mini|Deponiegelände (2022) Die Deponie Gamsenried () ist eine ehemalige Sondermülldeponie im Kanton Wallis und eine der grössten Altlasten in der Schweiz. Sie gilt als die grösste Giftmülldeponie des Landes.
Lage Die Deponie hat eine Fläche von 290'000 Quadratmetern. Sie liegt westlich des Ortes Gamsen in der Gemeinde Brig-Glis auf rund Das Gelände befindet sich im Talboden zwischen dem Hangfuss am Nordhang des Gibidum und der Oberwalliser Verkehrsachse mit der Hauptstrasse 9, der Autobahn A9, der Matterhorn-Gotthard-Bahn und der Bahnstrecke Brig-Visp. Neben der Bahnstrecke liegt die kanalisierte Rhone und auf der anderen Seite des Flusses in der Talebene die Ortschaft Brigerbad. Im Nordosten schliesst das Gebiet des Kieswerks Gamsen auf dem Bachschuttkegel der Gamsa an. Auf einem Teilareal steht die Oberwalliser Kehrichtverbrennungsanlage Gamsusand.
Im Rhonetal hat der Talboden an der engen Stelle zwischen Brig und Visp eine Breite von wenig mehr als einem halben Kilometer. Die Felswand südlich der Deponiefläche besteht aus Kalk- und Schiefergestein des Penninikums und sinkt unter dem Talboden unterhalb der Deponie steil in die Tiefe. Der Untergrund unter dem Ablagerungsgebiet besteht aus Gesteinsschutt, Schotter, Sand und Silt, die vom grossen nacheiszeitlichen Bergsturz vom Gibidum, von Moränen, Seeablagerungen, Bachschuttkegeln und vom Geschiebe der Rhone stammen. Das durch Gletscher gebildete Tal ist von der Sohle bis zur der heutigen Oberfläche gemäss einer Tiefenbohrung (um 1990) bei Brigerbad ungefähr 100 Meter hoch mit Lockermaterial verfüllt. In den durchlässigen Bodenschichten fliesst ein starker, für die Umweltauswirkungen der Giftstoffdeponie relevanter Grundwasserstrom, der bei Hochwasser die Unterkante des Deponievolumens berührt.Marion Geister-Frantz: Etude des écoulements souterrains naturels sous la décharge de Gamsenried par modèle mathématique et simulation du rabattement de la nappe sous la décharge. In. Verbandsberichte der schweizerischen Abwasserfachleute. 1987. Seit 1978 dokumentiert der Kanton Wallis die Verunreinigung des Grundwassers durch Stoffe aus der Deponie.
Geschichte mini|Ablagerungen von Chemieabfällen in der Deponie (2023) Das Chemieunternehmen Lonza lagerte hier während Jahrzehnten Chemieabfälle aus dem Werk in Visp ab. Seit 1918 entsorgte die Fabrik im Gebiet von Brigerbad verschiedene bei den Produktionsprozessen angefallene Stoffe wie Calciumhydroxid, Quecksilber, Anilin, Benzol und Benzidin. Seit 1992 wurden in einem Teil des Geländes Asche von der Kehrichtverbrennung deponiert. 2011 ging der Deponiebetrieb zu Ende.
Zu Beginn befand sich das Areal, auf dem die Industrieabfälle gelagert wurden, im linksufrigen Teil des Gemeindegebiets von Brigerbad. Die ursprüngliche Senke stammte vom ehemaligen Flussbett der Rhone und war bei der Rhonekorrektion durch den Bau des neuen Flusskanals vom übrigen Gemeindegebiet abgeschnitten worden. Neben dem kanalisierten Fluss wurden die Bahnlinien gebaut. Die Kantonsstrasse folgte dem ehemaligen linken Rhoneufer und lag direkt unter dem Berghang, bis sie in den 1960er-Jahren unterhalb der Gamsabrücke auf ein neues Trassee neben der Matterhorn-Gotthard-Bahn verlegt wurde. Danach konnte für die Sondermülldeponie die ganze Fläche unter dem Berg genutzt werden. Beim Bau des Autobahnabschnitts Visp-Brig wurde die Kantonsstrasse wieder von der Rhone weg verlegt, um der neuen Hochleistungsstrasse Platz zu machen. Als Verbindung nach Brigerbad über die Rhone wurde in der Nähe des Autobahnanschlusses «Visp-Ost» die «Blaue Brücke» (mundartlich Blawwi Brigga) gebaut. Wegen der Platzknappheit neben der Rhone kamen die Kantonsstrasse und die Autobahn auf einen Teil der ehemaligen Deponie zu liegen.
1972 fusionierten die Gemeinden Brig, Glis und Brigerbad zur neuen Gemeinde Brig-Glis, die nun für das Deponiegebiet zuständig ist.
Um die Gefahr für die Umwelt zu verringern, wurde in den 1990er-Jahren eine hydraulische Barriere an der Deponie eingerichtet, die belastetes Grundwasser abpumpt.
Sanierung Nach umfangreichen Studien über die Inhaltsstoffe der Deponie und das Risiko für die Umwelt soll das Gebiet saniert werden. Als erste Massnahme ist der Bau einer Dichtwand neben der Deponie geplant, um die weitere Ausbreitung von Schadstoffen im Untergrund zu verhindern. In einem weiteren Schritt soll das belastete Material in der Deponie beseitigt werden.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK), das oberste Finanzaufsichtsorgan der Schweiz, überprüfte die Tätigkeit verschiedener Bundesbehörden im Fall der Deponie und hielt in einem Bericht vom 8. Mai 2025 fest, eine «Gesamtübersicht und eine Aufsicht auf Bundesebene sind angesichts der Bedeutung, der Dimension und der Dauer der Sanierung sowie angesichts der direkten und indirekten Kosten für den Bund von grosser Wichtigkeit.» Dennoch fehlt gemäss der EFK ein koordiniertes Vorgehen insbesondere des Bundesamts für Umwelt und des Bundesamts für Strassen. (PDF)
Für den Baubeginn der ersten Etappe ist (Stand 2026) das Jahr 2028 vorgesehen. Am Nordwestrand des ehemaligen Ablagerungsgebiets soll unter dem Pannenstreifen der Autobahnspur in Richtung Sitten eine rund 30 Meter tiefe Dichtwand in den Untergrund eingebracht werden. Dieses ca. 1,6 Kilometer lange Bauwerk soll die weitere Verschmutzung des Grundwassers talabwärts verhindern.
Weblinks
Alte Deponie Gamsenried auf vs.ch Deponie Gamsenried, Gamsen (VS) (Bundesamt für Umwelt)
Fussnoten
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