Der Löwe und die neun Hyänen ist ein Tiermärchen der Somali (AaTh 51: Löwenanteil) aus Somalia, Äthiopien und Nordkenia.Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 318–320, 358.
Handlung Ein Löwe und neun Hyänen rauben zehn Rinder, von denen der Löwe eins den Hyänen gibt, damit sie insgesamt zehn sind und sich selbst neun, da seine Seite so auch zehn Tiere zählt. Die Hyänen sind aber nicht zufrieden mit der Teilung, also verlangen sie, dass ein Schakal sie vornehme. Der Löwe schickt sie los, um einen Schakal zu holen und meint heimlich zu jeder einzelnen von ihnen, dass dieser ihr und ihm das meiste zuteilen solle. Als sie dann losgezogen sind, frisst er neun der Rinder auf.
Als die Hyänen mit dem Schakal zurückkommen, senden sie diesen als ihren Sprecher zum Löwen. Der Löwe meint zu dem Schakal, dass er von den neun gefressenen Rindern die Eingeweide und Beine übrig gelassen und versteckt habe, die er bekäme, wenn er die Hyänen dazu bringe, das zehnte Rind teilen zu wollen. Da spricht der Schakal zu den Neunen, dass der Löwe eben ein Löwe ist und ihm die Hälfte des zehnten Rindes nicht reichen würde, also sollten sie es ihm nur ganz geben.
Die Hyänen geben sich daraufhin der Überlegenheit des Löwen geschlagen und gehen davon. Als der Schakal jedoch seinen Lohn einstreichen will, meint der Löwe, dass er den Hyänen nichts gelassen habe und deshalb auch ihm nichts geben werde.
Hintergrund Das Märchen stammt aus Adolf Walter Schleichers Somalitexte (Wien 1900, 77 f.) und trägt in Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (München 1991) den Titel Der Löwe und die neun Hyänen. Eine tschadische Mokilko-Variante des Märchens findet sich in Herrmann Jungraithmayrs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad (Düsseldorf / Köln 1981, 230–233, Nr. 47). In dieser will der Löwe der Hyäne nach der ungerechten Teilung noch einige Kälber ihrer Rinderherde abnehmen, indem er behauptet, dass sein Stier diese geboren habe. Vor Gericht, in der prallen Sonne, meint dann das Erdhörnchen, das die Hyäne verteidigt, sein Vater wäre niedergekommen und geht immer wieder, um ihm Wasser zu bringen. Der Löwe gerät darüber in Wut und gibt zu, dass Männer keine Kinder gebären können, wodurch die Hyäne den Streitfall gewinnt. Diese Variante stammt von den Mokilko und erhielt im Deutschen den Titel Hyänerich und Löwe (OT: Án-Dúúyú tí Sùwwú). Sie wurde 1973 von Atché Terlima Djiraki in N’Djamena erzählt und sowohl schriftlich als auch auf Tonband in Marburg (Sammlung Jungraithmayr) archiviert. Das Motiv ist in sudanischen Geschichten sehr beliebt. Eine nubische Variante, mit einem Fuchs anstatt dem Erdhörnchen, findet sich in Anna Hohenwart-Gerlachsteins Nubienforschungen (Wien 1979, S. 84 ff.).Herrmann Jungraithmayr (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1981, S. 230–233, 279.
In einer äthiopischen Variante fangen der Löwe, die Hyäne und der Schakal drei Tiere, wobei die Hyäne das größte davon beansprucht und dadurch vom Löwen getötet wird. Der Schakal soll dann teilen und spricht dem Löwen alle drei Tiere zu. Das Märchen stammt aus A. C. Beatons Tigre Folk Tales (Digam) (In: Sudan Notes and Records 28. 1947, 146 f.) und erhielt in Caspar Detlef Gustav Müllers Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Äthiopien (München 1992) den Titel Der Löwe, die Hyäne und der Schakal. Eine weitere äthiopische Variante aus R. P. Azaïs’ und Roger Chambards Cinq années de recherches archéologiques en Éthiopie (Paris 1931, 138), die einer mündlichen Erzählung aus Härär folgt, bekam bei Müller den Titel Löwe, Hyäne und Schakal auf der Jagd.Caspar Detlef Gustav Müller (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Äthiopien. Eugen Diederichs Verlag, München 1992, 79–80, 310.
Literatur Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 318–320, 358. Herrmann Jungraithmayr (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tschad. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1981, S. 230–233, 279. Caspar Detlef Gustav Müller (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Äthiopien. Eugen Diederichs Verlag, München 1992, 79–80, 310.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tiermärchen Kategorie:Löwe in der Kunst Kategorie:Hyäne als Thema