Léon Reich (geb. 13. Dezember 1925 in Polen; gest. 30. November 2014 in Nidau) war ein polnischer, jüdischer Holocaust-Überlebender, Unternehmer und Zeitzeuge. Er überlebte mehrere nationalsozialistische Lager, darunter das Arbeitslager Blechhammer und das Konzentrationslager Buchenwald, und engagierte sich ab den 1990er-Jahren in der Erinnerungsarbeit.

Leben

Kindheit und Jugend Léon Reich wurde 1925 in Polen in eine chassidische jüdische Familie in der Nähe von Krakau geboren. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939 musste er seine in Krakau begonnene Lehre zum Uhrmacher abbrechen.

Deportation und Holocaust Im Jahr 1943 wurde Reich im Alter von 17 Jahren in das Arbeitslager Blechhammer deportiert, eine Außenstelle des Konzentrationslagers Auschwitz. Gegen Kriegsende überlebte er einen Todesmarsch und gelangte ins Konzentrationslager Buchenwald, wo er am 11. April 1945 von der US‑Armee befreit wurde.

Unter der nationalsozialistischen Verfolgung wurden mehrere Mitglieder seiner Familie ermordet.

Nachkriegszeit und Leben in der Schweiz 1945 wurde Reich als Flüchtling in der Schweiz aufgenommen. In Solothurn konnte er seine Ausbildung zum Uhrmacher abschließen, musste jedoch die Schweiz wieder verlassen. 1951 wanderte er nach Israel aus, wo er eine Uhrmacherschule leitete. Er kehrte zu einer Umschulung in die Schweiz zurück und heiratete dort eine 1942 aus Frankreich in die Schweiz geflohene Jüdin. Aus der Ehe mit Ruth Reich-Stul gingen drei Söhne hervor.

Ab 1958 lebte er in Nidau im Kanton Bern. 1964 gründete er dort die Firma Hormec Technic SA, die Präzisionsgeräte für die Uhrenindustrie entwickelte und herstellte. Deren Führung wurde 2013 an seinen Sohn übergeben.

Léon Reich starb am 30. November 2014 in Nidau.

Engagement als Zeitzeuge Über viele Jahre sprach Reich nicht öffentlich über seine Erfahrungen in den Konzentrationslagern. Ab Mitte der 1990er-Jahre begann er, als Zeitzeuge vor Schulklassen und bei öffentlichen Veranstaltungen über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu berichten. Einer seiner Vorträge vor Schülern wurde gefilmt und auf DVD veröffentlicht. In der SRF-Informationsfernsehsendung 10 vor 10 wurde 2006 Reichs Engagement als Zeitzeuge thematisiert. Seine Lebensgeschichte wurde unter anderem 2008 in der SRF-Radiosendung Kontext unter dem Titel „Ich war die Nummer 178453“ dokumentiert., downloadbar als MP3-Datei, 13,5 MB Zum 60. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung teilte er seine Erfahrungen während der NS-Judenverfolgung mit. Diese Aufnahme ist über eine FARO-Webstation des Schweizer Radio und Fernsehen zugänglich.

Auszeichnung 2006: Auszeichnung als einer von drei Zeitzeugen durch die Stiftung Erziehung zur Toleranz (SET) anlässlich des Holocaust-Gedenktages

Gedenken mini|hochkant=0.75|Gedenkstele Léon Reich, Nidau mini|Detail Gedenkstele Léon Reich 2020 wurde er im SRF-Fernsehdokumentarfilm Die Buchenwaldkinder thematisiert.: „Herzstück des Dokumentarfilms die Lebensgeschichte von Leon Reich. Reich kam im Rahmen der Buchenwald-Aktion als Überlebender des Holocaust in die Schweiz.“

Die Stadt Nidau ehrte Reich für sein Engagement für Erinnerung und Versöhnung. 2025 beschloss der Gemeinderat, ihm eine Gedenkstele zu widmen. Die Stele wurde am 8. Mai 2026 eingeweiht. Sie befindet sich an der Ecke Dr.-Schneider-Strasse/Oberer Kanalweg und wurde von der Bieler Künstlerin Hannah Külling gestaltet. Die aus Travertin gefertigte dreikantige Stele weist eine gedrehte Bruchstelle auf, durch die von oben gesehen die Form eines Davidsterns entsteht.

Einzelnachweise

Kategorie:Zeitzeuge des Holocaust Kategorie:Überlebender des Holocaust Kategorie:Häftling im KZ Auschwitz Kategorie:Häftling im KZ Buchenwald Kategorie:Polnischer Emigrant in der Schweiz Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Mann