mini|Hauptfassade der Kirche, 2016 mini|San Girolamo am gleichnamigen Rio, wie in Venedig die meisten Kanäle bezeichnet werden mini|Das angrenzende Mutterhaus der Suore Maestre di Santa Dorotea mini|Gedenktafel für die Toten aller Kriege San Girolamo ist eine Kirche nebst Kloster im Norden des venezianischen Sestiere Cannaregio, die nordwärts auf den gleichnamigen Rio und die Fondamenta entlang dieses Kanals blickt. Im Nordwesten des Komplexes, unmittelbar auf der nördlichen Seite des Rio San Girolamo, befindet sich die Kirche Cappuccine. Das Augustinerinnenkloster bestand von 1375 bis in die Zeit Napoleons, die Kirche wird seit 1952 wieder genutzt. Sie trägt den Namen des Kirchenvaters Hieronymus, der im Italienischen Girolamo heißt.

Geschichte Bernarda, die Äbtissin des Klosters, das ab 1340 bei Treviso entstand, floh mit einigen Nonnen vor dem Krieg Venedigs mit Ludwig von Ungarn im Jahr 1364 nach Venedig. Zunächst kamen sie in einem Haus bei San Vidal unter. Der Patrizier Giovanni Contarini erwarb für die kleine Gemeinschaft in der Gemeinde San Marcuola einige Häuser und ein Gelände, auf dem ein Friedhof für die Ärmsten der Gemeinde entstehen sollte. Die Bischöfe Bartolommeo von Canea auf Kreta sowie der Vicario Generale und Bischof von Castello Paolo Foscari sorgten dafür, dass aus der Frauengemeinschaft ein regelkonformes Kloster mit Kirche wurde. Ab der Gründung im Jahr 1375 durften die Nonnen ihre Äbtissinnen selbst wählen, nur die Investitur behielt sich der Bischof von Castello vor. Symbolisch mussten die Nonnen ihm dafür jährlich eine Amphore Wein, Weihrauch und zwei Orangen („arancie“) übergeben.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 325. Die erste Äbtissin Bernarda Dotto amtierte bis zu ihrem Tod im Jahr 1382 über 17 Jahre, ihr folgte Girolama Lero im Amt (bis 1395).

Almosen der Nachbarschaft und Indulgenzen der Päpste Martin V. und Eugen IV. aus den Jahren 1418 und 1424 machten die Finanzierung eines Kirchengebäudes möglich. Dabei war die Zahl der Nonnen so stark angewachsen, dass bis zu drei von ihnen in einer Zelle leben mussten. In den 18 Zellen lebten 40 Nonnen. So übertrug Papst Eugen am 4. Januar 1436 den Nonnen das verfallene und leerstehende Priorat von Sant’Andrea Apostolo, das ehemals den Regularkanonikern gehörte. Der Umzug fand am 27. Januar desselben Jahres statt.

Doch brach im Kloster San Girolamo ein so verheerendes Feuer aus, dass sich der Senat am 13. Januar 1456 (more veneto) gezwungen sah, den Nonnen mit 1000 Dukaten aus ihrer Not zu helfen. Mitte des 16. Jahrhunderts, als die verbliebenen sechs Nonnen des Klosters Sant’Adriano di Costanziaco nach San Girolamo kamen, brachten sie auch sämtliche Rechte des aufgegebenen Inselklosters mit, sowie dessen Einnahmen.

Papst Paul III. stellte unter dem 14. November 1549 eine Urkunde aus, die die Vereinigung der beiden Klöster aus den Bistümern Castello und Torcello vorsah. Er bestätigte die bestehenden Rechte und ordnete an, dass das Kloster Sant’ Adriano in der Diözese Torcello dem Kloster San Girolamo angegliedert werden sollte. Allerdings sollte die alte Kapelle von Sant’Adriano wiederhergestellt und von einem Priester betreut werden, ebenso wie die Kapelle von Sant’Angelo in Zampenigo, einem Kloster, das sich einst auf Torcello befand und schon lange zuvor durch päpstliche Anordnung den Nonnen von Sant’Adriano zugewiesen worden war. Doch da die Insel Sant’Adriano längst unbewohnbar geworden war, wurden mittels Dispens dem Altar von Sant’ Angelo di Zampenigo alle Rechte der beiden zerstörten Klöster übertragen. Auch die Reliquien von San Girolamo wurden dorthin übertragen, doch fielen sie am 29. September 1705 allesamt einem Feuer zum Opfer.

Nach diesen Zerstörungen mussten die verbliebenen Nonnen noch enger zusammen wohnen, so dass eine neue Kirche errichtet werden musste, die allerdings erst am 15. Juni 1751 geweiht wurde. Sie entstand nach Plänen des Architekten Domenico Rossi. Auch entstand ein Hospiz.

Infolge der Säkularisierung unter Napoleon wurden die Kirche und das Kloster ab 1807 umgenutzt, während die Innenausstattung versteigert wurde. Zwischen 1840 und 1885 wurde die Kirche in eine Dampfmühle umgewandelt, später wurde dort Glucose hergestellt, wobei der 49 m hohe Glockenturm in einen Schornstein umfunktioniert worden sein soll.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 49. Er wurde später abgerissen, da er einsturzgefährdet war.

Seit 1952 wird die Kirche wieder für Gottesdienste genutzt.

Literatur Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 48 f. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 324–329. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 325–327, n. 76 („S. Girolamo, Augustiner-Nonnen“). (Digitalisat)

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Anmerkungen

Girolamo Girolamo Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Venedig Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Venedig Kategorie:Hieronymuskirche