Fricha und die beiden kleinen Mädchen ist ein Märchen der Beni Snus (AaTh 480: Das gute und das schlechte Mädchen) aus dem Raum von Tlemcen in Nordwestalgerien.Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 290–293, 356–357.
Handlung Ein Mann hat zwei Töchter von zwei Frauen, und als eine der Frauen stirbt, kommt deren Tochter bei der anderen unter, jedoch ist die Stiefmutter ihr gegenüber böse. Sie schickt die beiden Töchter zum Wasserholen, wobei sie ihrer Tochter einen Mörser gibt, der Waise jedoch ein Sieb. Als die Hand der Waise dann ermüdet, entgleitet ihr das Sieb, das vom Fluss davongetragen wird. Die Waise rennt ihm hinterher und trifft auf einen Mann, der ihr verspricht, es für sie herauszufischen, wenn sie ihm denn die Wäsche wasche, ihn lause und am ganzen Körper rasiere. Nach getaner Arbeit verweist er sie jedoch an einen anderen Mann, der gerade vorbeikommt, doch der lacht sie aus, ebenso auch einige weitere Männer, die sie fragt. Der siebente spricht dann zu ihr, sie solle zu Fricha, der Tochter des Glücks, gehen und diese anrufen, was das Mädchen auch tut.
Bei Fricha angelangt, fragt diese das Mädchen nacheinander, ob sie denn durch die Tür oder die Gosse eintreten, im Seidenzimmer oder Nadelzimmer empfangen werden, einen Hund oder einen Hammel sowie Brei oder Brot essen wolle. Das Mädchen überlässt Fricha die Entscheidung, woraufhin sie durch die Tür eintritt und im Seidenzimmer empfangen wird sowie Hammelfleisch und Brot zu essen bekommt. Am nächsten Morgen fragt Fricha das Mädchen, ob es in das Zimmer mit den Ottern oder in das mit den Goldstücken geführt werden wolle, woraufhin dieses antwortet, dass es dahin gehe, wo Fricha hingehe. Also gibt Fricha ihr einen Beutel mit Goldstücken und geleitet es zur Tür hinaus, woraufhin es nach Hause zu ihrem Vater eilt.
Am nächsten Morgen gibt die Stiefmutter ihrer eigenen Tochter, die ebenfalls böse ist, das Sieb, die daraufhin dasselbe erlebt wie ihre Schwester. Bei Fricha angekommen wählt sie aber immer die schönen Dinge aus, sodass sie die schlechten bekommt, und so eilt sie mit einer Otter im Sack heim zu ihrer Mutter. Diese greift in den Sack und wird gebissen, ebenso wie ihre Tochter, sodass beide sterben, und von da an lebt der Mann mit seiner Tochter alleine.
Hintergrund Das Märchen stammt aus Edmond Destaings Étude sur le dialecte Berbère des Benis-Snous (Paris 1911, II, 167–172) und trägt in Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (München 1991) den Titel Fricha und die beiden kleinen Mädchen. Nach Meinhof erinnert es stark an das grimmsche Märchen Frau Holle.
In einer Variante der Hausa aus Nigeria trägt ein Wirbelwind die beiden Mädchen nacheinander zu einer Grashütte mit einem sprechenden Hüftknochen und einem dolmetschenden Hund. Der Hüftknochen studiert dort die Eigenschaften der beiden Mädchen, woraufhin das gute reich beschenkt nach Hause zurückkehrt und vom König geheiratet wird. Das schlechte Mädchen allerdings bekommt schlechte Gaben mit, woraufhin das Herz ihrer Mutter so schwarz wird, dass sie daran stirbt, wodurch die Bosheit in die Welt kommt. Das Märchen wurde in Robert Sutherland Rattrays Hausa Folk-lore, Customs, Proverbs, etc. Vol. 1–2 (Oxford 1913, Band 1, S. 130 ff.) veröffentlicht und bekam in Ulla Schilds Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen (Düsseldorf / Köln 1975) den Titel Der sprechende Hüftknochen.Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 10–15, 287.
Literatur Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 290–293, 356–357. Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 10–15, 287.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Algerien) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen