George Stuart Klein (* 15. Juli 1917 in Brooklyn; † 11. April 1971 in Stockbridge) war ein US-amerikanischer Psychologe, Psychoanalytiker und Professor an der New York University.George S. Klein, American psychologist auf Britannica, abgerufen am 12. Mai 2026.L. Goldberger: In memoriam. George S. Klein, Ph.D. (1918–1971). In: Bulletin Menninger Clinic, 1971, 35, (3), S, 207-207 auf PubMed, abgerufen am 12. Mai 2026.

Leben Er erwarb 1938 seinen B.A. am City College of New York und promovierte 1942 in experimenteller Psychologie zum Ph.D. an der Columbia University.

In den folgenden vier Jahren diente er während des Zweiten Weltkrieges als Luftfahrtpsychologe im United States Army Air Corps. Ab 1946 absolvierte er als Mitarbeiter der Menninger School of Psychiatry in Topeka unter der Anleitung von David Rapaport eine Ausbildung in psychoanalytisch orientierter klinischer Psychologie und in psychologischer Testtechnik; hier forschte er auch im Rahmen des sogenannten „New Look-Paradigmas“ an der komplexen Wechselwirkung von Wahrnehmung, Kognition und Persönlichkeit. Nach fünf Jahren bei der Menninger Foundation ging er 1951 als Gastdozent und außerordentlicher Professor an die Harvard University. 1953 wurde er an die New York University (NYU) berufen, wo er gemeinsam mit Robert R. Holt Co-Direktor des Forschungszentrums für psychische Gesundheit wurde.

Werk Er arbeitete an der Verbindung von experimenteller Psychologie und Psychoanalyse; dabei leistete er Beiträge zur sog. „neuen Wahrnehmung“, nach der Wahrnehmung keine passive Aufzeichnung von Reizen ist, sondern ein aktiver, subjektiver Prozess, der stark von den Motivationen, Emotionen, Bedürfnissen und vergangenen Erfahrungen einer Person beeinflusst wird, der kognitiven Kontrolle, der subliminalen Wahrnehmung, zu REM-Schlaf-Traum-Studien sowie zur Weiterentwicklung der psychoanalytischen Ich-Psychologie. Er experimentierte auch zu veränderten Bewusstseinszuständen, z. B. zur sensorischen Deprivation oder der Wahrnehmung unter LSD-Konsum. Seine Forschungsarbeiten befassten sich ferner mit kognitiven Kontroll- und Verarbeitungsmechanismen, d. h. den beständigen Tendenzen von Menschen, Informationen auf bestimmte Weise zu verarbeiten. Im Bereich der Wahrnehmung entdeckten er und seine Kollegen, dass sich Menschen in zwei Hauptkategorien einteilen lassen: Nivellierer (engl. levelers), die Ähnlichkeiten zwischen Dingen wahrnehmen und Unterschiede übersehen, und Schärfer (engl. sharpeners), die Kontraste erkennen und ein hohes Maß an Bewusstsein für Unterschiede zwischen Reizen bewahren. 1951 führten er und Herbert J. Schlesinger den Begriff des kognitiven Stils ein, um die Kombination verschiedener kognitiver Kontrollmechanismen innerhalb einer Person zu beschreiben. Im letzten Jahrzehnt seines Lebens widmete er sich dem Versuch, die der psychoanalytischen Theorie innewohnende Dualität der Erklärungsansätze zu entwirren: die erfahrungsnahe klinische Ebene von ihrer abstrakten Basis, ihrer Metapsychologie. Er bezeichnete die klinische Ebene als „Theorie der persönlichen Begegnung“ und schlug kognitive Konzepte wie „Sinn“, „Bewusstsein“, „peremptives Denken“ und „Intentionalität“ als angemessenere Erklärungsbegriffe vor im Unterschied zu naturwissenschaftlich geprägten Konzepten von Trieben, Energien und Mechanismen. Zeit seines Lebens bemühte er sich, die für die Kognitionspsychologie charakteristischen experimentellen Methoden auf die Erforschung der psychoanalytischen Ich-Psychologie, basierend auf den Theorien Sigmund Freuds, anzuwenden und zu einer kritischen Neubewertung der Psychoanalyse zu kommen.

Ehrungen/Positionen National Mental Health Research Career Award Gastprofessuren an der Harvard University, der University of California, Berkeley, der University of Chicago, der Brandeis University und der Clark University ständiger Berater am „Austen Riggs Center“ in Stockbridge Gründungsherausgeber der „Psychological Issues“ Fellow der American Psychological Association Mitglied der New York Psychoanalytic Society

Privates Er war verheiratet mit seiner Frau Bessie Klein (geborene Boris); das Ehepaar bekam die Tochter Rachel. Er verstarb an einem Herzinfarkt, während er in der Nähe seines Hauses Auto fuhr. Er wurde 52 Jahre alt.Dr. George S. Klein, N.Y.U. Psychologist auf New York Times vom 12. April 1971, abgerufen am 12. Mai 2026.

Publikationen (Auswahl) Monografien Blindness and Isolation. Hassell Street Press, Adelaide 2021, ISBN 978-1-01-411398-6. Psychoanalytic Theory: An Exploration of Essentials. International Universities Press, Boston 1975. Perception, Motives, and Personality. Alfred A. Knopf, New York City 1970, ISBN 978-0-394-30311-6.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit David Krech: The problem of Personality and its Theory. In: Journal of Personality, 2006, 20 (1), S. 2–23. Identity and the Life Cycle, Studies in Remembering, On Perception and Event Structure, Cognitive Control. In: Psychological Issues, 1959, 1 (1), Monograph 1. The Developmental Psychologies of Jean Piaget and Psychoanalysis by Peter H. Wolff. In: Psychological Issues, 1951, 2 (1), Monograph 5.

Weblinks

George S. Klein auf Prabook, abgerufen am 12. Mai 2026. George Klein auf NoSubject, abgerufen am 12. Mai 2026.

Literatur M. M. Gill; P. S. Holzman (Hrsg.): Psychology versus metapsychology: psychoanalytic essays in memory of George S. Klein. International Universities Press, New York 1976. Frederic J. Levin; Joseph W. Slap: George S. Klein: Psychoanalytic Empiricist. Free Psychotherapist Books.

Einzelnachweise

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