Beim Massaker von Gomolava wurden vor rund 2800 Jahren im Bereich der heutigen archäologischen Fundstätte Gomolava im serbischen Verwaltungsbezirk Okrug Srem (Provinz Vojvodina) mindestens 40 Kinder, 11 Jugendliche und 21 Frauen durch Schläge mit stumpfen Waffen auf den Hinterkopf, durch Pfeile oder Speere getötet.Linda Fibiger, Miren Iraeta-Orbegozo, Jovan Koledin et al.: A large mass grave from the Early Iron Age indicates selective violence towards women and children in the Carpathian Basin. In: Nature Human Behaviour. Band 10, 2026, S. 656–668 doi:10.1038/s41562-025-02399-9.

Funde Die Skelette der insgesamt 77 in der frühen Eisenzeit Getöteten wurden bei Ausgrabungen im Bereich eines Siedlungshügels entdeckt, der seit dem 6. Jahrtausend v. u. Z. über hunderte Generationen hinweg bis ins Mittelalter als Wohnplatz und Nekropole genutzt wurde. Vermutet wird, dass der Siedlungshügel, gelegen am linken Ufer der Save, ein antiker Orientierungspunkt bei Wanderungen entlang des Flusses war. Das „Gomolava massacre“ habe sich in einer unruhigen Zeit zugetragen, in der sich halbnomadisch gewordene Gemeinschaften wieder dauerhaft niederließen und neue Einfriedungen schufen. „Spannungen zwischen etablierten und neuen Gruppen, die unterschiedlichen Lebensweisen folgten, könnten zu Konflikten um Landnutzung und -besitz geführt haben.“

Abgelegt wurden die Toten in einer Grube, die in ihrem bei Beginn der Ausgrabung erhaltenen Zustand einen Durchmesser von 2,90 Metern und eine Tiefe von rund 50 Zentimetern hatte. Im Unterschied zu anderen vorzeitlichen Massengräbern handelte es sich den 2026 publizierten archäologischen Erkenntnissen zufolge um einen bewusst geschaffenen, gepflegten und geschützten Ort an einer Stelle, die seit Jahrtausenden in der Region von Bedeutung war. Pfostenlöcher am Rand der Grabgrube deuten auf die Wiederverwendung einer früheren Struktur oder „auf eine bescheidene Gedenkstätte für die Bestattung“ hin.Dem am 23. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour veröffentlichten Artikel hat die Erstautorin, Linda Fibinger, als Abbildung 1b eine von ihr gezeichnete „reconstruction of the burial event at Gomolava“ (Rekonstruktion des Begräbnisgeschehens in Gomolava) beigegeben, die einen aus Leichen bestehenden ‚Grabhügel‘ zeigt. Zusammen mit dem Fehlen von Tierfraß an den Knochen und der erhalten gebliebenen, natürlichen Anordnung der Knochen deute dies auf eine wohlüberlegte Beisetzung hin. Zudem wurden den Toten kleine persönliche Schmuckstücke aus Bronze zusammen mit Keramikgefäßen beigegeben, die zur Aufbewahrung und zum Verzehr von Speisen und Getränken geeignet waren. Außerdem wurden Knochen von 50 bis 100 Tieren beigelegt, darunter fleischtragende Teile von Rindern unterschiedlichen Alters, von ausgewachsenen Schweinen und von Schafen oder Ziegen. Am Boden der Grabgrube, unterhalb der unzerlegten Überreste der 77 Menschen, waren die gleichfalls unzerlegten Überreste des größten Teils einer jungen Kuh platziert.

Entdeckt worden waren die Skelette bereits 1971. Die Altersverteilung und die Grabbeigaben hatte man damals als mögliche Folge eines natürlichen Geschehens interpretiert – als eine Seuche, die die schwächsten und jüngsten Mitglieder einer Gemeinschaft dahingerafft hatte.Gyula Farkas, Antónia Marcsik: Das Sammelgrab von Gomolava (Jugoslavien) aus der Urzeit. In: Anthropologie. Band 14, Nr. 1–2, 1976, S. 93–96 . Erst ab 2018 wurden die im Vojvodina-Museum in Novi Sad gelagerten Knochenfunde erneut analysiert.Ancient mass grave in Serbia seen as a grisly show of power. Auf: science.org vom 23. Februar 2026.

DNA-Analysen „Zweifellos neu“Iron Age mass grave reveals unprecedented violence against women and children. Auf: nature.com vom 23. Februar 2026. war für jene Forscher, die sich mit der Epoche vor rund 2800 Jahren befassen, das Ausmaß an Selektivität bezüglich des Geschlechts der Getöteten. Für 72 Skelette konnte mit Hilfe einer DNA-Analyse das Geschlecht rekonstruiert werden, und von denen waren 51 weiblich. Die geringe Anzahl von männlichen Skeletten – „einzigartig in der europäischen Urgeschichte“ – betraf alle Altersgruppen: Von 24 rekonstruierten Erwachsenen waren 21 weiblich (nur wenige waren junge Frauen), 7 von 10 rekonstruierten Jugendlichen waren weiblich und 23 von 37 Kindern. Das einzige Baby war männlich.

Diese Selektivität, die zahlreichen unverheilten Schädelverletzungen und die Nachweise von Verletzungen durch Pfeile oder Speere – Belege für eine gezielte Tötung – waren jedoch nicht die einzigen überraschenden Befunde der erneuten Untersuchungen der Knochenfunde. Die DNA-Analysen ergaben nämlich zusätzlich, dass die Menschen in dem Grab größtenteils genetisch nicht miteinander verwandt waren und weit voneinander entfernt aufgewachsen sind; einzige Ausnahme ist eine Mutter, die gemeinsam mit zwei Töchtern getötet worden war. Die Forscher vermuten, dass die Getöteten vor Unruhen oder Konflikten in anderen Teilen der Region flohen, in Gomolava aufgegriffen und von einer rivalisierenden Gruppe getötet wurden.

Literatur Gyula Farkas, Antónia Marcsik: Das Sammelgrab von Gomolava (Jugoslavien) aus der Urzeit. In: Anthropologie. Band 14, Nr. 1–2, 1976, S. 93–96 . Linda Fibiger, Miren Iraeta-Orbegozo, Jovan Koledin et al.: A large mass grave from the Early Iron Age indicates selective violence towards women and children in the Carpathian Basin. In: Nature Human Behaviour. Band 10, 2026, S. 656–668 doi:10.1038/s41562-025-02399-9.

Weblinks Ein Massaker an Frauen und Kindern vor 2800 Jahren. Auf: wissenschaft.de vom 26. Februar 2026. Eisenzeit-Massaker an Frauen und Kindern gibt Rätsel auf. Auf: scinexx.de vom 26. Februar 2026.

Anmerkungen

Belege

Kategorie:Prähistorisches Massaker Kategorie:Prähistorisches Massengrab Kategorie:Okrug Srem