mini|Darstellung der Alten Burg unterhalb der Alme aus dem 16. Jahrhundert mini|Brenken-Imbsen-Allianzwappen der ersten Brenkengeneration in Wewer am neuen Burgportal von 1690

Die Alte Burg ist eine als Baudenkmal geschützte Niederungsburg des frühen 16. Jahrhunderts im Paderborner Stadtteil Wewer in Nordrhein-Westfalen. Durch ihre Lage zwischen der Alme und der ursprünglichen Lohne (jetzt Alte Lohne) war sie doppelt geschützt. Sie liegt am rechten Ufer der Alme auf einer von Wallanlagen umgebenen Insel und zählt gemeinsam mit der benachbarten Großen Scheune zu den ältesten erhaltenen Bauten des Ortes.Heinrich Otten (Bearb.): Denkmäler in Westfalen. Stadt Paderborn (= Denkmäler in Westfalen. Band 2.1). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2018, S. 610ff, ISBN 978-3-7319-0649-0. Am 3. Oktober 1984 wurde das Ensemble in die Denkmalliste der Stadt Paderborn eingetragen. Es handelt sich um die einzige original erhaltene und noch von der Familie bewohnte Anlage von ursprünglich mindestens elf Höhen- und Niederungsburgen im Almetal von der Quelle bis zur Mündung.

Architektur Der zweiflügelige verputzte Bruchsteinbau erhebt sich auf einer nicht ganz quadratischen Insel innerhalb von Wallanlagen. Als Schmuckelemente weist er Eckquaderungen und Fenstereinfassungen aus Sandstein auf; der Keller zeigt schießschartenartige Öffnungen. Im Inneren sind Sichtbalken sowie barocke Türeinfassungen von 1690 erhalten. 1980 wurde eine Außenrenovierung durchgeführt.

Zum Ensemble gehören die Große Scheune, ein massives Bruchsteingebäude mit vorbarockem Dachstuhl, das auf Arnold von Brenken (gest. 1595) zurückgeht, das in Fachwerk errichtete Pforthaus (An der Alme 4), das 1715 erstmals erwähnt wird und das ehemalige Gärtnerhaus von 1910 (An der Alme 2). Geschichte Ein Fund aus der Gräfte belegt, dass die Anlage der Alten Burg bereits vor 1449, der Lehnsübernahme durch die Freiherren von Imbsen, bestand.Isa Freifrau von Elverfeldt: Die Ritter von und zu Brenken, Wewer Band III, 3. Auflage Norderstedt 2025, S. 31–47. Um 1515 erhielt Reineke von Brenken die Alte Burg nach seiner Heirat mit Anna von Imbsen als Wohnsitz; seither befindet sie sich im Besitz der Familie von Brenken. Zu Ende des 16. Jahrhunderts bestanden in Wewer zwei benachbarte Burgen, die nach dem Aussterben der Familien von Wevere und von Kloster an die Familie von Imbsen gefallen waren.

1690 ließ Dietrich von Brenken den linken Flügel um- oder anbauen und den Eingangsbereich neu gestalten.Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Paderborn. Münster 1899, S. 152–154. Nach dem Erwerb des benachbarten Imbsen’schen Schlosses im Jahr 1838 verlegten die Brenken ihren Wohnsitz dorthin; die Alte Burg blieb zeitweise unbewohnt und diente von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre als Rentei und Rentmeisterwohnung.

Stammfolge der Freiherren von und zu Brenken in Wewer Reineke von Brenken, gest. 1546, Sohn des Volmar II. von Brenken aus Calenberg und der Gertrud von Elverfeld, Inhaber von zwei Vierteln der Brenken‘schen Stammgüter, heiratet Anna von Imbsen, gest. 1533, die ihrerseits zwei Viertel des Amtes Wewer mitbringt. Das Epitaph ihres jüngeren Sohnes Volpert, Domdechant von 1567 bis 1569, befindet sich im Atrium des Domes zu Paderborn.

Arnold I., gest. 21.8.1595, Sohn des Reineke, verh. mit Anna von Schorlemer zu Hellinghausen, gest. 1614. Ihr jüngster Sohn Bernhard Georg (1565 – 3.4.1625) stiftet als Domscholaster und Berater des Fürstbischofs zu Paderborn die Christophorus-Statue des Steinbildhauers Gröniger für den Dom.

Arnold II., Sohn von Arnold I., gest. 1612, heiratet 1609 Anna Maria von Krevet zu Vernaburg.

Arnold III., Sohn des Arnold II., gest. 29.01.1680, heiratet Anna Barbara von und zu Niehausen.

Dietrich, Sohn des Arnold III. (1637 – beerdigt 12.3.1702), Droste zu Wewelsburg, Hofmarschall bei Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg, heiratet 1673 Catharina Gertrud von Korff zu Harkotten (1652–1726).

Ferdinand, Sohn von Dietrich (1677 – 16.02.1748), Droste des Amtes Lichtenau, teilt den Besitz 1711 durch Stiftung des Fideicommisses Erpernburg für sich selbst und Wewer für seinen jüngeren Bruder Arnold Georg auf. Ferdinand verlässt den Stammsitz Wewer und baut bis 1712 Schloss Erpernburg bei Brenken, wo er eine eigene Linie begründet.

Arnold Georg, Bruder von Ferdinand, (geb. nach 1677, gestorben?) bleibt in Wewer. Er ist verheiratet 1) am 15.02.1716 in Eggermühlen mit Helene Catharina von Boeselager, gest. 25.01.1719, 2) mit Lucie Wilhelmine von Meschede aus Alme, gest. 26.10.1759.

Wilhelm Ignatz Caspar, Sohn von Arnold Georg aus 2. Ehe, (17.04.1721 – 19.03.1779), heiratet am 02.12.1758 in Delbrück die bürgerliche Therese Sperll, geb. 1739?, gest. 21.08.1830. alt=Christophorus-Statue im Paderborner Dom, Bildhauer Gröninger 1619. Gestiftet von Bernhard Georg von Brenken aus der Alten Burg Wewer.|rechts|Christophorus-Statue im Paderborner Dom von Bildhauer Gröninger 1619. Mit Friedrich, Sohn von Wilhelm Ignatz Caspar, (28.11.1770 – 28.07.1792 in Wewer), stirbt der letzte Brenken-Nachkomme dieser Linie. Der Fideicommiss Wewer fällt zunächst an Franz Joseph (5.6.1755 – 5.6.1832), verh. mit Sophie Freiin von Wolff Metternich (4.10.1768 – 24.9.1848), aus der Erpernburger Linie, danach an dessen einzigen Sohn Friedrich Carl (11.01.1790 bis 11.07.1867), verheiratet mit Therese Maria Freiin von Schade aus Ahausen (24.07.1794 – 02.07.1836).

Mit Hermann (20.3.1820 – 13.5.1894 zu Wewer), dem 2. Sohn Friedrich Carls aus Erpernburg, beginnt wieder eine neue Linie in Wewer. Hermann heiratet am 15.06.1847 Maria Freiin von Haxthausen (26.12.1826 – 17.4.1880), Tochter des Werner Freiherr (später Graf) von Haxthausen. Die Familie lebt nur kurz in der Alten Burg, um dann das Schloss Wewer zu beziehen.

Mit Hermanns Enkel Reinhard Freiherr von und zu Brenken (24.12.1892 – 05.06.1957), verh. mit Ottilie von Schedlin-Czarlinska (23.09.1909 – 30.07.1997), preuß. Referendar, Land- und Forstwirt und im Schloss Wewer lebend, endet das seit dem Mittelalter bestehende Geschlecht in der männlichen Linie. Mit seiner zweiten Tochter, Isa Maria, verheiratete Freifrau von Elverfeldt (geb. 30.08.1949) wird die Alte Burg wieder von einem Familienmitglied bewohnt.

Natur Das umliegende Grünland mit den Wallanlagen zwischen Alme und Alter Lohne wird als wissenschaftliches Biodiversitätsprojekt geführt, insbesondere zur Nachfalterbestimmung bei observation.org.

Öffentlichkeit Die Alte Burg sowie die Nebengebäude sind privat bewohnt. Eine Besichtigung für Forschung oder Publikum ist nach Anmeldung möglich.

Literatur Hans Jürgen Brand, Karl Hengst, Geschichte des Erzbistums Paderborn, Band II, Paderborn 2007, S. 75, 96/97, 468. Rainer Decker, Die Ritterschaft des Hochstifts Paderborn, Heimatkundliche Schriftenreihe der Volksbank Paderborn 13/1982. Frank Göttmann, Karl Hüser, Jörg Janut (Hrsg.), Paderborn, Geschichte der Stadt in ihrer Region, Band 1, 2 und 3, 2. durchgesehene Aufl., Paderborn 2000. Michael Lagers, Der Paderborner Stiftsadel zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zum Auf- und Ausbau niederadliger Machtstrukturen, Paderborn 2013.1. Ulrich Löer (Bearb.), Germania sacra, Das Erzbistum Köln, 6, Das Adelige Kanonissenstift St. Cyriakus zu Geseke, Berlin 2007, S. 323 und 327. Isa Freifrau von Elverfeldt: Die Ritter von und zu Brenken, Wewer Band III, 3. Auflage, Norderstedt 2025, ISBN 978-3-7693-1800-5. Isa Freifrau von Elverfeldt, Die Freiherren von und zu Brenken, Wewer Band IV, Erweiterte Neuauflage 2025. ISBN 978-3-7597-6761-5 Frank Göttmann, Karl Hüser, Jörg Janut (Hrsg.): Paderborn, Geschichte der Stadt in ihrer Region, Band 1, 2 und 3, 2. durchgesehene Aufl., Paderborn 2000. Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Paderborn. Münster 1899. Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Paderborn. Münster 1899. Norbert Reimann: Die Freiherren von und zu Brenken. 800 Jahre Familiengeschichte im Paderborner Land. Paderborn 2019. Wilhelm Schütte, Das Reichsfreiherrlich von und zu Brenken’sche Haus, die ehrwürdige, altersgraue „Alte Burg“ In: Heimatborn, 2. Jahrgang. Heinrich Otten (Bearb.): Denkmäler in Westfalen. Stadt Paderborn (= Denkmäler in Westfalen. Band 2.1). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2018, ISBN 978-3-7319-0649-0. Isa Freifrau von Elverfeldt, Philine und die Nachtfalter, Norderstedt, 2026.

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Paderborn-Wewer

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Paderborn Kategorie:Baudenkmal in Paderborn Kategorie:Niederungsburg in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert Kategorie:Burg in Europa