mini|Der Calaverasschädel, aus der vorläufigen Widerlegung von William Henry Holmes

Der Calaverasschädel (auch bekannt als der Plioceneschädel) war ein menschlicher Schädel, welcher 1866 von Minenarbeitern in Calaveras County, Kalifornien, gefunden und als Beweis vorgelegt wurde, dass Menschen schon während des Pliozän (vor mindestens 2 Millionen Jahren) in Nordamerika lebten. Sein Fund stützte die These, dass Menschen und Mammuts koexistiert hatten. Später wurde entdeckt, dass der Schädel ein Hoax war, jedoch gilt die Annahme der Koexistenz weiterhin, wenn auch in einer deutlich jüngeren Epoche (während des Pleistozän: vor mindestens 12.000 Jahren). Zufällig ist calaveras das spanische Wort für Schädel.

Geschichte Am 25. Februar 1866 behaupteten Minenarbeiter, einen menschlichen Schädel unter einer Schicht Lava ca. 40 Meter unter der Erdoberfläche gefunden zu haben. Der Schädel gelangte in die Hände von Josiah Whitney, dem damaligen Landesgeologen von Kalifornien und Professor für Geologie an der Harvard University. Ein Jahr bevor er von dem Schädel hörte, veröffentlichte er seine These, dass Menschen und Mammuts koexistiert hatten; der Schädel bestätigte seine Annahme. Infolge seiner Untersuchungen gab er seine Entdeckung bei einem Treffen der California Academy of Sciences am 16. Juli 1866 bekannt und erklärte sie als Beweis dafür, dass im Pleistozän Menschen in Nordamerika existiert hatten. Damit wäre der Schädel der älteste Beleg von Menschen auf dem Kontinent.

Seine Authentizität wurde sofort hinterfragt. 1869 berichtete ein Artikel der San Francisco Evening Bulletin, dass ein Minenarbeiter einem der Minister erzählt habe, dass der Schädel als Scherz platziert wurde. Eine Fluor-Datierung in 1879 (die Erste, die an menschlichen Knochen durchgeführt wurde) bewieß, dass der Schädel jüngeren Datums war. Der Schwindel war so weit bekannt, dass Bret Harte 1899 ein satirisches Gedicht namens "To the Pliocene Skull" verfasste.

Whitney ließ sich nicht von seiner Überzeugung, dass der Schädel echt war, abbringen. Sein Nachfolger in Harvard, Frederic Ward Putnam, glaubt ebenfalls an die Authentizität des Schädels. Er war entschlossen, die Wahrheit herauszufinden und begab sich 1901 nach Kalifornien. Während seines Aufenthalts hörte er die Geschichte, dass 1865 einer von vielen indischen Schädeln aus einem nahegelegenen Friedhof ausgegraben und in der Mine platziert wurde, um von den Arbeitern gefunden zu werden. Trotz allem weigerte sich Putnam den Schädel als Fälschung anzuerkennen und räumte lediglich ein, dass "es unmöglich sei, den Ort zu bestimmen an dem der Schädel gefunden wurde, mit dem die Archäologen zufrieden sind." Andere, wie zum Beispiel Anhänger der Theosophie, waren ebenfalls unbeirrbar in ihrem Glauben an die Echtheit des Schädels. Sorgfältige Vergleiche des Schädels mit Beschreibungen zum Zeitpunkt der ersten Entdeckung verkomplizierten den Sachverhalt, da sie ergaben, dass der Schädel in Whitneys Besitz nicht das Original war.

Der Anthropologe William Henry Holmes der Smithsonian Institution, stellte um die Jahrhundertwende weitere Nachforschungen an. Er stellte fest, dass die Pflanzen und Tierfossilien, welche in der Nähe des Schädels gefunden wurden, tatsächlich authentisch waren, der Schädel jedoch zu modern. Seine Schlussfolgerung war: "anzunehmen, dass dieser Mensch für Millionen Jahre hätte unverändert bleiben können [...] ist, schlicht gesagt, an Wunder zu glauben." J. M. Boutwell, welcher 1911 nachforschte, wurde ebenfalls von einem der an der Entdeckung Beteiligten informiert, dass der gesamte Fall ein Hoax war. Die Minenarbeiter von Sierra Nevada mochten Whitney anscheinend nicht besonders (weil er ein "sehr zurückhaltender Mann von der Ostküste war") und waren "entzückt", dass sie ihn so auf den Arm genommen hatten. John C. Scribner, ein lokaler Ladenbesitzer, behauptete den Schädel platziert zu haben, wie seine Schwester nach seinem Tod enthüllte. Die Radiokarbonmethode datierte das Alter des Schädels 1992 letztendlich auf unter eintausend Jahre, welchen ihn in die aktuelle geologische Epoche einordnet.

Trotz widersprüchlicher Beweise wird der Calaverasschädel weiterhin von Kreationisten als Beleg dafür zitiert, dass Paläontologen bewusst Funde ignorieren die nicht in ihre Theorie passen. Andere dieser Auffassung haben jedoch anerkannt, dass der Calaverasschädel ein Hoax ist.

Siehe auch Piltdown Man

Einzelnachweise

Literatur

Kategorie:Fälschung