mini|Die romanische Kirche Sant Miquel d’Olèrdola Die romanische Kirche Sant Miquel d’Olèrdola liegt in der Mitte des Garaff-Felsplateaus der historischen Burgstadt Olèrdola (Alt Penedès, nahe Vilafranca del Penedès, Provinz Barcelona, Katalonien, Spanien).

Ein kleiner vorromanischer Bau wurde in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts errichtet. Im 11. Jahrhundert wurde das Bauwerk nach Zerstörungen im Stil der Romanik neu errichtet. Teile der alten Vorgängerkirche wurden in den Neubau integriert. Diverse Anbauten veränderten im Laufe der Jahrhunderte den romanischen Stil des Kirchengebäudes. In Restaurierungsprojekten von 1926 bis 1928 und 2008 wurde schließlich ein „rein romanischer Baustil“ weitgehend wiederhergestellt. Das Kirchengebäude diente bis Ende des 19. Jahrhunderts als Pfarrkirche für den Ort Olèrdola. Die Kirche wie die gesamte Burganlage sind heute in eine Außenstelle des Museu d’Arqueologia de Catalunya integriert.Hèlios Rubio et al: Art de Catalunya, Band 4, Seite 75.Jaume Vendrell, Àngela Llop: „Viaje al origen de Sant Miquel d’Olèrdola“ in: lavanguardia.com 2024

Beschreibung Die romanische Kirche Die romanische Kirche „Sant Miquel d’Olèrdola“ präsentiert sich insgesamt in einer sehr einfachen Kubatur. Es ist eine einschiffige Kirche, die eine Kuppel über einem quadratischen Scheinquerschiff trägt. Das lange Schiff wird durch zwei Querbögen verstärkt. Die beiden Seitenwände sind jeweils durch integrierte Bögen in sich stabilisiert.

Die Kuppel des Scheinquerschiffs zeigt sich außen in achteckiger Form. Innen wird der Übergang von einer quadratischen Form auf den Kuppelbau über vier Pendentifs vermittelt. Der obere Teil der Kuppel ruht auf einem quadratischen Sockel. Dies lässt vermuten, dass es einen Glockenturm gab, ähnlich dem von Santa Maria de Terrassa oder Sant Ponç de Corbera. Dieser Glockenturm ist nicht mehr erhalten. An seiner Stelle wurde später eine zweijochige Glockenwand errichtet. Bei der letzten Restaurierung wurde einer der beiden Bögen dieser Glockenwand wieder aufgebaut.artmedieval.net

Im Osten schließt an das Kirchenschiff eine rechteckige Apsis mit vorgelagertem Triumphbogen an. Apsis und Hauptschiff sind jeweils von einem Tonnengewölbe überdeckt. Das Apsisgewölbe und der obere Teil der Mauern stammen aus einer Umgestaltung im frühen Mittelalter, bei der die Mauern unter Beibehaltung des Umfangs erhöht wurden. Bei der letzten Restaurierung fasste man den Beschluss, den inneren Teil der Mauern neu zu verputzen, wodurch der Unterschied zwischen den beiden unterschiedlichen Apsis-Gewerken und der Umfang des alten Gewölbes nicht mehr ohne weiteres ersichtlich sind. Vor diesem Hintergrund wird die Anlage zweier übereinanderliegender Fenster in der Apsis verständlich. Das untere Fenster wurde als einfacher Spalt in der ersten Bauphase, das obere als halbkreisförmiger Doppelspalt in der zweiten Bauphase angelegt.artmedieval.net

Die heutige Eingangstür befindet sich in der Westwand. Sie besitzt einen halbrunden Bogen aus großen Keilsteinen, der von einem Sturz eingefasst wird, der gleichzeitig als Kämpfer dient. Die Türpfosten und die Innenseite des Bogens sind mit einer doppelten halbrunden Nut verziert. Dies war jedoch nicht die einzige Zugang zur Kirche. In der Südwand sind Spuren dreier weiterer, heute zugemauerter Türen zu erkennen. Eine davon ist mit einem nach außen gewölbten Halbkreisbogen vollständig erhalten. Daneben befindet sich der linke Türpfosten einer älteren Tür, vermutlich der ursprünglichen. Weiter östlich finden sich die Pfosten einer weiteren Tür, wahrscheinlich des Zugangs zu einer Kapelle, die heute nicht mehr existiert. An der Westwand über dem heutigen Eingangsportal befindet sich ein Doppelfenster, eines der interessantesten Elemente der Kirche überhaupt. Bei den Restaurierungsarbeiten 1926 wurden die Säule und das Kapitell dieses Fensters freigelegt, das zuvor zugenagelt war. Der Schaft ist mit drei Ringen mit einem Soguejat-Motiv verziert, einem dekorativen Architekturelement, das die Form eines gewundenen Seiles oder Tauwerkes nachahmt. Das Kapitell, das aus demselben Steinblock besteht, weist pflanzliche und geometrische Motive auf, die jedoch nicht sehr ausgeprägt sind. Leider hat die Verblendung des Fensters zu Beschädigungen des Kapitells geführt. Mit großer Wahrscheinlichkeit gehörte dieses Kapitell zur ursprünglichen vorromanischen Kirche und wurde in der romanischen Kirche wiederverwendet. Außenansicht

Innenraum

Portale und Fenster

Die präromanische Vorgängerkirche Auf der Nordseite der Apsis schließt sich die Apsis der Vorgängerkirche an, die um 930 erbaut wurde. Von dieser ursprünglichen Kirche sind nur noch der Umriss des rechteckigen Kirchenschiffes und ein Teil eines westlichen Anbaus erhalten, wahrscheinlich ein Atrium oder ein Turm. Einzig und allein die Apsis dieser Kirche blieb erhalten. Sie weist außen einen quadratischen Grundriss auf und zeigt sich innen als viertelkugelförmiger Raum. Zwei Fenster erhellten diesen Raum, eines im Osten und eines im Süden. Letzteres wurde beim Bau der romanischen Kirche zugemauert. Die beiden Kirchengebäude sind derzeit durch einen kleinen, schmalen Korridor miteinander verbunden. Das herausragende Element dieses vorromanischen Kirchenbaus ist der Triumphbogen, der heute als Eingangstor dient. Er hat die Form eines Hufeisenbogens. Er erhebt sich über zwei kleinen Kämpfern.

Die Nekropolis von Sant Miquel d’Olèrdola Rund um die Kirche befinden sich mehrere in den Fels gehauene Gräber. Es handelt sich um anthropomorphe Gräber aus dem 10. Jahrhundert, also aus der Zeit des Baus und der Existenz der vorromanischen Kirche. Die aus dem Fels herausgearbeiteten Grabeinbuchtungen zeigen alle nach Westen ausgerichtete Vertiefungen für den Kopf und nach Osten ausgerichtete Vertiefungen für Beine und Füße. Diese Grabanlage ist als die „Nekropolis von Sant Miquel d’Olèrdola“ bekannt.

Geschichte der Kirche Laut einer Abschrift einer im Original verlorenen Weiheurkunde von 992 aus dem 13. Jahrhundert haben Sunyer I., Graf von Barcelona, und Bischof Teodoric von Barcelona um 930 die Kirche errichtet. Die Kirche wurde wie viele Höhenbauten dem Erzengel Michael geweiht. Ende des 9. Jahrhunderts fand eine Wiederbesiedlung dieser alten Burgstadt statt. Eine erste befestigte Ansiedlung geht auf die Eisenzeit (8. bis 7. Jahrhundert v. Chr.) zurück. Diese wurde von den Iberern (5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.), den Römern (2. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) und von Christen (9. bis 12. Jahrhundert n. Chr.) weiterverwendet. Anlässlich dieser christlichen Wiederbesiedelung wurde auch eine vorromanische, dem Heiligen Michael gewidmete Kirche eingeweiht. Nur wenige Jahrzehnte später wurde diese Kirche renoviert und im Jahr 992 erneut geweiht. Die Gründe für diese Renovierung werden oft auf Schäden zurückgeführt, die Ende des 10. Jahrhunderts durch Raubzüge der Kalifen unter al-Mansur an der Kirche entstanden sein sollen. Diese Chronologie stimmt zwar mit der Baugeschichte von Sant Miquel überein, jedoch handelt es sich hierbei lediglich um Vermutungen, da keinerlei schriftlichen Belege hierfür vorhanden sind. Üblicherweise wurden beim Akt einer Neukirchenweihe vorgehende Zerstörungen durch Muslime explizit im Weiheakt vermerkt. Dies geschah im Fall von Sant Miquel d'Olèrdola nicht. Daher muss der oben geschilderten These einer Zerstörung der Kirche bei Raubzügen der Kalifen unter al-Mansur mit großer Vorsicht begegnet werden. Dem entgegengesetzt scheint das Kirchengebäude durch die Almoraviden-Überfälle der Jahre 1107–1108 in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein. 1108 übergab Graf Ramon Berenguer III. die Kirche an die Kathedrale von Barcelona. Dies könnte als Versuch gewertet werden, diese Kirche zu schützen, wiederaufzubauen und zu restaurieren, was in direktem Zusammenhang mit der Plünderung Olèrdolas durch Muslime stand.

Die Blütezeit der Stadt Olèrdola neigte sich Mitte des 12. Jahrhunderts ihrem Ende zu. Die Bewohner verließen die hochliegende Burgstadt und ließen sich in den jetzt nicht mehr umkämpften und leichter zu bearbeitenden Ebenen des Penedès nieder. Dadurch gewannen andere nahegelegene Städte wie Sant Martí Sarroca oder Vilafranca del Penedès an Bedeutung. Trotzdem fanden in der Kirche Sant Miquel d'Olèrdola bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weiterhin Gottesdienste statt, bis ihre Pfarrfunktion durch ein neues, 1885 geweihtes Kirchengebäude ersetzt wurde.

Die Kirche, die wir aktuell in der archäologischen Stätte von Olèrdola sehen, ist größtenteils das Ergebnis eines Restaurierungsprojekts, das zwischen 1926 und 1928 von dem Denkmalpfleger und Architekten Jeroni Martorel (1876–1951) durchgeführt wurde. Ziel dieses Projektes war es, eine „theoretisch romanische Stilreinheit“ dieses Kirchengebäudes wiederherzustellen. Hierfür wurden alle Anbauten, die das ursprüngliche Bauwerk im Laufe der Jahrhunderte umhüllt hatten, sowie die vorwiegend aus dem Barock stammende Innenausstattung und Einrichtung von dem Baukomplex entfernt. Nach weiteren Beschädigungen des Gebäudes während des Spanischen Bürgerkriegs wurden die Restaurierungsarbeiten 1953 unter der Leitung des Architekten und Restaurators Camil Pallàs (1918–1982) wieder aufgenommen. 2008 wurde die jüngste Restaurierung von Sant Miquel d’Olèrdola abgeschlossen. Diese umfasste die Rekonstruktion des Glockengiebels und der Dächer, Arbeiten an der Westfassade sowie das Weißeln der Innenwände und Gewölbe.

Literatur Hèlios Rubio et al: Art de Catalunya, Band 4, Arquitectura religiosa antiga i medieval, Barcelona 1999, 1. Auflage, Edicions L’Isard SL, ISBN 84-89931-13-5, Seite 75, dort eine fotografische Abbildung von Sant Miquel d’Olèrdola mit einem längeren Beitext (in katalanischer Sprache)

Weblinks

„Sant Miquel d’Olèrdola“, in: enciclopedia.cat (in katalanischer Sprache) Jaume Vendrell, Àngela Llop: „Viaje al origen de Sant Miquel d'Olèrdola“ in: lavanguardia.com vom 24. Juni 2024 (in spanischer Sprache) „Sant Miquel d’Olèrdola“ in: artmedieval.net (in katalanischer Sprache) „Sant Miquel d’Olèrdola“ in: romanicodigital.com (in spanischer Sprache)

Einzelnachweise

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