp den Weltmeistertitel seiner Klasse in Helsinki, weil die dritte Wettfahrt wegen eines Schlechtwetterunfalls abgebrochen wurde.

Yachten der Meter-Klasse Mini-Zwölfer 2.4mR mini|Heiko Kröger im 2.4mR Norlins kleinstes Boot ist die 2.4mR-Klasse, ein auf den Maßstab 1:5 verkleinerter Zwölfer (12mR), der Einhand gesegelt wird. Norlin hat nach Konsultationen mit anderen Kollegen die Klasse, angelehnt an seine Sechser-Entwürfe (6mR), in den Jahren 1982/1983 unter dem Namen Norlin Mark III entwickelt. Es war seine Interpretation des Einhandbootes, das von Behinderten gesegelt werden kann. Heiko Kröger ist damit recht erfolgreich 10 Mal Weltmeister geworden.

6-Meter-Klasse Peter Norlin, der von 1977 bis 1989 insgesamt 15 Yachten der 6-Meter-Klasse entworfen hatte, war Mitte der 1990er Jahre nicht mehr von der Zukunft der Meter-Klasse überzeugt. Die Klasse wäre zu kostspielig und crewintensiv, um die damalige Bootsbaukrise zu überstehen. Seinen eigenen Sechser mit dem Namen Jungfrun von 1986 hat Norlin lange gesegelt. In Schweden gibt es eine substanzielle Flotte von etwa 30 Sechsern und Norlins schöne 6mR-Yachten werden weiter gesegelt.

Karrierehöhepunkte und Werften mini|hochkant|Omega 42 mini|hochkant|Albin Accent Neben den erfolgreichen Entwürfen für Regattayachten hat Peter Norlin auch richtig schöne Familien- und Fahrtenyachten gezeichnet. Für seine Avance 33 und Avance 36, die Norlin 34, 37 und 41, die Omega 42 oder die Super Swede 53 schwärmen Ästheten aus gutem Grund. Die Omega 42 (12,80 Meter) gilt oft als sein Meisterwerk. Es ist eine schlanke, zeitlose Yacht, die für ihre Ästhetik und Segeleigenschaften als „E-Type unter den Segelbooten“ verehrt wird. Als „Schweden-Express“ machte die Omega 42 ab 1975 als reinrassige Regatta-Yacht mit Fahrten-Qualitäten auf sich aufmerksam. Im Jahr 1977 entwarf Peter Norlin dieses Schmuckstück aus Spaß. Seine Yachten dominierten damals die IOR-Szene, doch die Omega 42 zeichnete er komplett ohne eine Klassenbeschränkung. Das Design hatte barocke, extreme Bug- und Hecküberhänge, ein hohes Rigg und wenig Tiefgang. Schmal wie ein Schärenkreuzer mit einem Ballastanteil von 50 Prozent segelte sie allen anderen davon. Sie wurde bis Anfang der 1990er 160 Mal hergestellt. Nachdem die Yacht von der Lidköpings Båtsnickeri in Schweden in ausgezeichneter Qualität gebaut wurde, kann man die Yacht seit 2017 in Waren (Müritz) bei der Werft Müritz Bootsservice als Neubau für ca. 500.000 Euro erwerben. Die Werft hatte die originalen Bauformen aus Schweden übernommen.

Norlin verstand es wohlproportionierte, seegängige Boote mit ansehnlicher Seitenansicht und einem dezenten Kajütaufbau zu entwerfen die auch einen schönen Heckabschluss hatten. Am schönsten zu sehen vielleicht bei seiner 1983 entworfenen Yacht Super Swede 53, die Norlin als moderneren, breiteren und formstabileren Nachfolger der legendären Swede 55 entwarf, mit modern vorwärts geneigtem, einem sogenannt negativen Heckspiegel und einem traditionell positiven, überhängenden Yachtheck entwarf. Inspiriert wurde das Projekt durch den spektakulären Erfolg des kalifornischen Seglers Jim Walton, der im Jahr 1982 mit seiner Swede 55 das prestigeträchtige San Francisco–Hawaii Race gewann. Ästheten bezeichnen die Super Swede 53 als einen von Norlins formschönsten Entwürfen.

Albin Marin mini|hochkant|Albin Express Ab Mitte der 1970er Jahre entwarf Peter Norlin sämtliche Segelboote für die Werft Albin Marin, den Giganten der schwedischen Bootsbauindustrie, darunter die Albin Accent (Vierteltonner-Weltmeister 1974), sowie die Albin Cumulus, Albin Stratus und Albin Delta und die sportliche Albin Express. Die Albin Express ist ein kleiner Kreuzer mit 7,77 m Länge und wurde zum großen Erfolg für Peter Norlin. Sie ist ein Freizeit-Kielboot, mit guten Regattaeigenschaften, aus Fiberglas gebaut mit Holzausbau. Der Rumpf hat – Norlin typisch – einen schön geneigten Vorsteven, ein negativ geneigtes und nicht zu breites Heck. Das Boot konnte sich sehr gut mit X-79, oder J-26 auf der Regattabahn messen: Zwischen 1978 und 1985 wurden etwa 1.400 Boote gebaut. Norlin verstand den Entwurf der Albin Express als Antwort auf die bekanntere J-26, mit der sie viele Merkmale gemeinsam hat. Das Boot segelt sehr gut und ist auch heute noch äußerst beliebt, und bringt auch heute noch große Regattafelder in Skandinavien und der deutsche Ostseeküste an den Start.

Sweden Yachts mini|Sweden Yachts 340 Von 1973 bis 2008 war Norlin, teilweise mit Jens Östman, Hauskonstrukteur für Sweden Yachts. Die Werft in Stenungsund baute jahrzehntelang in den westschwedischen Schären gediegene Fahrtenboote von 34 bis 70 Fuß (z. B. Sweden 34, 36, 41), bis sie Anfang 2009 schloss. Die Erzeugnisse der Werft waren eine Weile teurer als die der finnischen Nobelmarke Nautor’s Swan. Mit dem gestreckten Aufbau und traditionellen Yachtheck ist Norlins leider nur dreimal gebauter 70-Füßer (21,3 Meter) ein Hingucker. Auch das letzte Modell, die Sweden Yachts 54 gilt als besonders schöne Yacht.

Norlin Yacht-Entwürfe Norlin entwarf über 50 Bootstypen, die von kleinen Regattabooten bis hin zu luxuriösen Hochseeyachten reichten. Hier sind einige seiner bekanntesten Modelle:Die Zahlen geben die Länge über Alles der Yachttypen in Fuß an.

Vermächtnis und Nachwirkung